Volkskrankheit Demenz : Das große Vergessen

Hilfe und Zuneigung auch in kleinen Dingen: Ehrenamtliche Betreuer sind wichtige Partner der Demenzerkrankten, auch wenn diese sich nicht mehr daran erinnern können.
Hilfe und Zuneigung auch in kleinen Dingen: Ehrenamtliche Betreuer sind wichtige Partner der Demenzerkrankten, auch wenn diese sich nicht mehr daran erinnern können.

Prognose: Die Zahl der Demenzerkrankten wird in den kommenden Jahren auch in Schwerin weiter wachsen

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05. März 2014, 12:00 Uhr

Demenz heißt übersetzt „ohne Geist“ und weist auf die Ursache der Krankheit hin: eine Störung im Gehirn, die zur grundlegenden Persönlichkeitsveränderung führen kann. In Schwerin wird die Zahl der Erkrankten in den kommenden zehn Jahren erheblich steigen – um bis zu ein Drittel, sagen Prognosen voraus. Ist die Stadt auf die neue Volkskrankheit vorbereitet?

Meist beginnt die Krankheit schleichend. Im frühen Stadium entwickeln die Betroffenen oft Strategien, die das Ausmaß des Verlustes eine Zeit lang kompensieren. Häufig ist es möglich, den Erkrankungsverlauf zu verlangsamen. Bekannt ist, dass „vergessene“ Fähigkeiten nicht neu erlernt werden können. „Deshalb ist es enorm wichtig, so früh wie möglich zu reagieren“, sagt Ute Greve, Leiterin des Zentrums Demenz. Das Angebot der Kontakt- und Informationsstelle ist trägerübergreifend, es werden alle Betreuungs- und Hilfsmöglichkeiten in Schwerin und der Umgebung vermittelt.


Treff mit Betreuer jedes Mal eine Premiere


Das Angebot, das immer stärker nachgefragt werde, funktioniere aber nur durch freiwilliges Engagement. Die Ehrenamtsbörse sei eine gute Plattform, zusätzliche Helfer zu gewinnen, lobte Ute Greve. Drei neue Mitstreiter werden die Arbeit künftig unterstützen (SVZ berichtete).

Vorlesen, zuhören, spazieren gehen, einfach nur da sein oder auch kochen und Spiele spielen – das sind die Hauptaufgaben der Betreuenden. Was sich einfach anhört, erfordert aber viel Geduld und Gelassenheit. Denn der Demenzerkrankte kann immer dieselbe Frage im Minutentakt wiederholen. Manche begrüßen ihren Betreuer jedes Mal so, als wäre es die erste Begegnung.

Um weiteren Interessierten, die bei der Betreuung von Demenzerkrankten helfen wollen, zu ermöglichen, sich darauf vorzubereiten, wird ein neuer Kurs begonnen. Er beginnt am 7. März. Die Anmeldung ist unter Telefon 0385-52 133 818 möglich.

Die Überalterung der Gesellschaft nimmt stetig zu, gleichzeitig steigt ab 65 Jahren die Wahrscheinlichkeit, an Demenz zu erkranken, steil an. Das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung nennt Zahlen und erörtert im veröffentlichten Demenz-Report die Frage, wie mit der Alterung der Gesellschaft umzugehen ist.


Zunahme um ein Drittel bis zum Jahr 2025


Im Jahr 2008 gab es in Schwerin 1680 Erkrankte. Die Dunkelziffer dürfte deutlich darüber liegen, sagt Ute Greve. Nach den Prognosen der Forscher soll der Wert bis zum Jahr 2025, unter Berücksichtigung der sich verändernden Bevölkerungsstruktur, um rund 34 Prozent zunehmen – das wären dann 2251 Betroffene. Hinzu kommt ein demografisches Problem: Die nachfolgenden Generationen, die sich um die bevölkerungsreiche Gruppe der an Demenz erkrankten Schweriner kümmern muss, ist wesentlich kleiner.

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