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Feuer in Dümmer : Das ganze Dorf hilft den Brandopfern

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Feuer zerstört in der Nacht zu Donnerstag den Dachstuhl eines Reihenhauses: Alle Anwohner rechtzeitig in Sicherheit

von
erstellt am 29.Jan.2015 | 20:15 Uhr

Der Schock ist groß, doch auch Erleichterung ist zu spüren: Gestern Vormittag sitzt eine Reihe von Einwohnern aus Dümmer im Café der Bäckerei in der Hauptstraße und blickt auf die Reihenhäuser mit dem ausgebrannten Dachstuhl gegenüber: Das Gebäude ist ihr Zuhause. „Zum Glück ist keinem Menschen etwas passiert, alle sind heil und gesund rausgekommen“, stellt Anke Gräber fest. Die Bürgermeisterin und weitere Helfer haben in der Nacht Tee und Kaffee gekocht, Brandopfer betreut, Feuerwehrleute versorgt. Geschlafen hat in dieser Nacht von den Betroffenen wohl keiner, aber dank der Hilfe aus dem ganzen Dorf hatte jeder Einzelne schnell ein sicheres Dach über dem Kopf.

„Wir wollten gerade ins Bett gehen, da bemerkten wir den Brandgeruch,“ erzählt Martin Lutzmann, der mit Ehefrau Daniela und der kleinen Tochter in einer der Wohnungen lebt. Beim Blick aus dem Fenster sahen sie die Flammen. Schnell packten die Erwachsenen das Kind, ein paar Sachen – und raus. „Zum Glück wohnen die Schwiegereltern im Dorf. Da kamen wir sofort unter“, erzählt Martin Lutzmann. Mario Seils lebt genau unter der Wohnung, in der das Feuer ausbrach: „Ich hörte es bullern, konnte die Geräusche nicht zuordnen. Dann klopfte schon ein Nachbar.“ Tobias Dankert bewohnt eine Wohnung am Giebel. „Ich hatte geschlafen und wurde durch Nachbarn geweckt“, erzählt der junge Mann. Schnell schnappte er sich seinen Hund und ab ins Freie.

Dort trafen die Bewohner auf eine Reihe von Feuerwehrleuten, die die Flammen bekämpften. Kurz vor halb zwölf war der Alarm ausgelöst worden. Die Feuerwehren aus Walsmühlen und Parum waren als erste am Brandort. Weitere Wehren aus dem Amt Stralendorf sowie Schweriner und Wittenburger Kameraden wurden zur Hilfe gerufen. „Es war sofort klar, dass wir Verstärkung und auch Drehleitern benötigen“, betont Einsatzleiter Stefan Mehler. Das Löschwasser in den Tanks der Einsatzfahrzeuge reicht nicht lange. Hydranten wurden angezapft und zwei Schlauchleitungen zum Dümmer See gelegt. „Das war kein leichter Einsatz“, so Mehler. Denn der stürmische Wind sorgte dafür, dass Flammen immer wieder aufflackerten. Gegen ein Uhr hatten die etwa 60 Kameraden den Brand unter Kontrolle, die letzten Flammen waren gegen 3.30 Uhr gelöscht.

Zu dem Zeitpunkt waren alle Bewohner in sicheren Quartieren, die meisten bei Verwandten in Dümmer und Umgebung. Doch auch denen, die dieses Glück nicht hatten, wurde sofort geholfen. Holger Stuth vom „Hannes Ossenkopp“ gegenüber öffnete sofort Gaststube und Hotel. Auch da gab es Kaffee, Soljanka, Brötchen. Und der Wirt stellte für die letzten Verbliebenen ohne Bett fünf Zimmer zur Verfügung. „Die Brandopfer können hier vorerst bleiben“, betont Stuth. Gestern Vormittag begann aber auch schon der Umzug in Ausweichquartiere: Die Wittenburger Wohnungsgesellschaft konnte mit sofort verfügbaren Räumen helfen.

Zeitgleich nahmen die Brandermittler ihre Arbeit auf. Der Sachverständige Peter Saeland erlaubte nach einer ersten Begutachtung den Betroffenen, Papiere und die notwendigsten Dinge aus den Wohnungen zu holen – auf eigene Gefahr. Nur das Reihenhaus in der Mitte des 1991 errichteten Komplexes blieb tabu: Dort ist der komplette Dachstuhl zerstört. Was Feuer, Qualm und Wasser für Schäden in dem Wohn- und Geschäftshaus angerichtet haben und wodurch der Brand entstanden ist, konnte Saeland so früh noch nicht sagen. „Die Ermittlungen laufen ja erst an.“

Die Bewohner machten sich indes auf den Weg in ihre Wohnungen – mit der Hoffnung, dass sich der Schaden hinter der Haustür in Grenzen hält. Anke Gräber kontrollierte währenddessen ihr Handy – und sieht eine Reihe von Mails mit Hilfsangeboten. „Das ist auch für mich sehr beeindruckend, wie das ganze Dorf in dieser Situation zusammensteht“, sagt die Bürgermeisterin sichtbar stolz.

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