Keine Tafeln mehr : Das Ende der Kreidezeit

So funktioniert es: Raik Hellweg (r.) von der Firma Glagla erklärt Plates Grundschulleiterin Sonja Radke und Lehrer Sebastian Fynnau, was mit einem Smartboard alles gemacht werden kann.
So funktioniert es: Raik Hellweg (r.) von der Firma Glagla erklärt Plates Grundschulleiterin Sonja Radke und Lehrer Sebastian Fynnau, was mit einem Smartboard alles gemacht werden kann.

In MV hängen immer mehr digitale Schultafeln in Klassenzimmern – auch in der Grundschule Plate wird jetzt mit Fingerdruck gearbeitet

von
29. August 2015, 16:00 Uhr

Die Schüler der Grundschule Plate können aufatmen. Zwar hat der klassische Tafeldienst mit Schwamm und Trockenputztuch noch nicht ganz ausgedient, aber der Abwasch wird für sie ab Montag weniger. Der Grund: Das Ende der Kreidezeit wurde an ihrer Schule eingeläutet, denn jetzt gibt es auch in Plate vier digitale Tafeln, die per Fingerdruck oder mit einem kabellosen Stift bearbeitet werden. Viel mehr wird es die 178 Jungen und Mädchen der Naturschule aber wohl freuen, dass ihr Unterricht nun mit Hilfe moderner Technik attraktiver und lebendiger gestaltet werden kann. Das hängt aber stark davon ab, mit wie viel Spaß und Elan die elf Lehrer der Schule die Möglichkeiten des so genannten Smartboards nutzen wollen. Und auch davon, wie sie die Kinder der Klassen eins bis vier mit der Tafel interagieren lassen. Denn diese Tafeln können viel mehr zu als ihre Vorgänger, die noch Kreide brauchten.

Die Kinder der Plate Schule machen noch Ferien, ihre Lehrer drücken dagegen die Schulbank. Beamer, Internet kompatibler Laptop und 87 Zoll großer Bildschirm – sie gehören jetzt zum Equipment in vier der acht Klassenräumen. In einem davon steht Raik Hellweg und erklärt, was die Software eines interaktiven Smartboards alles so kann. Der 38-jährige Mitarbeiter der Büro-Organisationsfirma Glagla aus Schwerin hat schon mehr als 100 solcher Schulungen gemacht. „70 Prozent der Schulen in MV“, schätzt er, „verfügen schon mindestens über ein Smartboard.“ Der Finger ersetzt die Computermaus. Mal eben die Umrisse des afrikanischen Kontinents aus der Computer-Bibliothek auf den Bildschirm ziehen. Einen Elefanten noch schnell dazu. Er lässt sich verkleinern, vergrößern, verschieben, verdoppeln. Ein kurzer Fingerdruck auf das Lautsprechersymbol auf dem Bildschirm – und schon trötet der Elefant los. Fotos, Videos, Audiodateien – all das, was die neuen Medien hergeben, kann geladen, gespeichert, später neu aufgerufen und ergänzt werden. Rechnen, schreiben, Hilfslinien aufrufen – die Möglichkeiten sind so vielfältig, dass die zweistündige Schulung für die Lehrer kaum ausreicht, das sie selber die gängigsten Anwendungen und Kniffe abspeichern können. „Deshalb beschäftigen wir uns schon seit Ferienbeginn mit den neuen Tafeln“, sagt Schulleiterin Sonja Radke. Jeder Lehrer habe eine entsprechende Software auf dem eigenen Rechner und habe schon zu Hause mit dem Programm experimentieren können, so Radke. Von dem Schulbuch-Verlag, mit dem die Plater Lehreinrichtung kooperiert, sei auch schon die entsprechende Lern-Software angeschafft worden. „Ich bin begeistert von diesen Tafeln“, gesteht die Schulleiterin, die im vergangenen Jahr auf den Geschmack gebracht wurde. Ihr Lehrerkollege Sebastian Fynnau hatte in seiner Referendariats-Zeit in Wittenberge mit diesem System gearbeitet – und es für nützlich, abwechslungsreich und interessant für die Schüler befunden. Danach schauten sich die Schulleiterin und die Lehrer an, wie sich die Tafeln in der Schule Wittenförden bewähren. „Und dann haben wir die Gemeinde Plate, die Träger unserer Schule ist, gefragt, ob wir auch welche bekommen können“, so Radke. Geht klar, beschloss die Gemeindevertretung. Und für Bürgermeister Ronald Radscheidt sind die 550 Euro, die jetzt monatlich für die Miete der vier Geräte bezahlt werden, eine Investition in die Zukunft. „Diese Tafeln sollen und werden das klassische Lernen nicht ersetzen, aber wir wollen innovativ sein und mit der Zeit gehen.“

Neben dem Smartboard hängt eine alte Tafel. Darauf sind Zahlen und Buchstaben. Das ist der Zugangscode für den digitalen Bruder nebenan. Ganz ausgedient hat sie noch nicht, die klassische Tafel. Und wenn die Technik mal streiken sollte, dann ist sie auch wieder die Nummer eins. Vorübergehend jedenfalls.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen