Streit um Schweriner City : Busse-Zählen am Marienplatz

Nur jeder fünfte Bus der Verkehrsgesellschaft Ludwigslust-Parchim sollte noch über den Marienplatz fahren, so sah es eine Vereinbarung vor. Inzwischen hat sich die Zahl der Busse wieder erhöht.
Foto:
Nur jeder fünfte Bus der Verkehrsgesellschaft Ludwigslust-Parchim sollte noch über den Marienplatz fahren, so sah es eine Vereinbarung vor. Inzwischen hat sich die Zahl der Busse wieder erhöht.

Absprache gilt nicht mehr: Im Zentrum Schwerins rollen wieder mehr Fahrzeuge aus dem Umland. Debatte über Nahverkehrsplan

von
24. März 2016, 05:00 Uhr

Es war ein Deal, der Bussen und Bahnen des Schweriner Nahverkehrs etwas mehr Luft auf dem Marienplatz verschaffen sollte: Solange in der Wittenburger Straße gebaut wird und ein Straßenbahn-Gleis nicht zur Verfügung steht, so die Vereinbarung vor einem Jahr, sollte nur jeder fünfte von den seinerzeit 122 Bussen der Verkehrsgesellschaft Ludwigslust-Parchim (VLP) auf Schwerin-Tour über den zentralen Platz rollen – rechnerisch also etwas mehr als 20 Fahrzeuge am Tag.

Doch die Zeiten ändern sich, die Geschäftsführer und die Ansichten auch. Zwar sitzt beim Schweriner Nahverkehr noch immer Norbert Klatt am Steuer. Mit Stefan Lösel als VLP-Chef hat er jedoch einen neuen Gegenüber bekommen. 53 VLP-Busse passieren mittlerweile  wieder den Marienplatz, räumt Lösel ein. Allerdings sei auch die Zahl der Fahrten vom oder zum Hauptbahnhof insgesamt höher als bei der Absprache vor einem Jahr. „Wir haben einen genehmigten Fahrplan und nach dem richten wir uns“, sagt der Geschäftsführer.

53 Busse? Nach Zählungen von Stadt und Nahverkehr führen tagtäglich noch wesentlich mehr Fahrten aus dem Umland über den Marienplatz. Viele Busse seien zudem fast leer, heißt es. Doch in der Debatte geht es längst nicht mehr um den Platz im Zentrum Schwerins, sondern um eine Nahverkehrsphilosophie, die sich hinter dem Begriff „Brechungskonzept“ verbirgt.

Dass Busse aus Crivitz, Rastow, Banzkow oder anderen Orten ihre Fahrgäste quer durch Schwerin bis zum Hauptbahnhof kutschierten, womöglich noch auf der Straßenbahn-Trasse, macht aus Sicht von Nahverkehrs-Geschäftsführer Norbert Klatt keinen Sinn. Er plädiert deshalb dafür, den Verkehr aus dem Umland an zwei „Verknüpfungspunkten“ zu brechen – in der Von-Stauffenberg-Straße im Süden und der Kieler Straße im Norden. „Es kommt darauf an, die Verkehre optimal miteinander zu verbinden“, sagt Klatt. Im Klartext: Die Fahrgäste sollen am Stadtrand aus den Umlandbussen aus- und in die Straßenbahn einsteigen.

Auf diese Idee wollen sich VLP-Geschäftsführer Lösel und auch der Nordwestmecklenburger Nahbus-Chef Jörg Lettau jedoch nicht einlassen. In einer gemeinsamen Stellungnahme zur aktuellen Nahverkehrsplanung der Stadt üben sie deutliche Kritik an dem Konzept der Linienbrechung: „Es handelt sich um eine im Widerspruch zu den gesetzlichen Vorgaben stehende Verschlechterung des Verkehrsangebots insbesondere für die Einwohner der angrenzenden Landkreise gegenüber dem bisherigen Angebot. Diese Verschlechterung folgt einerseits aus der Notwendigkeit umzusteigen und andererseits aus der Notwendigkeit, einen zusätzlichen Fahrschein zu erwerben.“

Befeuert wird die Nahverkehrsdebatte jetzt durch eine Initiative der Linksfraktionen in der Schweriner Stadtvertretung und in den Kreistagen von Ludwigslust-Parchim und Nordwestmecklenburg. Die Forderung der Linken: Die Nahverkehrsbetriebe sollten sich an einen Tisch setzen und sich wenigstens auf ein Kombi-Ticket einigen. Vorbild sollte das Ticket sein, auf das sich immerhin Schweriner Nahverkehr und Nahbus schon verständigt hätten.

So ganz neu ist das Thema Kombi-Ticket aber auch in der Zusammenarbeit von Schweriner Nahverkehr und VLP nicht. So zahlt etwa ein Pinnower, der mit dem VLP nach Schwerin fährt und das Stadtnetz nutzen will, 3,60 Euro – statt 2,80 Euro plus 1,80 Euro. „Als wir die Linie nach Pinnow noch selbst bedienen durften, brauchte ein Fahrgast für das komplette Angebot aber nur 2,80 Euro auszugeben“, sagt Nahverkehrschef Klatt, der sich aber für weitere Gespräche mit dem VLP offen gibt.

Das Busse-Zählen auf dem Marienplatz treibt mittlerweile seltsame Blüten. Um Stadt und Nahverkehr nicht mehr Munition als nötig zu liefern, mussten sich VLP-Fahrer jetzt mit ihrer Unterschrift verpflichten, nur über den Platz zu fahren, wenn es der Fahrplan wirklich vorsieht. Es habe eine mündliche Belehrung gegeben, die die Fahrer abgezeichnet hätten, bestätigt VLP-Chef Lösel. „Ein normaler Vorgang.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen