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Im Schweriner Schlossgarten : Chance für Schweizerhaus?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

SVZ-Leserin erzählt aus der Geschichte des einst beliebten Ausflugslokals im Schlossgarten

Die vom Bauunternehmer und Kommunalpolitiker Gerd Güll vorgetragene Idee, analog zum Jugendtempel auch das ehemalige Schweizerhaus im südlichen Schlossgarten wieder aufzubauen (SVZ berichtete), hat bereits interessierte Leser gefunden. Gerda Mittag, eine Miterbin der Erbengemeinschaft aus Schwerin, und Waltraud Tappert aus Schirgiswalde, die einen Teil ihrer Kindheit in dem Haus verbracht hat, geben gern ihr Wissen über das einstige Wahrzeichen im Südteil des Schlossgartens weiter.

„Minna Strauer, die Witwe von Karl, Sohn des Erbauers Heinrich Strauer, war meine Großtante“, schreibt Waltraud Tappert. „Tante Minna war bis zu ihrem Tode 1963 die Besitzerin des Schweizerhauses. Da sie im hohen Alter der Pflege bedurfte, war sie 1960 ins Augustenstift gezogen. Danach stand das Haus leer. Da ich auf meinem Schulweg immer daran vorbeikam, war ich total erschrocken, als es plötzlich von einem Tag auf den anderen verschwunden war. Das müsste im Jahre 1968 passiert sein“, erinnert sich Waltraud Tappert.

Nach der Wende hatte die Erbengemeinschaft – Minna Strauer war kinderlos geblieben – versucht, vermögensrechtliche Ansprüche zur Rückübertragung des Grundstücks und Entschädigung für das abgerissene Gebäude geltend zu machen. Sie legte sogar ein Nutzungskonzept und den Bauantrag zur Errichtung einer gastronomischen Einrichtung am alten Standort vor. Doch alles sei Anfang der 90er-Jahre abgewiesen worden, berichtet Waltraud Tappert. Dann wuchs im wahrsten Sinne des Wortes Gras über die Sache.

In Vorbereitung der Bundesgartenschau wurde das Areal schließlich neu gestaltet. Dort entstand der Heckengarten, der als Labyrinth angelegt worden war.

„Uns Erben beschäftigt die Frage, wer für den Abriss des Schweizerhauses zuständig war, wer das veranlasst hatte und warum“, fragt Waltraud Tappert.

Zur Geschichte des Gebäudes hat sie auch noch weitere Fakten parat: 1896 hatte Karl Strauer Minna Vitense geheiratet. Seitdem wohnte das Ehepaar in dem Haus. 1934 starb Karl. 1945 beantragte Minna Strauer bei der Stadt, die Familiengaststätte wieder zu eröffnen. Das wurde abgelehnt. 1947 wurde der Gaststättenbereich zum evangelischen Kindergarten umfunktioniert. Leiterin war Schwester Erika Hössel. Nach 1950 wurde er zum Hort der Karl-Liebknecht-Schule. Seit 1960, als Minna Strauer ins Augustenstift zog, stand das Gebäude leer und wurde Ende der 60er-Jahre abgerissen – möglicherweise durch Kampfgruppen, vermutet Waltraud Tappert.

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erstellt am 26.Mai.2016 | 21:00 Uhr

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