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24. Oktober 2017 | 13:33 Uhr

Schweriner Umland : Buslinie 100 kräftig abgespeckt

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Der Bus der Linie 100 hat sich rar gemacht: Die Rundtour um den Schweriner Innensee ist werktags nur noch einmal am Tag. Die Nachfrage ist von Jahr zu Jahr geringer geworden.

svz.de von
erstellt am 09.Okt.2012 | 10:26 Uhr

Schweriner Umland | Der Bus der Linie 100, der rund um den Schweriner Innensee verkehrt, hat sich rar gemacht. Er verkehrt werktags nur noch einmal am Tag: nämlich montags bis freitags um 10.30 Uhr. Vom Schweriner Hauptbahnhof geht es über Raben Steinfeld, Godern, Gneven, Vorbeck, Kritzow, Langen Brütz, Leezen, Rampe und wieder nach Schwerin. Am Wochenende entfällt diese Linie gänzlich.

Dass die Linie so ausgedünnt wurde, hat seinen Grund: Die Fahrgäste blieben aus, sagt Andreas Helms, Geschäftsführer des Busunternehmens SGS Bus und Reisen. "Da mussten wir notgedrungen die Reißleine ziehen."

Gerechnet habe sich die Linie eigentlich all die Jahre nicht - zumindest nicht für das Busunternehmen, erklärt Andreas Helms rückblickend. Anlaufschwierigkeiten habe man einkalkuliert. Denn bis sich eine neue Route etabliert, dauere es, meint er. Sie sollte ein zusätzliches Angebot für die Einheimischen sein und wurde daher als öffentlicher Linienverkehr im Fahrplan aufgenommen. Die Anliegergemeinden (Raben Steinfeld, Godern, Gneven, Langen Brütz und Leezen) unterstützten das Projekt finanziell - anfangs mit je 3000 Euro. Gleichzeitig wollte man den Touristen ein attraktives Angebot unterbreiten. Sie konnten wie jeder Fahrgast auf der Tour an einer x-beliebigen Haltestelle aussteigen, sich vor Ort die eine oder andere Sehenswürdigkeit anschauen und an der gleichen oder einer anderen Haltestelle später wieder zusteigen. Denn zu Beginn drehte der Bus mehrfach am Tag - fünfmal - seine Runden. Zudem war es möglich, Räder mitzuführen, der Bus hatte eine spezielle Vorrichtung dafür.

Doch das Konzept, so wie es ursprünglich gedacht war, ist nicht aufgegangen. Dieses Fazit zieht Andreas Helms heute. Nur wenige Touristen hätten das Angebot tatsächlich in Anspruch genommen. Ob es daran liegt, dass die Sehenswürdigkeiten auf dieser Strecke doch nicht so attraktiv sind, oder ihnen die Landeshauptstadt und Städte wie Ludwigslust, Wismar oder Güstrow mehr zu bieten hatten? Der Findlingsgarten in Raben Steinfeld ist eine schöne Anlage geworden, kein Zweifel. Und der archäologische Lehrpfad bei Kritzow zu den Biberburgen am Glaser Moor hat seine Reize. Sie locken aber nicht so viele Besucher an, wie etwa das Schloss in Ludwigslust oder Wismar mit seinem alten Hafen. Und wer zum Golfen nach Vorbeck wollte, ist in aller Regel mit seinem Auto gefahren. Sehr überschaubar war auch die Anzahl der Radler, die ein Stück mit dem Bus ins Umland fuhren, um dann selbst kräftig in die Pedale zu treten.

Und die Einheimischen? Sie betrachteten die Linie als Bereicherung, gab es doch damit eine zusätzliche Möglichkeit insbesondere für die Älteren, ohne Auto nach Schwerin zu kommen. Allerdings mussten sie dann mehr Zeit einkalkulieren. Denn die Rundreise dauerte länger als jede andere Direktverbindung. So hat das Interesse auch hier mit der Zeit nachgelassen.

Lediglich ein Jahr fuhr der Bus schwarze Zahlen ein. Das war das Buga-Jahr 2009. In diesem Jahr mussten die noch gewährten Zuschüsse von den Anliegergemeinden nicht vollständig in Anspruch genommen werden, erinnert Helms. Sie konnten aber aus haushaltsrechtlichen Gründen nicht ins Jahr 2010 mitgenommen werden. Weitere Förderungen wurden dann nicht mehr gewährt. Denn nach dem Buga-Jahr, so die Vorstellungen aller Beteiligten, sollte sich die Linie finanziell selbst tragen. Tat sie aber nicht, sondern fuhr wieder rote Zahlen ein. Alle Gemeinde strichen den Zuschuss, weil sie selbst auch weniger Mittel erhielten.

Ideengeber der Busline 100 war der Goderner Lothar Rackwitz, stellvertretender Vorsitzender der Wirtschaftsvereinigung Schweriner Seenland e.V. Verbündete für dieses Projekt fand er in den Geschäftsführern von SGS Bus und Reisen, Andreas Helms, und vom Schweriner Nahverkehr, Norbert Klatt. Beide Unternehmen traten als gemeinsamer Betreiber der Buslinie 100 auf, die 2005 dann ins Leben gerufen wurde.

Dass die Linie bis auf das Buga-Jahr unrentabel war, weiß auch Lothar Rackwitz. 12 000 Euro im Jahr müssten die Anliegergemeinden aufbringen, damit sie wieder häufiger fährt, erklärt er. Gaststätten, Museen und der Tourismus im Schweriner Umland hätten aus seiner Sicht davon profitiert. Aber die Gemeinden seien derzeit nicht mehr in der Lage, die Buslinie finanziell zu unterstützen.

Sollte sich die Situation in der nächsten Zeit ändern und die Linie wieder stärker nachgefragt werden, so Andreas Helms, könnte sie relativ kurzfristig wieder belebt werden. Die Vertreter der Busunternehmen jedenfalls seien gegenüber den Gemeinden jederzeit gesprächsbereit.

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