Schwerin : Bunker geht, Schüler kommen

Natursteinpflaster, Granitmauern und Grünanlagen zeichnen den Karl-Liebknecht-Platz nach der Sanierung 2011 aus. Vormittags dient er als Schulhof.
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Natursteinpflaster, Granitmauern und Grünanlagen zeichnen den Karl-Liebknecht-Platz nach der Sanierung 2011 aus. Vormittags dient er als Schulhof.

Städtebauliche Sanierung der Feldstadt nach 25 Jahren erfolgreich abgeschlossen – heute: der Karl-Liebknecht-Platz

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16. Mai 2018, 08:00 Uhr

Anfang der 1990er-Jahre galt die Feldstadt als Nachtjackenviertel von Schwerin. Um die städtebaulichen Missstände zu beseitigen, wurde die Feldstadt 1993 zum Sanierungsgebiet erklärt. Nach 25 Jahren wurde dieser Status jetzt aufgehoben. SVZ beleuchtet, wie sich der Stadtteil seit der Wende verändert hat. Heute: der Karl-Liebknecht-Platz.

Vormittags gegen halb zehn und halb zwölf herrscht Trubel auf dem Karl-Liebknecht-Platz – hier dürfen die 550 Schüler der weiterführenden Niels-Stensen-Schule ihre großen Pausen verbringen. Eine ungewöhnliche Lösung, aber sie funktioniert: „Bislang ist noch nichts passiert, viele Autofahrer passen sich der Situation gut an“, sagt Schulleiterin Brigitta Bollesen-Brüning. Aber leider nicht alle. „Ein Zebrastreifen an dieser Stelle wäre großartig.“

Nachmittags und an den Wochenenden liegt der Platz ruhig im Sonnenschein, ein gepflegter Naherholungsplatz. Was ein bisschen und leider auch schon seit Jahren nervt, ist der Unrat, der sich seit längerer Zeit rund um die versenkbaren Mülltonnen stapelt.

Bis der Platz so beschaulich wurde, wie er heute daherkommt, musste einiges bewegt werden. Auch Boden und Beton. Denn hier gab es einen Zivilschutzbunker aus den 50er-Jahren. Die Feldstadt hatte zum Ende des Krieges schlimme Erfahrungen gemacht: Am 7. April 1945 wurde sie von einem Fliegergroßangriff heimgesucht. Auf ihrem Rückweg vom Militärflugplatz Parchim, den sie wegen schlechter Sicht nicht bombardieren konnten, ließen sechs alliierte Fliegerstaffeln den Großteil ihrer tödlichen Fracht, insgesamt 92 Tonnen Bomben, auf die Feldstadt fallen – unter anderem, um nicht voll beladen nach England zurückfliegen zu müssen. Bilanz: 41 Häuser waren zerstört, 256 Menschen starben. Das berichtet Stadtarchivar Dr. Bernd Kasten in seinem Buch „Bomben auf Schwerin“. Noch heute werden bei Neubauvorhaben Fliegerbomben im Untergrund gefunden, dann müssen ganze Straßenzüge evakuiert werden.

In den 50er-Jahren baute Schwerin einen Zivilschutzbunker mitten in der Feldstadt. Darüber wurde ein kleiner Platz geschaffen mit Blumen, Büschen, Bäumen und Bänken – benannt wurde er nach dem Mitbegründer der Kommunistischen Partei, Karl Liebknecht.

Im Sommer 2011 wurde der niemals benutzte Bunker ausgegraben – denn der inzwischen verwahrloste Liebknecht-Platz sollte komplett neu gestaltet werden. Die Sanierung kostete rund eine halbe Million Euro, finanziert aus Städtebaufördermitteln. Natursteinpflaster, Granitmauern mit Sitzflächen und neue Grünanlagen bestimmen den Platz heute.

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