Pleitegeier kreist : Darf bei der Kultur gespart werden?

Der über Schwerin kreisende Pleitegeier soll verjagt werden, denn die Gesamtschulden betragen mehr als 200 Millionen Euro.  Collage: Preuss
Der über Schwerin kreisende Pleitegeier soll verjagt werden, denn die Gesamtschulden betragen mehr als 200 Millionen Euro. Collage: Preuss

Wieder will die Stadt den Rotstift anlegen: Die privaten Musikschulen und das Konservatorium sollen weniger Geld bekommen

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08. Dezember 2014, 20:00 Uhr

Der Druck aus dem Innenministerium ist enorm: Die Landeshauptstadt soll endlich ihre Ausgaben zurückschrauben. Der Beratende Beauftragte hat dazu viele Vorschläge aufgeschrieben und die Kommunalaufsicht hat bereits für das kommende Jahr gefordert, dass aus dem geplanten Haushalt mindestens 5,2 Millionen Euro herauszukürzen sind. Und also wird wieder einmal wird über die Kultur als so genannte „freiwillige Aufgabe“ diskutiert.

Die Stadtvertreter hatten auf Vorschlag der Verwaltung bereits beschlossen, dass das soziokulturelle Zentrum „Der Speicher“ nicht geschlossen werden soll, dass eine Zusammenlegung von Schleswig-Holstein-Haus und Volkskundemuseum Mueß nicht sinnvoll ist und deshalb nicht in Frage kommt und dass die beiden Stadtteilbibliotheken erhalten bleiben müssen. Doch der Innenminister zeigte sich in dieser Frage hartnäckig: Sollte die Stadt einzelne Vorschläge des Beratenden Beauftragten nicht umsetzen, so habe sie an anderer Stelle in gleicher Höhe zu streichen. Aber gegen diese Forderung wehren sich Stadtverwaltung und Stadtvertretung. Nur bei den Musikschulen – dem kommunalen Konservatorium und den beiden von Vereinen getragenen Einrichtungen Ataraxia und Schule der Künste – soll der Rotstift angesetzt werden.

War die Verwaltung in den vergangenen Jahren mit dem Vorschlag gescheitert, nur bei den privaten Einrichtungen zu kürzen, so ist sie davon jetzt abgerückt. Denn „die Streichung der Zuschüsse würde die freien Einrichtungen in ihrem Bestand gefährden, da an die städtischen Zuschüsse auch die Landeszuschüsse geknüpft sind. Für diese Maßnahme soll aus diesem Grund eine Gesamtbetrachtung aller drei Musikschulen vorgenommen und der Zuschuss entsprechend begrenzt werden“, heißt es zur Begründung. Die Planung bis jetzt: 2016 werden 50 000 von mehr als insgesamt 800 000 Euro gestrichen, 2017 sollen es schon 100 000 Euro sein und in den Jahren danach bis einschließlich 2020 jeweils 120 000 Euro. Wohlgemerkt: Betroffen soll diesmal auch das Konservatorium sein. Dramatisch ist das alles offenbar nicht. „Die Maßnahme hat keine Auswirkungen auf Lebensverhältnisse, Wirtschaft, Arbeitsmarkt etc.“, heißt es von Seiten der Verwaltung.

Doch schon in der Vergangenheit regte sich erheblicher Widerstand, wenn es um Kürzungen bei der Kultur und insbesondere bei den privaten Musikschulen ging. Die Stadtpolitik lehnte daher Kürzungen bei Ataraxia und der Schule der Künste klar ab. Und auch jetzt gibt es Gegenwind. Die Bündnisgrünen stellen den Antrag, alle Musikschulen finanziell zu unterstützen wie bisher. Begründung: Wegen Kostensteigerungen könne der Unterrichtsbedarf schon heute nicht abgedeckt werden.

Ihre Meinung ist gefragt!

Was sagen Sie, liebe Leserinnen und Leser: Soll bei den Kulturangeboten in der Stadt  und insbesondere bei den drei  Musikschulen  gekürzt werden? Schreiben Sie uns Ihre Meinung unter dem Stichwort „Geld für die Kultur“ per E-Mail an die Lokalredaktion Schwerin, Adresse: schwerin@svz.de. Bitte vergessen Sie Ihren Namen nicht. Natürlich können Sie uns wie gewohnt auch einen Brief  oder eine Karte per Post zuschicken.

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