Schwerin : Busfahren für zehn Pfennig

Zwischen Lankow Siedlung und der Hubertusstraße verkehrte Mitte der 1930er-Jahre ein Omnibus des Herstellers Büsing.
Zwischen Lankow Siedlung und der Hubertusstraße verkehrte Mitte der 1930er-Jahre ein Omnibus des Herstellers Büsing.

Geschichte des öffentlichen Nahverkehrs in Schwerin: Heute – Mit dem Omnibus zur Seevilla

svz.de von
08. März 2018, 12:00 Uhr

Ohne den öffentlichen Nahverkehr wären die Straßen der Landeshauptstadt hoffnungslos überfüllt. Bus, Straßenbahn oder Fähre sorgen für Entlastung. Die verschiedenen Verkehrsmittel in der Stadt haben ihre ganz eigene Geschichte. Heute im Thema der Woche: Omnibusse in Schwerin.

Genauso stotternd wie die ersten Motoren selbst lief auch der Busverkehr in der Landeshauptstadt an. Zwischen 1904 und 1906 gründeten einige Schweriner die „Kraftwagen-Genossenschaft“ in Ostorf und kauften einen gebrauchten Omnibus für 20 Fahrgäste. Am 21. Dezember 1906 nahm dieser seine erste Fahrt auf der Linie Bahnhof – Schloss – Seevilla auf. An Werktagen verkehrte der Bus sechsmal, an Sonntagen zweimal. Der Preis: 10 Pfennige bis 21 Uhr, danach 20 Pfennige. Die „Schlosskinder“ fuhren umsonst. Allerdings rentierte sich der Betrieb nicht und wurde Ende 1907 eingestellt.

Erst 1930 fuhren dann wieder Omnibusse durch die Landeshauptstadt. Die Inhaberin eines Hotels in Friedrichsthal ließ private Busse vom Moltkeplatz zu ihrem Hotel fahren, da es sonst keine Verbindung zwischen den beiden Orten gab: Die Deutsche Reichspost stellte den Omnibusbetrieb nach kurzer Zeit gleich wieder ein.

Die ersten Busse unter städtischer Führung fuhren 1935 durch Schwerin – auf den Linien 2a, Friedhof – Görries, und 2b, Friedhof – Neumühle. Eine dritte Linie, vom Schweizerhaus zur Gartenstadt, rentierte sich nicht und wurde wieder eingestellt. Mit der Reichsstraße Hamburg-Berlin wurde Schwerin Ende der 1930er-Jahre wieder mehr zum Anziehungspunkt für Touristen. Nach dem misslungenen Versuch im Vorjahr wurde der Omnibusbetrieb 1936 wieder aufgenommen und um Linie 4 von der Hubertusstraße bis Lankow Siedlung erweitert. Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Linie 1 vom Kriegsgefangenen-Mannschaftslager über den Marienpatz bis nach Neumühle verlängert. Nach dem Bombenangriff am 7. April 1945 blieben von 14 Omnibussen und fünf Anhängern nur noch zwei Busse sowie ein Anhänger übrig.

Vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis zum Sommer 1946 gab es in Schwerin keinen Busverkehr. Erst am 5. August fuhren dann die beiden übrig gebliebenen Busse vom Marienplatz bis Zippendorf sowie vom Marienplatz über Lankow nach Friedrichsthal. Nach drei Jahren kam das abrupte Ende: Aufgrund von Reifenmangel wurden die Fahrten eingestellt.

Rund zehn Jahre später fuhren dann 23 Omnibusse durch Schwerin, die 1262 Plätze boten – 630 Sitz- und 632 Stehplätze. Zum Vergleich: Heute sind in der Landeshauptstadt 40 Busse auf 15 Linien unterwegs. Das Streckennetz weist eine Länge von 150 Kilometern auf.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen