Altkleider in Schwerin : Das Geschäft der Lumpensammler

<strong>Mit  gutem Gewissen</strong> bringen die Schweriner ihre alten Kleider und Schuhe in die Sammelcontainer, weil der Name einer sozialen Organisation dransteht. Wird das auch noch so sein, wenn die Kommune das Geschäft übernimmt? <foto>Reinhard klawitter</foto>
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Mit gutem Gewissen bringen die Schweriner ihre alten Kleider und Schuhe in die Sammelcontainer, weil der Name einer sozialen Organisation dransteht. Wird das auch noch so sein, wenn die Kommune das Geschäft übernimmt? Reinhard klawitter

Während andere Gemeinden die Altkleidersammlung übernommen und soziale Organisationen vom Markt verdrängt haben, zögert die Landeshauptstadt Schwerin noch.

svz.de von
15. Januar 2013, 06:39 Uhr

Schwerin | Im gesamten Stadtgebiet sind Container aufgestellt, mit denen soziale Verbände Altkleider sammeln. Die Stadtwirtschaftlichen Dienstleistungen (SDS) als zuständiger Betrieb haben dafür die Genehmigung erteilt. Und das wird vorläufig auch so bleiben, so Werkleiterin Ilka Wilczek. In anderen Städten und Landkreisen ist das ganz anders. Osnabrück sammelt ab diesem Jahr die alten Sachen selbst ein, der dortige Landkreis tut es bereits. Auch Jena hat eigene Sammelbehälter aufgestellt. Andere Kommunen tun es ebenfalls. Denn: Mit Altkleidern lassen sich gute Geschäfte machen.

In der Bundesrepublik werden jedes Jahr etwa 750 000 Tonnen alter Textilien gesammelt - trotz ebay und Flohmärkten. Allein das Deutsche Rote Kreuz verdient deutschlandweit im Jahr rund 12 Millionen Euro durch den Verkauf von eingesammelten alten Sachen. Denn der ganz überwiegende Teil geht nicht, wie von vielen vermutet, in die Kleiderkammern von DRK und anderen sozialen Einrichtungen. Nur etwa zwei Prozent werden in Deutschland an Bedürftige abgegeben oder zu einem symbolischen Preis verkauft. Dabei sind rund 40 Prozent der Alttextilien durchaus noch tragbar. So hoch ist der Bedarf der gemeinnützigen Organisationen in Deutschland aber gar nicht. Deshalb wird das Gros nach Osteuropa und vor allem nach Afrika verkauft. Der Rest wird beispielsweise zu Dämmstoffen oder sogar zu Autoteilen verarbeitet. Ein Geschäft, das auch kommerzielle Sammler auf den Plan gerufen hat. Was an den Sammelcontainern nicht unbedingt zu erkennen ist. Diese Betriebe "tarnen" sich oft als gemeinnützig. Und machen in einzelnen Kommunen Probleme, weil sie illegal und ohne Genehmigung ihre Sammelboxen aufstellen. In Schwerin gab es in dieser Hinsicht bisher allerdings noch keine Schwierigkeiten, so die Auskunft der SDS-Chefin Ilka Wilczek.

Nach dem im Sommer vergangenen Jahres in Kraft getretenen Kreislaufwirtschaftsgesetz können Kommunen nun auch selbst die Altkleider einsammeln. Der Effekt: Sie haben zusätzliche Einnahmen - können so die Bürger von Müllgebühren entlasten. Immerhin gibt es für die Altkleider etwa 300 Euro pro Tonne.

In Schwerin hat man davon auch bereits gehört. "Das Thema ist bei uns präsent", sagt Ilka Wilczek. "Wir sind aber in der Diskussion noch zu keinem Ergebnis gekommen." Denn wirtschaftlich soll das Geschäft für den städtischen Betrieb schon sein - wie es das für die Sozialbetriebe und die gewerblichen Sammelfirmen bereits ist. Ilka Wilczek will deshalb nicht ausschließen, dass die Stadt die Altkleidersammlung selbst betreibt. Zunächst aber muss sich die SDS um andere Baustellen kümmern: Die Neuorganisation der Wertstoffsammlung und die Entsorgung von Bioabfällen stehen aktuell auf der Tagesordnung.

Die Kleidersammlungen durch die Kommunen ist nicht unumstritten. Die sozialen Organisationen beklagen fehlende Einnahmen und damit eine Beeinträchtigung ihrer Arbeit. Andererseits steht aber auch der Export von Alttextilien nach Afrika in der Kritik. Dort werde den kleinen Schneidereien die Arbeit weggenommen, heißt es.

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