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Crivitzer Gärtner spüren Verunsicherung bei Kunden

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Crivitz | Die Crivitzer Gemüsefelder im Settiner Weg bleiben in diesem Jahr für Kunden, die Blumenkohl, Kohlrabi und anderes selbst ernten möchten, tabu. Zumindest vorerst. Aufgrund der EHEC-Epedemie lässt der Bereich Gartenbau der Agrargenossenschaft Crivitz derzeit keine Kunden auf ihre Felder. Gartenbau-Chef Thomas Dreyer: "Solange der eigentliche Infektionsherd des EHEC-Erregers nicht bekannt ist, können wir keine Leute in unsere Bestände lassen. Wir wollen sicher gehen, um unsere Kulturen nicht zu gefährden." Schließlich wolle man den Kunden qualitativ gutes Gemüse anbieten, wirbt der Gartenbau-Chef um Verständnis bei den Kunden, die in den Vorjahren hier immer ihr frisches Gemüse - vom Blumenkohl bis zu Möhren - für den Eigenbedarf ernten konnten. Ohnehin ist die derzeitige Situation für die Crivitzer Gärtner alles andere als rosig. Im Gewächshaus reifen jetzt die Tomaten. Die ersten Früchte können ab nächste Woche in den Handel, "sie werden im Hofladen und an den eigenen Ständen in Crivitz und Schwerin angeboten", kündigt der Gartenbau-Chef an. Er könne nur hoffen, dass die Kunden sie dann auch kaufen. Immerhin ist die Pflege der Pflanzen mit viel gärtnerischem Fleiß verbunden - und mit Kosten. Aber angesichts der Diskussion um die EHEC-Infektionen und die damit verbundenen Warnungen vor dem Genuss von Gemüse, darunter Gurken und Tomaten, sei er noch skeptisch, wie die Kunden auf das einheimische Frischgemüse reagieren. "Wir wünschen uns natürlich, dass der Gemüseverkauf langsam wieder besser in Gang kommt", so Thomas Dreyer. Zwar habe man eigenes Gemüse im Labor mikrobiologisch untersuchen lassen, um sicher zu gehen, dass es nicht belastet sei und sich das auch schriftlich bestätigen zu lassen, aber das ändere an der Verkaufssituation nicht viel. Die Nachfrage nach frischem Kohlrabi, Blumenkohl oder Brokkoli, der neben anderen Kohlsorten auf den Crivitzer Feldern wächst, sei nicht sonderlich groß. Der Großhandel, in erster Linie der Großmarkt Hamburg, nehme deutlich weniger Frischgemüse ab, etwa nur 30 Prozent der Vorjahresmenge, schätzt der Leiter des Bereichs Gartenbau.

Die Verunsicherung beim Kaufverhalten sei auch bei den Kunden vor Ort zu spüren, so seine Erfahrung. Diese würden gezielt nachfragen, woher das angebotene Gemüse stammt, erläutert Dreyer. Die Crivitzer beziehen einen Teil ihrer Ware vom Hamburger Großmarkt, vor allem Gurken und Tomaten, die in Holland produziert wurden. Hören das die Kunden, winken die meisten sofort ab.

Anbaufläche für Freilandgurken erweitert

Nun bleibe die Hoffnung, dass es mit den eigenen Tomaten aus dem Gewächshaus besser wird. Und bei den Salatgurken aus dem Gewächshaus, denn die ersten sind in etwa drei Wochen erntereif. In diesem Jahr haben die Crivitzer die Fläche für die Freilandgurken erweitert. Gewürzgurken und Schmorgurken waren in den vergangenen Jahren immer stark nachgefragt bei der Selbsternte. Auch hier bleibt abzuwarten, so Dreyer, ob der Infektionsweg des gefährliches Keims bald eindeutig ausgemacht werde, und die Kunden dann wieder mehr zu frischem Gemüse greifen würden.

Salat wird auf den Gemüsefeldern am Settiner Weg schon seit zwei Jahren nicht mehr angebaut. Dreyer: "Dafür sind wir nicht ausreichend spezialisiert, um die geforderte Qualität beim Großhandel liefern zu können. Es hat sich betriebswirtschaftlich für uns nicht gerechnet."

Die Kohlsorten, aber auch Zwiebeln und Möhren stehen gut, sagt der Fachmann. "Wir haben zusätzlich bewässert, als es sehr trocken war. Das treibt die Betriebskosten zwar wieder höher, aber da muss man reagieren, damit die Kulturen im Wachstum nicht gehindert werden", so Dreyer.

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erstellt am 10.Jun.2011 | 05:12 Uhr

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