B 106 zwischen Schwerin und der A 24 wird herabgestuft : Bund und Land tauschen Straßen

Bevor in drei Jahren die B 106 von Schwerin in Richtung Süden herabgestuft wird, muss sie  erneuert werden. Die Bauarbeiter legen in der nächsten Woche bei Hasenhäge los. kawi
Bevor in drei Jahren die B 106 von Schwerin in Richtung Süden herabgestuft wird, muss sie erneuert werden. Die Bauarbeiter legen in der nächsten Woche bei Hasenhäge los. kawi

Wenn in der kommenden Woche die Baufahrzeuge an der Kreuzung Hasenhäge anrücken, sind das nicht nur die Zeichen für die Sanierung der B 106. Sie sind auch Vorboten einer Neuordnung des Straßennetzes in Westmecklenburg.

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11. September 2012, 07:06 Uhr

Hasenhäge | Wenn in der kommenden Woche die Baufahrzeuge an der Kreuzung Hasenhäge anrücken, sind das nicht nur die Zeichen für die grundlegende Sanierung der B 106 bis zum Bahnübergang bei Stern Buchholz. Diese Arbeiten sind zugleich Vorboten einer punktuellen Neuordnung des Straßennetzes in Westmecklenburg. Ende 2015 sollen 19 Kilometer der B 106 zur Landesstraße herabgestuft werden - es betrifft die Strecke zwischen Schwerin und der Anbindung an die A 24 bei Fahrbinde/Wöbbelin. Und das sind nicht die einzigen Abschnitte von Bundesstraßen, die der Bund ans Land abgibt. Auch die B 103 zwischen Karow und Güstrow sowie zwischen Laage und der Autobahnzufahrt Dummerstorf wird in drei Jahren ans Land übergeben. "Insgesamt geht es um 60 Kilometer von diesen beiden Bundesstraßen, die neu eingestuft werden", erläutert Wolfgang Jenßen vom Straßenbaureferat im Schweriner Verkehrsministerium. Mecklenburg-Vorpommern ist dabei bundesweit eine kleine Nummer. Die Liste der Straßen, die der Bund an die jeweiligen Länder abgeben will, ist lang. Unterm Strich sind es 2500 Kilometer. Bundestag und Bundesrat haben sich darüber bereits verständigt und im vorigen Herbst eine gemeinsame Vorgehensweise beschlossen.

In Mecklenburg-Vorpommern liegen die Gründe für die Herabstufung klar auf der Hand. "Der Bund will keine Pa rallelstraßen zu Autobahnen in seiner Verantwortung unterhalten", erläutert Jenßen. Offiziell heißt dies "fehlende Fernverkehrsbedeutung". Ob jetzt und auch in naher Zukunft tatsächlich der Lkw- und Fernverkehr auf den bisherigen Bundesstraßen oder auf den benachbarten Autobahnen rollt, ist bei dieser Beurteilung zweitrangig. Der Bund will einfach keine Parallelstrecken vorhalten. "Der Kraftfahrer wird aber von dieser Herabstufung nichts spüren", unterstreicht Wolfgang Jenßen. Denn als Landesstraßen wird diesen Strecken bei der Unterhaltung und beim Winterdienst die gleiche Aufmerksamkeit, der gleiche Umfang wie bisher zuteil. Nicht einmal die Zuständigkeit bei den Straßenmeistereien wechselt. "Nur das Kürzel B 106 verschwindet von den Straßenschildern und Vorwegweisern", erläutert Jenßen. Und auch beim Tempo bleibt alles beim Alten: 100 km/h auf freier Strecke ist die Höchstgeschwindigkeit sowohl auf Bundes- als auch Landesstraßen.

Im Grunde genommen profitieren die Autofahrer sogar von dieser Neueinordnung der Straßen. Denn die werden in einem Top-Zustand übergeben. Genau das ist auch der Grund, warum in der kommenden Woche die Sanierungsarbeiten bei Hasenhäge beginnen. Sechs Kilometer der jetzigen B 106 müssen grundlegend saniert werden. Bis Ende Mai nächsten Jahres wird hier gearbeitet. Der Bund zahlt dafür rund 1,5 Millionen Euro. "Hier wurde in den zurückliegenden Jahren nicht so viel gemacht", räumt der Fachmann vom Straßenbaureferat des Landes ein. Die restlichen 13 Kilometer erhalten eine neue Schwarzdecke. Das alles passiert in Etappen, so dass Ende 2015 die Übergabe dieses Straßenabschnittes vollzogen werden kann.

Wolfgang Jenßen geht auch davon aus, dass es nicht das letzte Teilstück der B 106 ist, dem eine solche Herabstufung droht: "Wenn die Verlängerung der A 14 in Richtung Süden fertig ist, kann es auch dort dazu kommen." Für die B 106 nördlich von Schwerin sieht der Fachmann das aber nicht. Dort ist die Bundesstraße eine wichtige Verbindung zwischen den Zentren Schwerin und Wismar und der Abstand zur A 14 ist weitaus größer als im Süden der Landeshauptstadt.

Die Neueinstufung ist aber keine Einbahnstraße, berichtet Wolfgang Jenßen. So übergibt das Land im gleichen Zuge die jetzigen Landesstraße von Crivitz nach Goldberg an den Bund. "Vom Verkehrsaufkommen ist dieser Schritt voll gerechtfertigt", betont der Fachmann. Und auch beim Wechseln der Zuständigkeiten in diese Richtung gilt das gleiche Procedere. "Hier ist das Land in der Pflicht, vor der Übergabe die Straße herzurichten", so Jenßen. Diese insgesamt 30 Kilometer lange Chaussee wurde vom Land Ende der 1990er-Jahre Stück für Stück saniert. In den zurückliegenden Jahren erfolgte dann der Ausbau der Ortsdurchfahrten von Zölkow, Kladrum und zuletzt Wessin. "Insofern haben wir dort jetzt nicht mehr so viel zu tun", erläutert Wolfgang Jenßen. Hier ist lediglich vorgesehen, dass vor der Übergabe der Landesstraße an den Bund die Straßendecke herzurichten ist. Ebenfalls nicht so umfangreiche Arbeiten sind vor der Umwidmung an den beiden Abschnitten der B 103 nötig, schätzt der Straßenbau-Fachmann ein. "Die Sanierung der B 106 bei Hasenhäge ist das größte Bauprojekt in diesem Vorgang", hebt Jenßen hervor.

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