Fusion zum 1. Januar : Crivitz: Größtes Amt in MV entsteht

Rainer Mönch ist der  Beauftragte für das entstehende Großamt und  leitet bis zur Wahl  eines hauptamtlichen Amtsvorstehers  ehrenamtlich die Geschäfte.
Rainer Mönch ist der Beauftragte für das entstehende Großamt und leitet bis zur Wahl eines hauptamtlichen Amtsvorstehers ehrenamtlich die Geschäfte.

SVZ fragte beim Beauftragten Rainer Mönch nach, wie die Verwaltung für die 17 Kommunen funktionieren soll und was sich für die Bürger ändert

svz.de von
30. Dezember 2013, 12:00 Uhr

Die Tage der Ämter Crivitz, Ostufer Schweriner See und Banzkow sind gezählt. Sie bilden von übermorgen an ein gemeinsames großes Amt. Es wird mit knapp 26 000 Einwohnern in 16 Gemeinden und der Stadt Crivitz das größte in Mecklenburg- Vorpommern. Am 1. Januar tritt der Vertrag über die Fusion der drei Ämter in Kraft. Welche Auswirkungen das hat, welche Veränderungen in der Amtsverwaltung damit einhergehen, darüber sprach SVZ-Redakteurin Heidrun Pätzold mit Rainer Mönch. Er ist der vom Kreis Ludwigslust-Parchim Beauftragte für das entstehende Großamt und leitet bis zur Wahl eines hauptamtlichen Amtsvorstehers die Amtsgeschäfte – ehrenamtlich.

In zwei Tagen gibt es das Großamt. Was ändert sich für die Einwohner?

Rainer Mönch: Im ersten Moment noch gar nichts. Auf offiziellen Schreiben des Amtes wird im Kopfbogen die Bezeichnung Amt Crivitz stehen, ebenso auf dem offiziellen Stempel.

Machen wir es konkreter: Wohin wendet sich ein Einwohner, wenn er einen Bauantrag stellen, ein Gewerbe an- oder abmelden oder einen neuen Personalausweis beantragen möchte?

Er geht zum Bürgerbüro in seinem bisherigen Amtssitz, also nach Rampe, Crivitz oder Banzkow. An diesen Standorten bleiben erst einmal die Bürgerbüros. Sie sind die Anlaufpunkte für die Bürger, um ihnen weite Verwaltungswege zu ersparen. Hier können Personalausweise bzw. Pässe beantragt werden, ebenso das Wohngeld. Und auch Gelbe Säcke liegen hier aus. Lediglich in Einzelfällen könnte eine Konsultation beim Fachamt angebracht sein.

Und wo befinden sich die Fachämter?

Die werden vorerst noch an verschiedenen Standorten zu finden sein. Solange es noch nicht ausreichend Platz am Verwaltungssitz in Crivitz gibt, müssen wir die bisherigen Standorte nutzen.

Wo werden die einzelnen Fachämter konkret sein?

Es gibt vier Fachämter: Das Amt für Stadt- und Gemeindeentwicklung, kurz das Bauamt, hat seinen Sitz in Banzkow und wird von Frank Bierbrauer-Murken geleitet. Das Bürgeramt, zu dem unter anderem die öffentliche Sicherheit und Ordnung, aber auch die Verwaltung von Kita und Schule zählt, wird im Crivitzer Amtsgebäude angesiedelt. Leiterin ist Iris Lenk. Außenstellen des Bürgerbüros gibt es in Rampe und Banzkow. Auch das Amt für Finanzen, dem René Witkowski vorstehen wird, hat in Crivitz seinen Sitz. Ein weiteres Fachamt sind die zentralen Dienste, es wird in Rampe etabliert. Leiterin ist Carmen Krooß. Hier ist unter anderem die allgemeine Verwaltung, auch das Archivwesen angesiedelt, ebenso das neu geschaffene Sachgebiet Ehrenamt. Die Mitarbeiter dort sind nicht nur Ansprechpartner für Bürgermeister und Gemeindevertreter, wenn es etwa um die Vorbereitung einer Sitzung geht. Sie sind auch Ansprechpartner für Vereine. Denn das Ehrenamt darf unter der großen Ämterstruktur nicht leiden. Das erschien uns ganz wichtig.

Das Großamt Crivitz wird eine andere Struktur haben als die drei Ämter zuvor. Es wird einen hauptamtlichenAmtsvorsteher geben und einen Rechnungsprüfer.

Die Aufgabe des Rechnungsprüfers wird Bernd Cordes übernehmen. Die Stelle des hauptamtlichen Amtsvorstehers wird ausgeschrieben, die Frist dafür endet am 29. Januar. Mitte März, so schätzte ich, kann er oder sie die Arbeit aufnehmen. Damit würde dann auch meine Tätigkeit als Beauftrager des Landkreises enden. Der Amtsvorsteher wird vom Amtsausschuss bestätigt und ist ihm rechenschaftspflichtig. Dieser Ausschuss wird sich am 15. Januar konstituieren. Die mehr als 30 Ausschussmitglieder wählen aus ihre Mitte auch den ehrenamtlichen Vorsitzenden.

