Schweriner Waisengärten : Bündnisgrüne lehnen Bauplan ab

<strong>Potenzielles Baugebiet: </strong>Die grüne Schwaneninsel soll zu einem attraktiven Wohngebiet werden. Doch die Grünen kritisieren, dass die städtischen Baupläne Chancen verschenken.
Potenzielles Baugebiet: Die grüne Schwaneninsel soll zu einem attraktiven Wohngebiet werden. Doch die Grünen kritisieren, dass die städtischen Baupläne Chancen verschenken.

Die Schweriner Bündnisgrünen lehnen die Bebauung der Schwaneninsel ab. Aus Sicht der Umweltexperten fehlen ökologisch-nachhaltige Ideen, Arten- und Klimaschutz in den vorgelegten Papieren für die Waisengärten.

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29. Januar 2013, 06:54 Uhr

Werdervorstadt | Dass die Schweriner Bündnisgrünen grundsätzlich gegen eine Bebauung der grünen Schwaneninsel mit den ehemaligen Waisengärten sind, ist hinlänglich bekannt. "Da wir aber die Bebauung nicht verhindern können, soll in dem Premiumgebiet wenigstens etwas Besonders entstehen. Doch das geben die jetzt von der Stadt vorgelegten Pläne nicht her", bilanziert Kreisvorsitzender Frank Fiedler. Der vorliegende Bebauungsplan weise erhebliche Defizite auf. "Wir wollen deshalb über Änderungsanträge in der Stadtvertretung versuchen, erhebliche Fehler zu beseitigen", erklärt Cornelia Nagel, Vize-Fraktionsvorsitzende von SPD-Grüne. Dabei ginge es vor allem um echten Artenschutz, die künftige Durchwegung und die geplante Parkplatzsituation im Waisengärtengebiet, aber auch um Klimaschutzaspekte. "Momentan fehlt aus unserer Sicht das Umweltbewusstsein, um in diesem Premium-Gebiet ein lebenswertes Wohngebiet für Familien zu schaffen", sagt Fiedler. "Und wir wollen Lebensqualität für Schweriner und nicht nur ein Schaufenster für Touristen."

Dafür brauche es mehr Informationen und mehr Mitspracherecht, sagt der grüne Umweltexperte Jürgen Friedrich. Da laut Gesetz Bäume nur zwischen Oktober und Februar gefällt werden dürfen, "laufen wir Gefahr, dass in den Waisengärten schon jetzt vollendete Tatsachen geschaffen werden, bevor die Stadtvertreter überhaupt etwas beschlossen haben", beklagt er. Denn wenn tatsächlich bereits vor dem Sommer mit der Erschließung durch die Entwicklungsgesellschaft Schwerin (EGS) begonnen werden soll, müssten die meisten der mehr als 200 im städtischen Umweltbericht akribisch aufgelisteten Gehölze bereits in den nächsten Wochen verschwinden. "Das darf nicht passieren, bevor die Stadtvertretung darüber redet", betont Kreisvorsitzender Fiedler.

Die SPD-Grüne-Stadtfraktion will erreichen, dass bereits jetzt im Hauptausschuss - nach der Stadtvertretung das wichtigste politische Gremium - regelmäßig Berichte der Verwaltung über den Planungs- und später den Baufortschritt gegeben werden. "Außerdem halten wir es für nötig, dass Schwerin nach dem Vorbild unzähliger anderer Städte endlich einen Gestaltungsbeirat bekommt", sagt Stadtvertreterin Nagel. Das Gremium könne auch auf externen Sachverstand zurückgreifen - beispielsweise von der Hochschule Wismar.

Die Bündnisgrünen loben das Engagement der verantwortlichen EGS im Umgang mit den Waisengärten. Die Mitarbeiter um Geschäftsführer Robert Erdmann würden beispielsweise versuchen, eine soziale Durchmischung im neuen Wohngebiet zu erreichen. Sie seien auch bemüht, durch die Waisengärten tatsächlich Zuzug nach Schwerin zu erreichen, statt nur Umzüge innerhalb der Stadt zu ermöglichen. "Offensichtlich ist es schwer, diese Vorstellungen auch bei der Stadtspitze durchzusetzen", sagt Frank Fiedler. "Aber: Billig haben wir in Schwerin schon genug."

Der detaillierte Umweltbericht sei gut, sagen die Bündnisgrünen. Nur würden die Konsequenzen aus den gewonnenen Erkenntnissen fehlen - und damit bislang auch nicht in die Satzung des B-Planes einfließen. "Aus dem Umweltbericht geht nicht hervor, was mit den Amphibien während der Bauphase passiert. Wer schützt sie da?", benennt Jürgen Friedrich ein Beispiel. In anderen Städten wäre klar definiert, wann und wo ein Amphibienschutzzaun aufgestellt wird. "In Schwerin ist davon kein Wort zu lesen."

Die Bündnisgrünen beklagen zudem die städtebaulichen Defizite in der jetzt vorliegenden Planung. "Es gibt einen Stadtvertreterbeschluss, dass das einstige Polizeigelände und die Waisengärten gleichzeitig entwickelt werden sollen", erklärt Cornelia Nagel. "Da es für das Polizeiareal keinen Investor gibt, müsste daher eigentlich auch daneben alles ruhen."

Ob Dachbegrünung, Stellplatzversiegelung, zu verwendende Baumaterialien oder die Bepflanzung in den privaten Vorgärten - dazu gäbe es zwar teilweise Aussagen im Umweltbericht, aber keine verbindliche Regulierung oder Festsetzung in der Satzung des B-Plans, beklagt die Stadtvertreterin. Ebenso fehlten Aussagen über ökologisches und energiebewusstes Bauen. "Noch nicht einmal der Anschlusszwang ans Fernwärmenetz ist vorgeschrieben, obwohl die Stadtwerke eine mehrere Millionen Euro teure Erdwärme-Anlage bauen wollen", so Nagel. Das grüne Fazit: Es muss noch viel getan werden, ehe die Bagger anrollen.

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