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14. Dezember 2017 | 09:23 Uhr

Schwerin : Chaos-Angst am Marienplatz

vom

Die Arbeiten zur Umgestaltung des Marienplatzes sollen bis zur Eröffnung des diesjährigen Weihnachtsmarktes abgeschlossen sein. Doch Anlieger haben das Gefühl, dass das nicht klappen kann und zu Problemen führen wird.

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erstellt am 22.Jan.2012 | 08:10 Uhr

Altstadt | Erst vor gut einer Woche hatte Oberbürgermeisterin Gramkow öffentlich verkündet, dass alle Arbeiten zur Umgestaltung des Marienplatzes bis zur Eröffnung des diesjährigen Weihnachtsmarktes abgeschlossen sein werden. Statt zwei bis drei Jahre soll jetzt nur noch neun Monate auf dem meistgenutzten Platz der Stadt gebuddelt werden. "Mein Gefühl sagt mir, dass das nicht klappen kann", so Bernd Schulte, der Pressesprecher der Krankenkasse Barmer GEK. "Die Erfahrungen auf anderen Baustellen in Schwerin zeigen doch, dass die Leitungen nicht immer dort liegen, wo sie auf allen möglichen Plänen eingezeichnet sind. Da sind Mehraufwand und eine längere Bauzeit wohl programmiert." Bernd Schulte hat außerdem Angst um die Kunden der Krankenkasse. "Wir wissen bisher nicht, ob und wie beispielsweise Behinderte in unsere Geschäftsstelle kommen sollen."

Ähnliche Befürchtungen haben die Nachbarn der Barmer GEK: Der Apotheker, der Buchhändler, der Zigarrenhändler, das Textilhaus. Kommen die Kunden noch in die Läden? Können Lieferanten die Geschäfte noch ansteuern? Kommen die Passanten überhaupt noch von einer Seite des Marienplatzes auf die andere? Fragen, die die Stadtverwaltung nach Meinung der Anlieger bisher nur unzureichend oder gar nicht beantwortet hat. Und nun auch noch die deutlich verkürzte Bauzeit! Die Betroffenen rechnen mit dem Schlimmsten, mit einem Chaos.

Der Chef des Amtes für Verkehrsmanagement, Bernd-Rolf Smerdka, ist erstaunt. "Die große Aufregung ist bei der Verwaltung noch nicht angekommen." Er beschwichtigt auf jeden Fall trotzdem. "Der Zugang zu den Geschäften und Einrichtungen wird die ganze Zeit gewährleistet sein. Möglicherweise auch nur über Bretterstege, aber das lässt sich zeitweise einfach nicht umgehen." Die Angst vor ungeordneten Verhältnissen während der Bauzeit will die Stadtverwaltung den Geschäftsleuten jetzt endgültig nehmen. "Wir werden Ende Januar detailliert über Bauabläufe und Bauinhalte auf einer Anwohnerversammlung informieren", kündigt Smerdka an. Dann wird er auch den endgültigen Fertigstellungstermin nennen: den 30.November. "Ursprünglich waren alle unsere Planungen auf diesen Zeitpunkt ausgerichtet. Doch die Anlieger baten darum, die Sanierung des eigentlichen Platzes 2012 durchzuführen und die angrenzenden Bereiche in der Goethe-, Helenen-, Wismarschen und Lübecker Straße erst 2013 in Angriff zu nehmen."

Ganz andere Informationen gab Baudezernent Wolfram Friederdorff dem Wirtschaftsausschuss der Stadtvertretung. Er kündigte an, dass der eigentliche Platz bis Weihnachten fertig gepflastert sein wird. "Die Arbeiten in den angrenzenden Bereichen werden aber erst in drei Jahren abgeschlossen sein."

Damit stellt sich Friedersdorff gegen die Ankündigung der Oberbürgermeisterin und hält offenbar am alten Fahrplan für die Marienplatzsanierung fest.

Nach den Worten von Amtsleiter Smerdka ist inzwischen auch die Streckenführung der Nahverkehrslinien 10 und 14 klar: Die Busse fahren definitiv durch die Mecklenburgstraße. "Wir haben mit den Gewerbetreibenden schon einmal gesprochen und werden noch weitere Anliegerinformationen herausgeben." Einschränkungen wird es aber geben. "An einigen Stellen darf in den Straßencafés nur eine statt bisher zwei Tischreihen stehen", erklärt Bernd-Rolf Smerdka. "Dafür können dann Tische auch in der Schlossstraße und der Schmiedestraße aufgestellt werden." Das geht aber nur, so lange die problemlose Durchfahrt für Feuerwehr und Rettungsdienst gewährleistet ist.

Über all dies sollen demnächst alle Bürger der Landeshauptstadt umfassend informiert werden. Noch in dieser Woche sitzt eine Runde nicht am Tisch des Baudezernenten, sondern bei der Oberbürgermeisterin zusammen und legt fest, wer wie unterrichtet werden soll. Ein Versprechen der Stadtverwaltung: Es soll totale Transparenz über die Bauarbeiten herrschen.

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