Leser des Monats : Dankbarkeit hat sie voran gebracht

Glück, das wächst: Ilse Ohlhöft bestaunt ihre Sonnenblumen auf dem Balkon.
Glück, das wächst: Ilse Ohlhöft bestaunt ihre Sonnenblumen auf dem Balkon.

Ilse Ohlhöft hat seit Jahrzehnten die Volkszeitung – Die Crivitzerin liest sie von „Hacken bis Nacken“ und hält so ihren Kopf fit

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23. August 2015, 09:00 Uhr

Dass aus kleinen Dingen etwas ganz Großes werden kann, hat Ilse Ohlhöft in den vergangenen Wochen täglich bestaunt. Zu ihrem 88. Geburtstag Anfang März hat sie von der Schweriner Volkszeitung Sonnenblumensamen bekommen. „Ich habe mich sehr über diese Geburtstagspost gefreut“, erzählt die Crivitzerin. Und ihre Freude ist gewachsen – nicht nur sprichwörtlich. „Die erste Sonnenblume verabschiedet sich nun schon so langsam wieder“, sagt Ilse Ohlhöft und setzt sich neben dem großen Übertopf auf einen Gartenstuhl. „Mein Balkon ist zwar kein großer Sommergarten, aber durchaus eine kleine grüne Oase“, betont Ilse Ohlhöft. Sie kommt ins Plaudern. Erzählt von ihrer Kindheit, den schönen Zeiten. „Ick bün eene waschechte Crivitzerin“, sagt sie und lacht. Unweit ihres Elternhauses in der Mauerstraße hat Ilse Ohlhöft nun ein neues Zuhause gefunden: im Betreuten Wohnen in der Parchimer Straße.

Mit ihrer Heimatstadt ist die 88-Jährige eng verbunden. „Ich war lediglich mal für vier Wochen in Schwerin. Dann hatte ich aber so großes Heimweh, dass ich wieder zurück nach Crivitz gezogen bin“, erzählt sie. Aber nicht nur ihrer Heimatstadt hält sie seit vielen Jahrzehnten die Treue, sondern auch ihrer Tageszeitung. „Ich lese sie von Hacken bis Nacken. Ich brauche die Zeitung, sie gehört zum Frühstück dazu“, sagt Ilse Ohlhöft.

Lediglich die Politikseiten werden von ihr gelegentlich überblättert. „Das ist nicht ganz so mein Ding“, schiebt sie hinterher. Die aktuellen Flüchtlingsdebatten interessieren sie jedoch sehr: „Mein Vater war in Kriegsgefangenschaft, meine Mutter mit uns fünf Kindern allein. Wir haben trotzdem Flüchtlinge aufgenommen“, erinnert sie sich. Pellkartoffeln und Quark habe ihre Mutter gemacht – die Heimatlosen mitversorgt.

„Damals gab es keinen Hass. Die Menschen hatten wenig, haben aber geteilt“, erklärt die Crivitzerin. Ob darin das heutige Problem besteht? Sie zuckt mit den Schultern. „Früher wurden die Flüchtlinge besser verteilt und es gab sie in jedem Ort. Und klar war, das sind auch Menschen. Menschen, die Hilfe brauchen. Und wir haben geholfen, wo es ging.“ Oft sitzt Ilse Ohlhöft vor dem Fernseher und verfolgt die Nachrichten mit großem Unverständnis: „Es ist traurig, wie sich manche Menschen benehmen. So viel Hass wie jetzt in Sachsen ist furchtbar.“

Eine Tugend hat sich Ilse Ohlhöft bis heute bewahrt: Dankbarkeit. „In meinem Leben gab es viele traurige Momente und schwierige Situationen. Ich habe mich immer wieder aufgerafft.“ Früh habe sie ihren Mann verloren, vor wenigen Jahren ihren Sohn. „Doch ich bin dankbar. Denn es geht immer weiter. Und heute bin ich sogar stolze Ururoma“, erzählt sie und streicht liebevoll über den Bilderrahmen mit dem Foto von Ururenkelin Ida Marlena.

Dankbar sei sie für solche Geschenke und die Unterstützung durch die Familie sowie die Schwestern des Betreuten Wohnens. „Sie sind immer für mich da. Meinen Kopf halte ich mit Lesen fit – mit der SVZ“, sagt sie mit einem Augenzwinkern.

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