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Schweriner Musik-Festival : Brundibar stupst Festival-Idee an

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Wiedersehen nach 20 Jahren: Aufführung von Hans Krasas Kinderoper 1996 war Anstoß für den Wettbewerb Verfemte Musik

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erstellt am 28.Sep.2016 | 23:23 Uhr

Als vor 20 Jahren Konservatoriumsdirektor Volker Ahmels die Idee hatte, die Kinderoper Brundibar von Hans Krasa in der Musikschule aufzuführen, ahnte er nicht, dass er damit den Grundstein für ein internationales Musikereignis legte: das Schweriner Festival Verfemte Musik. Gestern Abend begaben sich Mitwirkende und Protagonisten von einst und heute sowie junge Sänger des Kinderchores der Singakademie im Konzertfoyer des Staatstheaters gemeinsam mit Volker Ahmels auf eine Zeitreise zu den Wurzeln von Brundibar in Schwerin.

Der jüdische Komponist Hans Krása hatte 1942 nach seiner Deportation in das KZ Theresienstadt die Brundibar-Partitur nach dem Klavierauszug, der ins Ghetto gelangte, erneut niedergeschrieben. Denn das Original hatte er nicht mitnehmen können. Dort wurde die Oper 55 Mal gespielt und brachte den beteiligten Kindern ein Stück Lebensfreude. Die Rollen mussten stets neu besetzt werden, da viele der Darsteller in Vernichtungslager deportiert wurden.

Über die Beschäftigung mit der Geschichte dieser Oper begann vor 20 Jahren für viele junge Schweriner auch eine intensivere Auseinandersetzung mit einem finsteren Kapitel deutscher Geschichte: der Ausgrenzung, Verfolgung und Ermordung von jüdischen Komponisten und Musikern. 85 Mädchen und Jungen der städtischen Musikschule studierten Brundibar ein und reisten damit nach Israel, wo sie die Oper vor Zeitzeugen aufführten. Davon erzählt ein Film von Heile Mundzek, mit dem gestern die Festveranstaltung begann. Viele der damals mitwirkenden Kinder sind heute als Erwachsene fest mit Musik und Theater verbunden wie etwa Ulrike Stern, Dramaturgin der Fritz-Reuter Bühne, oder Sopranistin Sophia Maeno, geborene Mentzel, die damals eine Hauptrolle spielte.

„Ich hätte nie gedacht, dass Brundibar der Ausgangspunkt für ein so erfolgreiches Festival werden könnte, mit dem seit vielen Jahren eine ganz wichtige Erinnerungsarbeit in Schwerin geleistet wird“, sagte Ahmels. Denn das Festival Verfemte Musik hat neben dem Interpretationswettbewerb und Konzerten noch viele geschichtsträchtige Facetten. Dazu gehören Begegnungen mit Zeitzeugen, Ausstellungen, Film- und Theaterprojekte an Schulen. Noch bis 2. Oktober lädt das Festival zu vielen interessanten Veranstaltungen ein.

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