Stadtkind geht seinen Weg : Chef einer großen Jungrinder-Herde

Hat  in der Rastower   Genossenschaft Fuß gefasst:  Uwe Ehrke  verrichtet seine Arbeit mit viel Herzblut.
Hat in der Rastower Genossenschaft Fuß gefasst: Uwe Ehrke verrichtet seine Arbeit mit viel Herzblut.

Uwe Ehrke trägt im Landwirtschaftsbetrieb Rastow trotz seiner körperlichen Einschränkung Verantwortung für 500 Tiere

svz.de von
03. Dezember 2013, 19:34 Uhr

Ein Stadtkind auf dem Lande, gehandicapt und nicht gerade erfolgsverwöhnt, hat seinen Weg gefunden: Uwe Ehrke ist dank „Unterstützter Beschäftigung“ im Arbeitsleben angekommen. Als Fachpraktiker in der Landwirtschaft trägt der junge Mann Verantwortung für 500 Jungrinder. „Und das macht er richtig gut“, urteilt sein Chef Gerd Schütte, Geschäftsführer der Landwirtschaftlichen Erzeugergenossenschaft (LEG) Rastow. Das sei ein Beispiel, welches Schule machen sollte, findet Dirk Heyden, Chef der Schweriner Arbeitsagentur.

Mit dem Landleben ist Uwe Ehrke inzwischen gut vertraut. Obwohl der junge Mann in einem Städtchen Vorpommerns groß geworden ist, liegt ihm der Umgang mit Tieren. Er sieht sofort, wenn eine Färse in seiner Herde schwächelt, weiß, wie viel Appetit die jungen Tiere haben und hält den Laufstall sauber, damit sich die Jungrinder wohl fühlen. Kurz nach sechs steht der 26-Jährige im Stall, mistet aus, streut ein und füttert die Schwarzbunten. Trotz technischer Hilfe ist das ein schwerer Job. Insbesondere für einen schmächtigen jungen Mann, der körperlich eingeschränkt ist und nicht immer all das umsetzen kann, was er gern möchte.

„Ich habe selten einen neuen Mitarbeiter erlebt, der so aufmerksam und fleißig ist wie Uwe. Auch wenn er bestimmte Dinge einmal mehr üben muss – er macht alles wett“, sagt Gerd Schütte mit Stolz. In dem Rastower Landwirtschaftsbetrieb mit 30 Mitarbeitern, 1750 Hektar Land und 1650 Rindern hat Uwe Ehrke beruflich Fuß gefasst. Dank der Reha-Leistung „Unterstützte Beschäftigung“ verdient er sein eigenes Geld und ist ein anerkannter Kollege. „Die ,Unterstützte Beschäftigung‘ wurde 2009 ins Leben gerufen, um Menschen mit Behinderung die Teilhabe am allgemeinen Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Mit Erfolg: Mehr als die Hälfte der bislang knapp 60 Teilnehmer in Westmecklenburg hat eine passende Tätigkeit gefunden“, sagt Lutz Kania, Teamleiter Rehabilitation bei der Arbeitsagentur Schwerin. Ist eine so genannte Arbeitsmarktfähigkeit diagnostiziert, beginnt die Suche nach geeigneten Arbeitsmöglichkeiten. Ein zuverlässiger Partner dabei ist das Grone-Bildungszentrum MV. Mehrwöchige Praktika eröffnen den Menschen mit Behinderung und ihren potenziellen Arbeitgebern, einander kennen zu lernen, Fähigkeiten herauszufinden und sich auszuprobieren. Das bringt nicht unbedingt beim ersten Mal den Erfolg, den sich alle wünschen, weiß Uwe Ehrke. Er hat an die 20 Praktika absolviert und in verschiedenste Berufe „reingeschnuppert“. Im Rastower Landwirtschaftsbetrieb fügten sich dann die Dinge.

In weniger als zwei Jahren hat sich der junge Mann eine Vielzahl von Kenntnissen angeeignet, um seit Mai 2013 als Fachpraktiker arbeiten zu können. „Hier hat man sich viel Zeit genommen, um mir die Dinge auch zu erklären. Mir wird geholfen, die Kollegen sind wie eine große Familie.“

Und wenn mal etwas nicht so gut läuft, dann kann Uwe Ehrke einen Vertrauten ansprechen – seinen Qualifizierungstrainer. Einmal pro Woche, so Volker Böhm, Grone-Standortleiter in Schwerin, ist diese psycho-soziale Begleitung fest eingeplant. Ein zusätzlicher Rückhalt – sowohl für Uwe Ehrke als auch für seinen Arbeitgeber. Der vertraut ihm und fordert seinen neuen Mitarbeiter. Damit er seinen Job nicht nur mit Herzblut machen kann, wurde über die „Unterstützte Beschäftigung“ auch der Traktor-Führerschein finanziert. Und so ist Landwirtschaftshelfer Uwe Ehrke mit Trecker, Radlader und anderem Gerät unterwegs.

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