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Schweriner sind verärgert : Busse drängen sich durchs Getümmel

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Der Kampf um die Vorfahrt auf dem Boulevard hat begonnen: Schweriner teilen sich die Fußgängerzone mit den Bussen des Nahverkehrs. Viele sind verärgert, denn bis August ist die Mecklenburgstraße noch Durchfahrtszone.

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erstellt am 28.Mär.2012 | 08:02 Uhr

Altstadt | Fußgänger weichen schnell auf die Bürgersteige aus, Mütter mit Kinderwagen versuchen sich an den Rand der Straße zu retten, Radfahrer schwenken rasch um, damit sie nicht vom Bus erfasst werden. Der Kampf um die Vorfahrt auf dem Boulevard hat begonnen: Schweriner teilen sich jetzt die Fußgängerzone mit den großen Bussen des Schweriner Nahverkehrs. "Achtung, der Bus kommt", ruft der Segway-Fahrer den Passanten zu, damit der Glenkwagen hinter ihm ohne Probleme den Boulevard passieren kann.

Die Linien 10 und 14 fahren im 10-Minutentakt durch die Mecklenburgstraße. Für Fußgänger, Radler und Eltern mit Kindern bedeutet das: Aufpassen. "Nimm mich bitte mal an die Hand, wenn wir die Straße überqueren", sagt eine Oma zu ihrem Enkelkind, als sie die Seite der Mecklenburgstraße wechseln. Auch die Busfahrer werden bis August verstärkt aufpassen, denn an einigen Stellen in der Mecklenburgstraße ist es eng und nicht alle Fußgänger bekommen mit, dass hinter ihnen ein Segway-Fahrer eine Warnung ausspricht. Viele der Passanten schauen sich erschrocken um, denn ein Bus folgt dem Segway-Fahrer direkt.

Zwischen 14 und 15 Uhr am Nachmittag fahren mehr als 20 Busse durch die Mecklenburgstraße - die Linien 1 und 2 als Schienenersatzverkehr nur ein kurzes Stück und wohl auch nur für zwei Wochen, wie Fahrmeister Heiko Roos vom Schweriner Nahverkehr sagt. "Solange die Tiefbauar beiten am Marienplatz nicht abgeschlossen sind, können die Straßenbahnen nicht fahren", verdeutlicht Roos.

Die Busse der Linien 10 und 14 werden voraussichtlich bis in den August durch die Mecklenburgstraße umgeleitet. Die Schweriner sind verärgert. "Das ist nicht Kinderwagen-freundlich", sagt eine ältere Dame, die mit ihrem Enkelkind durch die Fußgängerzone spazieren geht. "Jetzt muss die Kleine im Wagen bleiben. Ich finde das alles andere als schön", so die Schwerinerin weiter.

Auch Hans-Jürgen Quednau wohnt und lebt seit Jahren in Schwerin. Jeden Tag führt er seinem Hund durch die Mecklenburgstraße Gassi. Vor allem die Enge macht dem Rentner zu schaffen, wenn er an der Post vorbeigeht und plötzlich einer der großen Gelenkbusse kommt. "Es stört mich immens. Doch auch die ganze Atmosphäre hier in der Straße wird belastet. Es wäre besser gewesen, die Busse über den Außenring umzuleiten. Aber uns fragt ja keiner", sagt Quednau.

Auch junge Mütter sind verärgert über die derzeitige Situation. "Wir Eltern müssen jetzt noch mehr aufpassen. Wir haben überhaupt keine Bewegungsfreiheit mehr", sagt Kathleen Biedler aus Schwerin.

Es ist kurz vor 15 Uhr am Nachmittag und wieder rollt ein Bus an. Zahlreiche Passanten steigen aus und wieder ein. Alles läuft ein bisschen langsamer, seitdem die großen Straßenkreuzer des Schweriner Nahverkehrs den Boulevard passieren müssen. Die Busfahrer müssen noch mehr aufpassen als sonst. Hier ein Radfahrer von rechts, dort eine Mutter mit einem Kinderwagen und wieder ein Radfahrer - diesmal von links. Passiert ist glücklicherweise noch nichts, sagt Roos. Doch manchmal ist es knapp bis brenzlig. Vor allem dann, wenn die Technik nicht richtig funktioniert. So fährt ein Radfahrer durch die noch halb geöffnete Schranke. Diese stoppte aus irgendeinem Grund. Als sie sich wieder in Bewegung setzt, streift sie den Radfahrer an der Hüfte. Dem Radler geschieht zum Glück nichts, doch seine Verärgerung steht ihm ins Gesicht geschrieben.

Es hat sich etwas verändert in der Mecklenburgstraße: Gemütliches, ruhiges Schlendern über den Boulevard ist seltener.

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