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Zeitung für die Landeshauptstadt

11. Dezember 2017 | 23:48 Uhr

Vollmast im Wald : Buchen ziehen eigene Kinder groß

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Vollmast an den Bäumen: Bahlenhüschener Förster André Schweitzer zeigt Schülern, wie sich der Wald alleine verjüngt

svz.de von
erstellt am 29.Sep.2014 | 23:04 Uhr

Die Förster am Rande der Lewitz erhalten gerade tatkräftige Hilfe von Mutter Natur. „Eine Reihe von Buchen trägt viele Früchte“, freut sich André Schweitzer. „Das nutzen wir bei der Verjüngung der Wälder.“ Das erzählt und zeigt der Bahlenhüschener Revierförster den Drittklässlern aus der Grundschule Sukow. Die schauen sich an ihrem Wandertag auf dem Lehrpfad um. Die Mädchen und Jungen lernen, wie sie Bäume anhand der Blätter oder Nadeln, mit Hilfe der Früchte und auch der Rinde unterscheiden können. „Im Sachkunde-Unterricht behandeln wir gerade Bäume. Da passt so ein Ausflug in den Wald bestens rein“, erzählt Anette Siggelkow, Klassenlehrerin der 3a.

Dass die Schüler in diesem Herbst unter Buchen reichlich Früchte finden, ist etwas Besonderes. Denn Bucheckern gibt es nicht jedes Jahr. „So alle fünf bis sieben Jahre haben wir eine Vollmast“, erzählt Schweitzer. Dann hängen an jeder Buchen Früchte – und zumeist noch massenhaft. In solchen Jahren finden die Tiere des Waldes reichlich Futter. Unsere Vorfahren trieben dann ihr Vieh in den Wald, damit es sich Winterspeck anfressen konnte. „Daher kommt auch das Wort Mast“, erläutert der Förster.

In diesem Jahr spricht Schweitzer aber von einer Sprengmast. Denn nicht jede Buche trägt Früchte. Vor allem Bäume am Waldrand und auf guten Böden haben Eckern gebildet. „Das habe ich schon bei der Blüte im Frühjahr gesehen“, erzählt der Fachmann. Gezielt wurde auf Flächen neben solchen Buchen erntereifes Holz geschlagen. Doch damit allein ist es nicht getan. Die Forstleute helfen schon ein bisschen nach, damit unter so genannten Schirmbäumen ein junger Wald spießen und aufwachsen kann.

Jetzt im Herbst, bevor die Bucheckern ausfallen, wurde unter diesen zumeist alt ehrwürdigen Buchen gepflügt und gegrubbert. „Die Bucheckern müssen in den Mineralboden fallen“, erläutert André Schweitzer. Dort können die Sprösslinge im Frühjahr auflaufen und Wurzeln schlagen. Wenn die Bucheckern oben auf dem humusreichen Waldboden liegen bleiben, keimen sie zwar auch aus. Doch bei großer Hitze und auch bei strengem Frost sterben die junge Pflanzen schnell wieder ab.

Die neuen Bäume finden aber nicht nur im Boden Schutz. Die kleinen Buchen brauchen noch für zehn bis zwanzig Jahre ihre „Mütter“. Denn die Buchen, von denen der Samen stammt, bleiben als Schirmbäume stehen. So können die gefürchteten Eisheiligen im Frühjahr keinen Schaden anrichten. Und bei starkem Sonnenschein trocknet der Waldboden nicht aus.

Diese Familien bleiben in den nächsten Jahren sich selbst überlassen. Es sei denn, es laufen nicht überall junge Buchen auf. In Lücken pflanzen die Förster dann Setzlinge nach. „Und in etwa zehn Jahren müssen wir schauen, wie sich die jungen Buchen entwickelt haben. Die nicht so schön gewachsenen nehmen wir dann raus,“ erläutert Schweitzer.

Wie das Ganze aussehen kann, dafür gibt es im Nachbarrevier Banzkow ein gutes und auch gut erreichbares Beispiel: Der zum Neddelrad gehörende Buchenwald gegenüber vom Festplatz wurde vor etwa 15 Jahren auf diese Weise verjüngt. Dort haben sich die jungen Buchen inzwischen prächtig entwickelt, freut sich Förster Martin Spickermann.

Bahlenhüschen und Banzkow sind auch die beiden Reviere im Forstamt Friedrichsmoor, die in diesem Jahr die Sprengmast der Buchen zur natürlichen Verjüngung der Wälder nutzen. Zusammen geschieht das auf knapp fünf Hektar Waldflächen.

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