Nahverkehr : Busdebatte in der Sackgasse

Mehr als 90 Einwohner aus Seehof und Lübstorf kamen zur Bürgerversammlung, darunter auch Berhard Schierer (stehend), der heftig Kritik am neuen Fahrplankonzept übte.
Mehr als 90 Einwohner aus Seehof und Lübstorf kamen zur Bürgerversammlung, darunter auch Berhard Schierer (stehend), der heftig Kritik am neuen Fahrplankonzept übte.

Bürgerversammlung zum Nahverkehr im Schweriner Umland eskaliert – Einwohner fordern neuen Termin und kompetente Ansprechpartner

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05. November 2015, 08:00 Uhr

Die frohe Botschaft, die der kreiseigene Verkehrsbetrieb im Gepäck hatte, wollte in Seehof niemand hören. So hatte es jedenfalls den Anschein am Dienstagabend im Seehofer Dorfgemeinschaftshaus. Bürgermeisterin Christiane Schwonbeck und Lübstorfs Gemeindeoberhaupt Michael Gräning hatten zur gemeinsamen Bürgerversammlung eingeladen. Auch Vertreter des Nordwestkreises hatten im Präsidium Platz genommen, darunter Jörg Lettau, Geschäftsführer vom kreiseigenen Verkehrsbetrieb Nahbus. Er sollte an diesem Abend Rede und Antwort stehen, Fragen klären und vor allem Informationen zur neuen Buslinie von Wiligrad über Lübstorf und Seehof nach Schwerin. Bislang hatte der Schweriner Nahverkehr diese Linie bedient. Ein Kreistagsbeschluss vom Januar fordert einen neuen Nahverkehrsplan mit dem Ausbau des Busverkehrs (SVZ berichtete).

Aber noch bevor Jörg Lettau den ersten Satz zu Ende sprechen konnte, gab es heftige Einwände von Seiten der Bürger: „Wir wollen das nicht. Wir wollen unsere Linie 8 behalten.“ So blieben Lettaus Ankündigungen, bessere Anbindungen, mehr Fahrten und gleichbleibende Preise ungehört oder wurden verlacht. „Wir müssen doch erst die Fragen klären, warum das so gekommen ist. Seit mehr als 40 Jahren sind wir zufrieden mit dem Nahverkehr Schwerin. Warum nimmt man uns das einfach weg?“, fragte Eckhard Kammer. Die Erklärungen von Tino Waldraff, der die Umgestaltung des Öffentlichen Personennahverkehrs begleitet, stellte die Bürger nicht zufrieden. Selbst die rechtlichen Erläuterungen von Dr. Roland Finke, dem Leiter der Stabsstelle Regionalentwicklung, reichten den Einwohnern nicht. „Entschuldigung, aber das können und wollen wir so nicht glauben“, intervenierte einer der Bürger. Denn entgegen der Versprechungen von Landrätin Kerstin Weiss, dass es keine Verschlechterung geben werde, fallen nun doch Haltestellen weg. Alle weiteren Versuche von Jörg Lettau, zu einer sachlichen Diskussion weiterzukommen, scheiterten. „Wenn Sie so weitermachen, gehen Sie als Terminator der Linie 8 in die Geschichte ein“, wetterte ein Seehofer.

Um weitere persönlichen Anfeindungen zu vermeiden, schlug Bernhard Schierer vor, die Bürgerversammlung zu vertagen. „Es gibt hier viele Fragen, aber keine vernünftigen Antworten. Die Landrätin gehört mit an den Tisch und auch der Schweriner Nahverkehr. So wird das hier heute nichts“, sagte der Lübstorfer. Schierer selbst ist fast täglich auf den Bus angewiesen: „Ich kann diese Versprechen vom Nahbus nicht glauben. Es kommt doch keiner einfach so und macht alles besser. Was soll das für ein Wunder sein?“

Auch Bürgermeisterin Schwonbeck übte Kritik am Kreis: „Es ist keine Art und Weise, uns so vor vollendete Tatsachen zu stellen und Versprechen nicht zu halten.“ Nach 90 Minuten wurde die Versammlung abgebrochen, ein neuer Termin soll schnell gefunden werden. „Wir werden bei der Landrätin vorstellig und müssen nun retten, was zu retten ist“, sagte Schwonbeck gestern.

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