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Zeitung für die Landeshauptstadt

19. November 2017 | 08:05 Uhr

Schwerin : Bürger stoppen Bauvorhaben

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Drei Baugebiete stehen in der Kritik von Ortsbeiräten und einer Bürgerinitiative – Kompromisssuche in der Sommerpause

von
erstellt am 28.Jul.2017 | 05:00 Uhr

Zur Zeit fühlen sich „alte Hasen“ in der Stadtverwaltung und der Stadtvertretung an den Beginn der 1990er-Jahre erinnert. Damals war die Stadt der Meinung, dass 60 000 Schweriner gerne auf dem Dreesch wohnen und dort auch bleiben wollen. Neue Baugebiete auszuweisen, erachtete man nicht als nötig. Ein Trugschluss, wie sich schnell herausstellte. Denn die Dörfer im Umland wiesen ein Baugebiet nach dem andern aus. Tausende Schweriner zog es ins Grüne, die Stadt verlor an Einwohnern.

Inzwischen ist viel nachgeholt worden. In Schwerin gibt es eine ganze Anzahl an Eigenheim- und Stadthausgebieten. Die Stadt hat Zuzug. „Damit das so bleibt, müssen weitere Baugebiete entwickelt werden“, sagt Stadtentwickler Andreas Thiele. „Denn in zwei, drei Jahren sind die jetzt noch freien Flächen bebaut.“

Doch der Prozess stockt. Diesmal ist es aber nicht die Stadt, die neue Baugebiete blockiert, diesmal sind es Ortsbeiräte und Bürger – in Zippendorf, in der Werdervorstadt und in Wickendorf. Zu hoch, zu massiv, zu viel – es gibt immer neue Argumente gegen bestimmte Vorhaben, noch bevor überhaupt damit begonnen wurde, einen Bebauungsplan auszustellen. Oberbürgermeister Rico Badenschier bringt das Dilemma auf den Punkt: „Legt ein Investor eine Ideenskizze vor, wie sein Vorhaben aussehen könnte, heißt es: So geht das nicht. Legt er nichts vor, heißt es: Wir wissen ja gar nicht, was da hin soll.“ Dabei soll erst im B-Plan-Verfahren geklärt werden, was geht und was nicht. Der Plan wird dann der Öffentlichkeit vorgelegt und Bürger, Verbände und Institutionen können Bedenken äußern und Anregungen geben.

Beispiel – das Bauvorhaben im Hafen neben dem Speicher. Der Ortsbeirat lehnt die Pläne strikt ab. Der Baukörper sei zu massiv und lege sich wie ein Riegel vor die Kaikante. Der Vorschlag von Manfred Forejt, Mitglied im Bauausschuss und im Ortsbeirat Schelfstadt, Werdervorstadt, Schelfwerder und selbst Architekt machte den Vorschlag, den Baukörper in drei Einzelbauten aufzulösen. Doch auch das werde der Ortsbeirat ablehnen, ist sich Rolf Steinmüller, ebenfalls Beiratsmitglied, sicher. „Wenn diese Bebauung kommt, wird die Ortsbeiratsvorsitzende eine Bürgerinitiative gründen“, kündigt Steinmüller an.

Beispiel Zippendorf. Die Bebauung rund um das Strandhotel lehnt der Ortsbeirat ab. Und bekommt Schützenhilfe von der SPD und den Bündnisgrünen. Eine Begründung: Zippendorf würde seinen „dörflichen Charakter“ verlieren. Ein Charakter, den der Ortsteil ganz bestimmt seit Jahrzehnten nicht mehr hat.

Beispiel Wickendorf: Dort sind es der Ortsbeirat und eine Bürgerinitiative, die Bedenken gegen ein Neugebiet Wickendorf-West haben. Nicht das sie es verhindern wollen – es kommen konstruktive Hinweise, die teilweise auch von der Verwaltung übernommen werden. Es kommt aber auch die Forderung, höchstens 80 Eigenheime zuzulassen. „Das bedeutet größere und teurere Grundstücke“, gibt SPD-Stadtvertreter Daniel Meslien zu bedenken. „Wir wollen aber Bauland für junge Familien bereitstellen, die nicht so viel Geld haben.“

Der Hauptausschuss hat nun den Baudezernenten beauftragt, gemeinsam mit den Ortsbeiräten, den Investoren, dem Bauausschuss und den Bürgern einen Kompromiss zu finden. Denn unter den Fachleuten ist man sich trotz allem einig: Schwerin braucht neue Baugebiete.

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