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Zeitung für die Landeshauptstadt

22. Oktober 2017 | 17:45 Uhr

Schweriner Schloss : Dampfmaschine statt Gefangene

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die kleinen Geheimnisse des Schweriner Schlosses – heute: Das Burgverlies ist schon 500 Jahre alt, gefoltert wurde hier aber wohl nie

von
erstellt am 25.Aug.2017 | 08:00 Uhr

Das Schweriner Schloss ist Wahrzeichen der Stadt und Besuchermagnet für Menschen aus aller Welt. Herrschersitz ist es bereits seit dem 10. Jahrhundert, in den Jahren 1845 bis 1851 wurde es zu dem Märchenschloss umgebaut, das wir heute noch kennen. Seitdem der Großherzog abgedankt hat, waren dort Museen, Büroräume und schließlich die Erzieherschule untergebracht, seit 1990 sitzt hier der Landtag. Schlossfest und Museumsführungen nutzen die Schweriner gerne. Trotzdem gibt es jede Menge Winkel und Bewohner, die nur wenige kennen. Heute: das Burgverlies und der benachbarte Weinlaubsaal.

Es klingt schön gruselig und wirkt auch so: Unter dem Schweriner Schloss hat es offenbar auch ein Verlies gegeben. Bei einem Herrschersitz nichts Ungewöhnliches:Wohin auch sonst mit den Gefangenen? Aber ganz so einfach ist es eben doch nicht. „Ein Verlies war es wohl nie“, sagt Inga Müller vom Landtags-Referat Bewirtschaftung der Liegenschaften, Veranstaltungen Dritter und Welterbe. Sie hat sich bei Experten zum Thema informiert. „Es lässt sich nur sagen, dass sich das Burgverlies im oder unter dem so genannten Neuen Langen Haus befindet, einem der ältesten noch erhaltenen Bauabschnitte des Schlosses aus dem 16. Jahrhundert. Der gewölbte Bau, also das Tonnengewölbe, ist vermutlich noch älter, stammt eher aus der Zeit um 1500.“ Das Burgverlies ist also immerhin einer der ältesten Teile des Schlosses. Der Turm über ihm wurde beim Umbau des Schlosses im 19. Jahrhundert übrigens abgerissen, um für den „Altertumssaal“, die Hofdornitz, mehr Licht zu erhalten.

Was klar belegt ist: Im 19. und im 20. Jahrhundert stand im Burgverlies der Dampfkessel der Dampfmaschine. Die Maschine selbst war aber in einem anderen Raum untergebracht.

Interessant ist es aber auch gleich nebenan: An das Verlies grenzt nämlich der Weinlaubsaal, einer von drei Orangeriesälen, die Gottfried Semper entwarf und Georg-Adolph Demmler plante. Hier wurden zu Großherzogs Zeiten im Winter die empfindlichen Pflanzen untergebracht. Gleichzeitig diente er zum Lustwandeln – mit gekuppelten Säulen, Terrakotta-Dekor geziegeltem Fußboden und einem vorgelagerten, gestalteten Gartenhof.

Von 1961 bis 1993 nutzte das Polytechnische Museum den Weinlaubsaal als Ausstellungsraum. Nachdem Gewölberippen herabgefallen waren, wurde er für Besucher gesperrt. Zunächst diente er als Abstellraum, von 2002 bis 2010 wurden hier wieder empfindliche Pflanzen untergebracht. In den fünf Jahren zuvor war der Saal mit besonderen Pfählen nachgegründet worden – im Übrigen zusammen mit dem Verlies.

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