Noch eine Frage zu Ausweisen bzw. Pässen. Jetzt ist als ausstellende Behörde der Sitz des jeweiligen Amtes – also Crivitz, Banzkow oder Rampe – eingetragen. In wenigen Tagen gibt es diese Einzel-Ämter nicht mehr. Ist da etwas zu beachten?

Meines Wissens nach nicht. In einem neu beantragten Personalausweis oder Pass aber wird als Behörde künftig Crivitz stehen – als Rechtsnachfolger der drei Ämter.

In den nächsten Tagen dürfte für etliche Mitarbeiter der Umzug anstehen. Gibt es dadurch Einschränkungen?

Der Umzug im Januar erfolgt schrittweise. Dann kann es durchaus auch passieren, dass die Öffnungszeiten in einem Amt bzw. Bürgerbüro zeitlich begrenzt sind. Das wird zum Beispiel im Einwohnermeldeamt bis 9. Januar der Fall sein. In dieser Zeit wollen wir die Einwohnermelderegister zusammenführen. Daher bitten wir um Verständnis. Bis 31. Januar soll der Umzug aber abgeschlossen sein.

Gibt es mittlerweile eine Entscheidung über einen Erweiterungsbau an das bestehende Verwaltungsgebäude in Crivitz oder einen separaten zweiten Verwaltungsbau?

Wir wollen uns nicht in eine Zeitschiene pressen lassen. Fakt aber ist, die Mehrheit ist für einen Anbau an das Verwaltungsgebäude. Ein zweiter separater Verwaltungsbau macht die Arbeit nicht leichter. Die meisten Mitarbeiter sprechen sich für einen Verwaltungsstandort aus, der auch auf längere Sicht Bestand haben soll.

Wann rechnen Sie damit, dass die komplette Verwaltung in Crivitz vor Ort sein wird?

Das sollte in etwa zwei Jahren der Fall sein. Dann sollte der Verwaltungssitz, in dem alle Mitarbeiter arbeiten können, komplett sein. Das ist eine grobe Orientierung.

Dann werden die Bürgerbüros in Rampe und Banzkow geschlossen?

So ist es vorgesehen. Wir müssen uns vor Augen halten, dass die neue, größere Verwaltung auch effizienter arbeiten muss.

Bleibt die Bürgernähe dabei auf der Strecke?

Nein. Das soll sie auf keinen Fall. Wir sind mit unseren Überlegungen zwar noch nicht ganz zu Ende, können uns aber vorstellen, dass mobile Bürgerbüros unterwegs sein werden, damit der Bürger eben nicht weite Wege zurücklegen muss. Die Verwaltung ist Dienstleister. Wie so ein Tourenplan aussehen kann, wissen wir derzeit noch nicht genau, ob größere Ortschaften angefahren werden oder ob es einen stationären Treffpunkt gibt.

Die Öffnungszeiten waren bislang in den drei Ämtern unterschiedlich. Wird sich in diesem Punkt etwas ändern?

Wir werden einheitliche Öffnungszeiten anbieten: Montag bis Freitag von 8 bis 12 Uhr, Dienstag und Donnerstag zusätzlich von 14 bis 18 Uhr. Vorgesehen ist auch, ab September nächsten Jahres einmal im Monat in den drei Bürgerbüros sonnabends zu öffnen: von 9 bis 12 Uhr. Das soll ein Entgegenkommen sein für jene Einwohner, die werktags kaum die Möglichkeit haben, Behördengänge zu erledigen.

Herr Mönch, Sie haben für die Fusion geworben und gestritten. Das Amt Crivitz wird das größte in Mecklenburg-Vorpommern werden. Sind Sie zufrieden mit der Entwicklung.

Im Großen und Ganzen ja. Das ist ein spannender Prozess, der wohl nicht nur mir so manche schlaflose Nacht bereitet hat. Noch sind einige gewaltige Steine aus dem Weg zu räumen. Und es wird nicht alles immer gleich klappen. Das ist so, wenn man neue Wege geht. Aber die Richtung stimmt. Wir wollen uns für die Zukunft wappnen. Dann sind wir besser in der Lage, eines Tages auch Aufgaben zu übernehmen, die derzeit noch beim Landkreis angesiedelt sind – etwa die Kfz-Zulassung.

Das neue Amt wird kaum in der Lage sein, schon einen Amtshaushalt für 2014 vorzulegen. Der aber ist wichtig für die Haushalte in den einzelnen Kommunen. Diese müssen wissen, wie hoch die Kosten für die Verwaltung – also die Amtsumlage – sein wird. Wie soll das funktionieren?

Einen Amtshaushalt können wir noch nicht präsentieren. Das war nicht zu schaffen, denn es sind viele Fragen zu klären. Die Kommunen haben Eckdaten, das sind grobe Schätzungen, nach denen sie sich richten können. Der Amtshaushalt, so schätze ich, wird erst im April, Mai vorgelegt werden können.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen