Schweriner Schloss : Bussard-Dame Sally greift ein

Hoffen auf die Tauben-Flucht: Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider begrüßt auf dem Dach des Schlosses den Falkner Herbert Boger und die neue „Landtagsmitarbeiterin“ Sally.
Hoffen auf die Tauben-Flucht: Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider begrüßt auf dem Dach des Schlosses den Falkner Herbert Boger und die neue „Landtagsmitarbeiterin“ Sally.

Landtag testet ungewöhnliche Lösung: Falkner Herbert Boger soll Wildtauben mit seinen Greifvögeln vom Schloss vertreiben

svz.de von
31. August 2016, 05:00 Uhr

Sally hat die Situation im Blick. In aller Ruhe überblickt die mächtige Bussard-Dame den Innenhof des Schlosses. Ihre Aufgabe ist es, die Tauben von den Dächern des Schweriner Wahrzeichens zu vergrämen, also dauerhaft zu vertreiben. Nicht, die Vögel zu reißen. Als Trainer Herbert Boger seinen Arm hebt und aus etwa 50 Metern Entfernung ein Stück Fleisch hochhält, kommt Sally angeflogen. Boger läuft mit ihr ein Stückchen weiter und richtet den Greifvogel neu aus: Er soll die Schlafplätze der zahllosen Tauben auf dem Schweriner Schloss aufspüren. „Wenn Sally einmal Witterung aufgenommen hat und Platz nimmt, bekommen die Tauben Angst“, erklärt der Falkner.

Angeheuert wurden Boger und seine 20 Jahre alte Bussard-Dame von der Landtagsverwaltung, die dem Wildtauben-Problem so Herr werden möchte. Neu ist die Idee mit der Tauben-Vertreibung durch Falken oder Bussarde nicht. Abgeguckt haben sich die verantwortlichen Verwaltungsmitarbeiter die „Greifvogel-Taktik“ von anderen Wahrzeichen, etwa dem nordrhein-westfälischen Landtag. Bogers Einsatz ist aktuell noch ein Test: Erst nach einigen weiteren Besuchen könne der Experte die Erfolgschancen konkret einschätzen. „Je nach Einsatzort unterscheiden sich die Dauer meines Einsatzes und die Wahl des Vogels“, erzählt der Tiertrainer. Neben Sally besitzt Boger auch noch einen amerikanischen Rotschwanzbussard und Habichte, die in Schwerin zum Einsatz kommen könnten. Falken kämen für den Einsatz nicht in Frage, da die gefiederten Jäger weitläufigere Gebiete und mehr Luftraum zum Jagen bräuchten.

Wie genau das Tauben-Problem am und auf dem Schweriner Schloss gelöst werden kann, ist noch nicht ganz klar: Da der Falkner erst zum zweiten Mal in der Landeshauptstadt sei, müsse er erst sehen, wie lang die Tauben schon auf dem Schloss nisten. „Bei Jungvögeln reichen vier bis fünf Besuche mit Sally oder einem anderen Greifvogel aus. Bei Tauben, die schon seit 15 oder 20 Jahren hier heimisch sind, dauert das entsprechend länger“, erläutert der Experte. Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider sieht aber gute Chancen: „Entweder fliehen die Tauben oder werden gefangen und dann woanders wieder ausgesetzt. Ich denke schon, dass Sally erfolgreich ist.“

Boger und seine gefiederten Gehilfen sind nicht der erste Versuch, die Tauben loszuwerden: Bereits in den vergangenen Monaten und Jahren wurde mit Fangnetzen versucht, die Vögel zu verscheuchen. Dabei würden allerdings die Schwalben eine besondere Rolle spielen, so die zuständigen Mitarbeiter des Landtags: „Durch die Fangnetze bleiben nicht nur die Tauben, sondern auch Schwalben unserem Schloss fern. Schwalben sind aber ausdrücklich erwünscht, weswegen wir eine neue Lösung gesucht haben.“

Für heute ist Sallys Einsatz beendet – Wildtauben haben sich nicht blicken lassen. Auf dem Arm von ihrem Falkner steigt sie vom Dach des Schweriner Schlosses. „Das nächste Mal komme ich in den Arbeitsstunden vorbei. Ob Sally dann dabei ist, weiß ich noch nicht“, sagt der Experte. Eventuell käme auch ein anderer Vögel aus seiner heimatlichen Zucht im schleswig-holsteinischen Alveslohe zum Einsatz.

Sally wäre einem weiteren Besuch des Schweriner Wahrzeichens bestimmt nicht abgeneigt: Schließlich bekommt die Bussard-Dame für jeden Flug eine fleischige Belohnung. Auch ihre Bewegung kommt nicht zu kurz. Und einen Besuch ist das Schweriner Schloss sowieso immer wert – nicht nur für Sally.

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