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Zeitung für die Landeshauptstadt

17. Oktober 2017 | 22:53 Uhr

Schwerin : Christoph Müller füllt das Museum

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Kunstsammler sorgt mit unterhaltsamen Führungen für Besucheransturm in der Gemäldegalerie und plant jetzt Umzug nach Schwerin

svz.de von
erstellt am 29.Jan.2014 | 22:00 Uhr

Wenn Christoph Müller eine Führung durch die Sonderausstellung im Staatlichen Museum anbietet, ist die Nachfrage so groß, dass es nicht selten Streit unter den Besuchern gibt, wer teilnehmen darf, denn die Kapazitäten sind begrenzt. Es hat sich über die Landesgrenzen hinweg herumgesprochen, dass der charismatische Kunstsammler nicht nur ein Kenner des Metiers, sondern auch ein höchst sympathischer Unterhalter ist. Damit erschließt Müller breiten Schichten den Zugang zur Kunst. Die 155 ausgestellten Gemälde niederländischer Maler des Goldenen Zeitalters hatte Müller im vergangenen Jahr dem Museum geschenkt.

„Das bin ich meinen Malern schuldig und das steht auch so im Katalog“, sagt Sammler Müller. „Meine Verantwortung ist, die Kunst den Menschen näher zu bringen.“ Und das macht er voller Hingabe. Bei seinen Führungen sonntags um 11 und 15 Uhr gibt es schon mal Gerangel, wenn die Plätze nicht reichen. Und aus den geplanten anderthalb oder zwei Stunden werden schon mal vier. Nur die Schließzeiten des Museums oder die nächste Führung limitieren, denn die Gäste würden gern noch mehr hören und sehen. „Ich war total gerührt, als ich einen der Besucher bei einer weiteren Führung wiedersah. Mittlerweile hat er wohl schon an mehr als 30 teilgenommen und kommt immer wieder“, erzählt Müller.

Doch wie schafft er es, die Schweriner und Besucher von weit her dermaßen zu begeistern? „Ich beziehe sie einfach von Anfang an mit ein“, erklärt der Sammler. Er halte keinen kunsthistorischen Vortrag – wenngleich Fakten durchaus einfließen – sondern erzähle und animiere zum genauen Hinsehen. Dabei sei ihm sein neuer Assistent, der Schauspieler Bernhard Meindel vom benachbarten Theater, eine große Hilfe. Und so beginnt das interaktive Spiel: Meindel oder ein Teilnehmer der Führung muss sich nach kurzer Betrachtung eines der 155 Bilder umdrehen und beschreiben, was ihm im Gedächtnis geblieben ist. So wird das Auge aller geschärft, auch für die vielen Details, die sich auf den Gemälden verbergen und einen exzellenten Blick in das Leben vor 400 Jahren in den Niederlanden liefern. Auch Müllers Aufforderung an alle Besucher, am Ende des Rundgangs ein persönliches Favoriten-Bild auszuwählen und die entsprechende Nummer für ein Gewinnspiel in eine Box zu werfen, ist zusätzlicher Ansporn für genaues Schauen und die Auseinandersetzung mit Kunst. „Da lernen manchmal Paare ganz neue Seiten ihres Partners kennen, wenn es um die Begründung der Wahl geht“, erzählt Müller schmunzelnd.

Das riesige Interesse der Schweriner für die Bilder und das Lächeln, mit dem die meisten Museumsbesucher nach seiner Führung das Haus verlassen, hätten den Wunsch wachsen lassen, seinen Hauptwohnsitz nach Schwerin zu verlegen, sagt der Sammler. Er suche nur noch nach einem geeigneten Haus oder einer schönen Wohnung, möglichst mit Seeblick, verrät der Noch-Berliner.

Schade finde er angesichts der überwältigenden Besucherresonanz – am Montag war sogar die Botschafterin der Niederlande in Deutschland zu einer Privatführung gekommen – nur, dass Ministerpräsident Erwin Sellering sein Versprechen noch nicht eingelöst habe, sich durch die Ausstellung führen zu lassen. Denn dafür ist nur noch bis zum 16. Februar Zeit. Danach wandert die Sonderschau nach Freiburg, und auch Stettin hat sie schon gebucht.

 

 

 

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