Schwerin : Das Ende macht den Unterschied

 Deutsche Redensarten, wie „alles in Butter“ oder „alter Schwede“, hat Viorica Sirbu anfangs wörtlich genommen, nach einigen Jahren in Deutschland, kennt sich die Moldawierin bestens aus.
Deutsche Redensarten, wie „alles in Butter“ oder „alter Schwede“, hat Viorica Sirbu anfangs wörtlich genommen, nach einigen Jahren in Deutschland, kennt sich die Moldawierin bestens aus.

Viorica Sirbu aus Moldawien kam zum Schüleraustausch nach Ludwigslust, lebt nun in Schwerin und liebt die Feinheiten der deutschen Sprache

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20. Mai 2019, 05:00 Uhr

Menschen aus rund 100 verschiedenen Nationen leben in der Landeshauptstadt Schwerin und Umgebung. Einige von ihnen sind bereits eine lange Zeit in Deutschland, andere erst wenige Wochen. Einige von
ihnen stellen wir vor. Heute: Viorica Sirbu aus Moldawien.

„Drei Katzen, ein Mann. Das reicht“, sagt Viorica Sirbu (28) und lacht aus vollen Herzen, als sie beginnt ihren Weg nach Schwerin und den
Alltag in der Landeshauptstadt zu beschreiben. Im Jahr
2008 ging sie noch in Antoneti im Südosten der Republik Moldau zur Schule. Sie wollte gerne für ein Jahr ins Ausland gehen und so tagte der Familienrat: Mutter, Vater, die zwei jüngeren Brüder und Viorica Sirbu. „Niederlande oder Deutschland? Das war die Frage. Wir haben abgestimmt und Deutschland bekam mehr Punkte.“ Und so ging es für Viorica Sirbu ins Goethe-Gymnasium nach Ludwigslust.

„Die Vorfreude auf das Gastschuljahr war groß, aber meine ersten Deutschkenntnisse waren nicht ausreichend, um ein einfaches Gespräch zu führen“, sagt Sirbu und erinnert sich an die gute Unterstützung beim Lernen durch ihre Mitschüler und die Gastfamilie. „Vier Monate später konnte ich nach einem Kinobesuch immerhin schon sagen, ich hätte 40 Prozent des Films verstanden.“

Ihren Schulabschluss macht Sirbu in Moldawien. Sie geht zum Studium in die Hauptstadt Chiinu. Mit einem Bachelorabschluss „Internationales Recht“ in der Tasche und ausgestattet mit
den Sprachen Rumänisch, Englisch, Russisch und Deutsch kommt die junge Juristin nach dem ersten Job
in der Beratung zur Integration von Flüchtlingen und von humanitären Schutzbedürftigen beim Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen zurück nach Ludwigslust. „Ich hatte mir ein one-way-Ticket gekauft und einen Koffer dabei, der war schwerer und deutlich größer als ich selbst!“, lacht sie. Im Gepäck war auch eine kleine Landkarte von Moldawien, die ihr kleiner Bruder gezeichnet hat. Sie hat ihm diese vor der Abreise „geklaut“ und seitdem immer bei sich.

Im Herbst 2016 zieht sie nach Schwerin. Hier arbeitet
sie beim VSP, dem Verbund für Soziale Projekte gGmbH. „Ich berate im Projekt HELLP Bürger aus der EU, die im Landkreis Ludwigslust leben und arbeiten. Da habe ich viel Kontakt zu Behörden in der Region und in Schwerin. Schön ist, dass die Wege hier kurz und die Menschen meist hilfreich und offen in
der Zusammenarbeit sind.“

Das Berufsleben mit Menschen, die ihren Rat suchen und brauchen, liegt ihr. Die vielfältigen Sprachkenntnisse sind da ein echtes Plus.

Ihren Partner, Daniel hat sie beim Sport , beim „Brasilianischen Jiu-Jitsu“, kennengelernt. Daniel war ihr Trainer. Sirbu liest gerne und mag Hörbücher. Und auch Sprachen machen ihr Spaß. Auch Deutsch. Besonders mag sie Worte, die auf Deutsch und Rumänisch ähnlich klingen, zum Beispiel
Diversität, sukzessiv oder luzid, ein Wort das kaum ein deutscher Muttersprachler kennt. Das Adjektiv bedeutet „klar; verständlich, einleuchtend“. Deutsche Redensarten, wie „alles in Butter“ oder „alter Schwede“, hat sie anfangs wörtlich genommen und sich gewundert, was die Leute so sagen. „Das Ende macht den Unterschied. Einen deutschen Satz muss man immer bis zum Ende hören. Da kommt oft das Verb oder die Negation“, schmunzelt sie. Es gefällt ihr, wenn ihr Freund sie hin und wieder korrigiert. „Da lerne ich immer wieder dazu. Auch Worte wie „wat“ oder „icke“, die nicht im Duden stehen. Und sie legt Wert darauf, Verstehensprobleme möglichst schnell und gründlich auszuräumen.

Was sie hier vermisst? Es ist die Familie, die himmlische Ruhe und der klare Himmel auf dem Dorf bei den Eltern. Kommen Freunde oder Familie zu Viorica Sirbu als Gäste nach Schwerin, dann spaziert sie mit ihnen meist um den Pfaffenteich, durch die Innenstadt zum Schlossgarten. „Das ist immer die erste Anlaufstelle.“

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