Heilsamer Schock? Unfallfotos in Schulen

: Crash-Kurs für mehr Sicherheit

Unfallfotos wie dieses werden in den Schulen gezeigt. dpa
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Unfallfotos wie dieses werden in den Schulen gezeigt. dpa

Mit Fotos von Unfalltoten und Schwerverletzten versucht ein neues Projekt, Jugendliche von den Gefahren des Rasens zu überzeugen. Polizisten, Feuerwehrleute, Notärzte und Seelsorger berichten von ihren Einsätzen.

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09. Januar 2013, 10:33 Uhr

Schwerin | Diesen Einsatz wird René Kulow sein ganzes Leben lang nicht vergessen. Etwa zehn Jahre ist es her, als der Rostocker Polizist zu einem besonders schwerem Unfall gerufen wurde. Ein Auto war frontal gegen einen Baum gerast. Im Wagen: vier junge Leute - tot. "Ein grauenhaftes Bild", schilderte Kulow mit leiser, gebrochener Stimme vor mehr als 200 Jugendlichen in der Beruflichen Schule für Wirtschaft und Verwaltung. In der Bildungseinrichtung am Obotritenring fand gestern der Auftakt für die landesweite Veranstaltungsreihe "Crash-Kurs MV" statt, die junge Menschen durch eine authentische Darstellung der Ursachen und Folgen von Unfällen für die Gefahren im Straßen verkehr sensibilisieren soll. Neben Polizeioberkommissar Kulow berichteten auch ein Feuerwehrmann, ein Notarzt, ein Seelsorger und Angehörige eines Unfallopfers über ihre Erlebnisse. Die Moderation übernahm die Schweriner Präventionsbeamtin Anke Wedlich.

Nach Angaben des Innenministeriums sind gerade junge Fahrer zwischen 18 und 24 Jahren überproportional oft verantwortlich für Verkehrsunfälle. Obwohl ihr Anteil an der Be völkerung in MV nur 7,4 Prozent betrage, verursache diese Altersgruppe mehr als 16 Prozent der Unfälle mit Personenschaden. "Man gelnde praktische Erfahrungen, hohe Risikobereitschaft, starkes emotionales Erleben und vor allem die Überschätzung des eigenen Fahrvermögens können bei jungen Fahrern zu sehr gefährlichen Fehlentscheidungen führen und sind häufig Ursache für schwere Verkehrsunfälle", erklärte Innenminister Lorenz Caffier, der die erste Veranstaltung von "Crash-Kurs MV" in der Schweriner Berufsschule eröffnete. Um so wichtiger sei die Prävention: "Ich freue ich mich deshalb, dass wir dieses Projekt gemeinsam mit der Landesverkehrswacht und anderen Partnern in Mecklenburg-Vorpommern durchführen können. Den Jugendlichen unseres Landes werden ungeschminkt die Folgen schwerer Verkehrsunfälle verdeutlicht", so der Minister.

Insgesamt acht Crash-Kurs-Veranstaltungen sind in diesem Jahr zunächst geplant, darunter auch in Güstrow, Ludwigslust und Stralsund. Entsprechende Teams wurden in den Polizeipräsidien Rostock und Neubrandenburg gebildet. Jeweils etwa 90 Minuten dauert jeder Crash-Kurs, der im Nachhinein von Lehrkräften im Unterricht begleitet wird. Rund 16 000 Euro stellte das Infrastrukturministerium für das Projekt zur Verfügung.

In Nordrhein-Westfalen ging das Program m Crash-Kurs bereits 2010 an den Start. Emotionale Bilder und erschreckende Geschichten sollen Fahranfänger aufrütteln. Das Konzept sei aufgegangen, berichtete Uwe Ganz aus dem Innenministerium MV. Durch den Crash-Kurs wüssten die Jugendlichen nun, was sich hinter einer Unfall meldung verberge - und zwar auf Dauer. "Was die jungen Menschen im Kurs erfahren, daran können sie sich auch nach Monaten sofort erinnern", so Ganz. Schlüssel für den Erfolg des Crash-Kurses sei die Zusammenarbeit zwischen Polizei, Rettungsdienst und allen anderen Beteiligten.

"Wir glauben fest daran, dass das Projek t Crash-Kurs richtig ist", betonte auch der Präsident der Landesver kehrswacht MV, Hans-Joachim Hacker. Ziel der unter anderem auch vom Deutsc hen Roten Kreuz und der Dekra unterstützten Veranstaltungsreihe sei, die Zahl schwerer Verkehrsunfälle mit jungen Leuten nachhaltig zu verringern. Um Erfahrungen aus dem Crash-Kurs zu vertiefen, könne die jeweilige Schule bei der Landesverkehrswacht auch noch einen Projekttag "Aktion Junge Fahrer" beantragen, so Hacker.

Den Schweriner Berufsschülern ging das Geschilderte gestern sichtlich unter die Haut. Schweigend verfolgten sie, was Polizisten, Rettungskräfte und An ge hörige von Unfallopfern berichteten. Eine solche Veranstaltung sei wichtig, um einmal mehr vor leichtsinnigem Verhalten im Straßenverkehr zu warnen, sagte stellvertretend die 21-Jährige Rebecca Kloske.

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