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Zeitung für die Landeshauptstadt

24. August 2017 | 02:59 Uhr

"Bürger-Engagement wird getötet"

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Görries | Dass sich die Bewohner noch ganz selbstverständlich "Guten Tag" sagen, wenn sie sich auf der Straße begegnen, darauf sind die Görrieser stolz. Auch darauf, dass sie in den vergangenen Jahren ohne laut zu murren diverse Investitionsmaßnahmen am Stadtteil vorbeiziehen sahen - für die Buga wurde Geld gebraucht, dann für die Straßensanierung nach dem dramatischen Winter 2010. Doch auch in Görries gäbe es einiges herzurichten, von der schlecht geflickten Rogahner Straße über fehlende Bürgersteige bis zu Absackungen in den Anwohnerstraßen.

Für seine Zurückhaltung fühlt sich der Ortsbeirat Görries jetzt abgestraft. Eine Liste mit 23 offenen Fragen hatte er bei der Stadtverwaltung eingereicht. Die Antworten empfinden die Mitglieder gelinde gesagt frustrierend: "Erledigt", "Frage unklar" oder "wird durch die Fachverwaltung geprüft" steht allzu oft im Schreiben der Verwaltung. Dass die Stadt die Frostschäden in den Straßen in Görries als "beseitigt" einstuft, darüber können Ortsbeiratsvorsitzende Karla Pelzer und ihr Stellvertreter Hans-Heinrich Jammer-Lühr nur den Kopf schütteln. Sie sehen die Winterschäden nicht als behoben an. "Warum nutzen die Zuständigen nicht die Kenntnisse der Anwohner?" fragt Günter Schöner, der ebenfalls Mitglied im Ortsbeirat ist.

"Wir würden gerne mal vor der Vergabe von Mitteln von der Stadt gehört werden. ", ergänzt Karla Pelzer. "Man kann jederzeit mit uns über alles reden. Aber der Ton der Verwaltung gefällt uns gar nicht. " Die Stadt versuche vor allem zu erklären, warum etwas nicht funktioniere, statt die Bürger mit ins Boot zu holen. "Wir haben den Eindruck, man will uns einfach ruhig stellen", so Pelzer. "Das tötet auf Dauer jedes bürgerschaftliche Engagement - und steht im Gegensatz zu den Versprechen der Verwaltungsspitze."

Die Geburtsstunde des Ortsbeirates ist noch gar nicht lange her. 2008 fanden sich engagierte Bürger in dem Gremium zusammen, um Politik an die Basis zu tragen. "Die kleine Dinge des täglichen Lebens haben auch ganz gut geklappt", sagt Karla Pelzer und verweist auf eine neue Bank vor dem Ehrenmal oder die Aufstellung eines Blumenkübels vor der Awo-Kita zur Verkehrsberuhigung. Doch bei einem eigenen Raum als Treffpunkt für die Görrieser oder als Ort für eine Bürgersprechstunde wurde es schon schwierig, und bei den Hauptproblemen scheint der Ortsbeirat gegen Wände zu laufen. "Straßenzustand, Gehwege und Beleuchtung", sind für Hans-Heinrich Jammer-Lühr und seine Kollegen die dringendsten Anliegen.

"Für die gewerbliche Entwicklung von Görries hat die Sanierung der Rogahner Straße oberste Priorität", sagt Karla Pelzer. Die ist auch versprochen, doch leider sei ihr trotz mehrfacher Anfragen nicht bekannt, wann es denn losgehen soll und was die Maßnahme kosten wird. "Nach der Fertigstellung der Gü strower Straße sei die Rogahner dran, heißt es. Die Kosten wurden mal mit 2,5 Millionen Euro benannt, wir rechnen aber mit knapp doppelt so viel", sagt sie. Auch in den Wohngebieten und rund um die Kita müsste einiges getan werden, so Pelzer. Gut 30 Jahre lang seien Löcher nur notdürftig gestopft worden, unter der schlechten Instandhaltung müssten jetzt die Einwohner leiden. Breite Straße, Mittelstelle, Schulzenweg, Wasserstraße, Heidberg, Dwang oder Erlenweg nennt der Ortsbeirat als dringend reparaturbedürftig.

Viele Betonlaternen sind marode, ein Gehweg zum neuen Wohngebiet am Schulzenweg fehlt, obwohl viele Autofahrer diese Strecke als Abkürzung benutzen. Vorschlag des Ortsbeirates: Nur Anliegerverkehr zulassen, das trage auch zur Sicherheit der Kita-Kinder bei.

"Wir geben uns viel Mühe, der Verwaltung mit Rat und Tat zur Seite zu stehen", sagen Schöner und Pelzer. "Aber die Möglichkeit gibt man uns nicht." Drei Jahre nach der Gründung des Ortsbeirates ziehen sie ein fast schon bitteres Resümee: "Wir haben zwar viele nette Abende verbracht, aber nicht viel bewirkt."

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erstellt am 10.Jun.2011 | 04:19 Uhr

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