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Zeitung für die Landeshauptstadt

16. Dezember 2017 | 14:10 Uhr

Radsport : Das Extreme ist genau sein Ding

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Ob durch Schnee und Eis, in einem Bergwerkstollen oder hunderte Kilometer nonstop: Alexander Witt liebt die Herausforderung auf dem Rad

von
erstellt am 22.Mai.2016 | 08:00 Uhr

Wenn am nächsten Wochenende der Startschuss für die 3. Mecklenburger-Seen-Runde fällt, dann tritt auch Alexander Witt in die Pedalen, um als Mitglied des AOK-Teams an der Seite von Bahnrad-Olympiasieger Stefan Nimke die 300 km mit Start und Ziel in Neubrandenburg zu meistern. Mehr als 2300 Teilnehmer haben gemeldet. Touren wie diese sind das „Ding“ des 44-jährigen Schweriners. Schon in jungen Jahren zum Radsport gekommen, feierte er mit drei DDR-Meistertiteln im Jugendbereich seine größten Erfolge. Doch irgendwann war die Luft raus, hatte er keine Lust mehr auf Straßenrennen. Was blieb, war der generelle Spaß am Radsport. Witt entdeckte die Langstrecke für sich. „Es ist erstaunlich, was da im Kopf abgeht. Sich über den Punkt des Nicht-mehr-Wollens rüberzuquälen, bei minus 15 Grad in Lappland zu fahren oder nachts gegen die Müdigkeit anzukämpfen – einfach die Komfortzone verlassen und sehen, was (noch) geht. Das macht für mich den Reiz aus.“

Genauso genießt er allerdings auch Tages- oder Mehrtagestouren mit seiner Frau und den beiden Kindern. So steht trotz aller sportlichen Verrücktheiten und Herausforderungen wie dem Ultra-Fatbike-Rennen im winterlichen Finnland, einem Bergwerkrennen unter Tage in einem stillgelegten Stollen, oder auch der Vätternseerundan in Schweden doch eine Tour ganz oben auf „Alex“ persönlicher Hitliste: „Ich bin vor vier Jahren mit meiner damals zehnjährigen Tochter von Schwerin nach Neubrandenburg gefahren – zwar unspektakulär im Sinne von extrem, dafür wunderbar zu zweit.“

Die Familie war auch anfeuernd mit dabei, als Witt vor kurzem bei der Singlespeed-Cyclocross-EM antrat. Diese Meisterschaft, die bei ihrer dritten Auflage auf der Berliner Fahrradschau Station machte, fällt ein wenig aus der Rahmen. Es gibt lediglich zwei feste Regeln: Zum einen besteht Helmpflicht, zum anderen dürfen ausschließlich Räder mit nur einem Gang gefahren werden. Alles andere ist frei wählbar: Reifengröße und -breite, Lenkerform oder auch die Bekleidung. Wer wollte, durfte gern kostümiert fahren. Rund 140 Teilnehmer gingen an den Start. Das Feld präsentierte sich international. Neben großer europäischer Konkurrenz hatten selbst Fahrer aus Australien und Neuseeland den Weg nach Berlin gefunden. Es maßen sich, bunt gemischt, Hobby- und Lizenzfahrer. Das Durchschnittsalter lag bei Mitte 20. Insofern zählte der Schweriner mit seinen 44 Lenzen zu den „gestandenen“ Fahrern, um nicht von „Oldies“ zu sprechen.

In zwei Vorläufen über jeweils 25 Minuten wurden zunächst die 50 Finalisten ermittelt. Und das Finale sollte es für Alexander Witt schon sein, obwohl er nach eigener Aussage „relativ entspannt“ an den Start ging. Der eng abgesteckte Rundkurs, der aus einer Halle (Start und Ziel) in ein Freigelände führte, hielt, was der Cross-Charakter versprach: Viele Kurven, kurze Ab- und steile Auffahrten, Rampen, Tiefsandpassage, künstliche Hindernisse – und das alles war auf Grund der Startzeit (erster Vorlauf: 20 Uhr, Finale: 22 Uhr) unter Flutlicht zu meistern. In der Halle wartete zudem noch in jeder Runde der Pumptrack, eine ca. 50 m lange, wellenförmige Bahn. Im Vorlauf musste man sich auf 20 bis 30 Runden einstellen, im 50-minütigen Finale wartete die doppelte Distanz. Gestartet wurde im LeMans-Modus. Das bedeutete, beim Startschuss mussten die Fahrer erst einmal zu ihren Rädern sprinten, aufspringen und ab ging die Post. Im Finale, das der Schweriner wie erhofft erreichte, wartete eine besondere Überraschung. „Die Räder waren von uns nicht einzusehen. Zwischen Ablegen und Startschuss hatten Zuschauer alle zu einem Haufen aufgetürmt, so dass wir das Knäuel erst einmal entwirren mussten – wirklich lustig.“ Diese Aktion passte zur entspannten Atmosphäre: „Super Publikum, keine Stürze, alles sehr fair.“

Die Rennen selbst hatten es in sich, stellten hohe Anforderungen an Fahrtechnik, Kraft und Ausdauer. „Du musstest ab dem ersten Meter voll auf Anschlag fahren.“ Von technischen Pannen blieb Witt verschont und erreichte mit seinem rosa Singlespeed als 29. das Ziel. „Damit war ich super zufrieden.“ Sieger wurde der Niederländer Gosse van der Meer.

Was die weiteren „Projekte“ für dieses Jahr betrifft, so hat Alexander Witt unter anderem Fichkona (620 km nonstop vom Fichtelberg zum Kap Arkona) im Blick. Der Höhepunkt ist dann für den Oktober geplant, in Gestalt eines Rennens auf der Seidenstraße: 1200 Kilometer nonstop durch Usbekistan. „Das muss aber noch ein wenig im Kopf reifen.“

Thomas Willmann

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