Mutmaßliche Täter und Opfer vernommen : Brechtschule: Die Unsicherheit bleibt

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Der Alltag hat wieder Einzug gehalten an der Integrierten Gesamtschule "Bertolt Brecht". Nichts deutete gestern darauf hin, dass die Kripo hier seit drei Tagen mit Hochdruck ermittelt. Die Schüler scheinen unbesorgt.

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28. September 2012, 09:08 Uhr

Grosser Dreesch | Der Alltag hat wieder Einzug gehalten an der Integrierten Gesamtschule "Bertolt Brecht". Nichts deutete gestern Früh darauf hin, dass die Kripo hier seit drei Tagen mit Hochdruck ermittelt. Wie gewohnt tobten Mädchen und Jungen auf dem Schulhof, spielten Fußball oder Tischtennis. Sie hätten kein ungutes Gefühl, sagten zahlreiche Schüler auf SVZ-Nachfrage.

Anja S.* indes teilte diese Auffassung nicht. Der jungen Mutter war nicht ganz wohl dabei, ihren Sohn, der eine sechste Klasse besucht, zum Unterricht zu bringen: "Mein Sohn wusste schon einen Tage vorher von dem Video. Er hat wirklich Angst, hierher zu kommen", sagte sie. Fünf Schüler der sechsten Klasse waren nach eigenen Aussagen am Dienstag in der Mittagspause von vier Jugendlichen aus der Abiturstufe misshandelt worden. Das hatten die Elftklässler mit dem Handy gefilmt und das Video auf die Internetplattform "You tube" hochgeladen. Nach Bekanntwerden der Tat hatte die Kripo Ermittlungen aufgenommen und das Video aus dem Netz entfernt (SVZ berichtete).

Das Bildungsministerium wollte sich auch gestern zu dem Vorfall nicht äußern. "Die Ermittlungen laufen noch. Deshalb werden wir erst am Montag eine Stellungnahme zu dem Sachverhalt abgeben", sagte Ministeriumssprecher Henning Lipski auf SVZ-Nachfrage.

Hinter den Kulissen wird auf verschiedenen Ebenen mit Hochdruck gearbeitet, um mehr Licht in die Sache und wieder Normalität in den Schulalltag zu bringen. An der Schule ist ein Krisenteam zusammengetreten, dass das weitere Vorgehen beraten und koordinieren soll. Nach Informationen unserer Zeitung ist für Montag ein Gespräch der Schulleitung mit den Tatverdächtigen, ihren Eltern, der Schulrätin und der Schulpsychologin anberaumt, um zu klären, wie mit den Elftklässlern weiter verfahren werden soll, die nach Bekanntwerden der Tat vorläufig vom Unterricht suspendiert worden waren. Auch an den in der nächsten Woche stattfindenden Klassenfahrten dürfen diese Schüler, von denen mehrere in der Vergangenheit an anderen Schulen auffällig geworden und zur Brechtschule gewechselt waren, nicht teilnehmen.

Doch warum tun sich Schulleitung und Bildungsministerium so schwer mit Stellungnahmen und Informationen zu dem Vorfall? "Es gibt Ungereimtheiten in den Aussagen sowohl der Täter als auch der Opfer", bestätigt Polizeihauptkommissar Detlef Dorn, der Leiter des Schweriner Polizeireviers. "Unsere Kriminalisten haben deshalb gestern erneut Vernehmungen von zwei der vier Tatverdächtigen sowie der fünf Geschädigten durchgeführt", berichtet Dorn. Der Abschluss der Ermittlungen werde allerdings erst Ende nächster Woche erwartet.

Im Internet kursieren mittlerweile diverse Versionen von dem Fall. Sie reichen bis hin zu der Behauptung, dass alles nur für einen Film gestellt worden sei. So schreibt ein angeblicher Gymnasiast in mangelhaftem Deutsch, dass er selbst gefilmt und das Video hochgeladen habe. "Ich war der Kameramann und die Kinder wurden weder geschlagen noch misshandelt. Sie wollten dem Radioclub beitreten und meinten, wir sollen sie trainieren..."

Doch ungeachtet dessen, wie genau sich die Übergriffe zugetragen haben: Handlungsbedarf besteht nicht nur bei der Aufklärung, sondern auch bei der Prävention. Denn Gewalt ist an dieser Schule auf dem Großen Dreesch kein Fremdwort. Vor zwei Jahren beispielsweise hatte hier ein Schüler eine Lehrerin mit einem Messer attackiert. Nicht von ungefähr arbeiten gleich drei Schulsozialarbeiter - so viel wie an keiner anderen Bildungseinrichtung in Schwerin - an der Integrierten Gesamtschule "Bertolt Brecht". Und so verstehen viele Eltern nicht, warum die Schulleitung nicht offensiver und öffentlicher mit dieser Problematik umgeht. Sie machen ihrem Unmut über dieses Verhalten beispielsweise auf der SVZ-Seite im Internet und auf Facebook Luft.

Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow verwies unterdessen darauf, dass das Problem Gewalt an Schulen und im öffentlichen Raum in Schwerin stärker thematisiert werden soll. Sowohl im Präventionsrat der Landeshauptstadt als auch in dessen Lenkungsausschuss sei bereits in diesem Monat darüber beraten worden, was konkret angepackt werden soll. In der jüngeren Vergangenheit waren gewalttätige Übergriffe beispielsweise auf dem Berliner Platz oder auf dem Keplerplatz und in deren Umgebung gehäuft aufgetreten.

Mutmaßliche Täter und Opfer vernommen

Das Kriminalkommissariat Schwerin hat unterdessen die Ermittlungen im Fall der gewaltsamen Übergriffe von Schüler der Abiturstufe der Gesamtschule „Bertolt Brecht“ auf fünf Sechstklässler mit Befragungen der Tatverdächtigen fortgesetzt. Nach ersten Erkenntnissen waren die Opfer während der Misshandlungen von den mutmaßlichen Tätern gefilmt und das entsprechende Video auf die Internetplattform „Youtube“ hochgeladen worden. Die Ermittlungen gestalten sich nach Aussage der Polizei aber als schwierig, da sich die Darstellungen der Geschädigten und der Beschuldigten zu dem Fall teilweise widersprechen. Auch im Internet kursieren sehr unterschiedliche Beschreibungen zu dem Ereignis. Das Bildungsministerium verweigert bislang unter Hinweis auf die polizeilichen Ermittlungen jegliche Stellungnahmen. Ungeachtet dessen hat an der Schule ein Krisenteam aus Schulleitung, Sozialarbeitern und Schulpsychologin die Arbeit aufgenommen, um Ruhe in den Unterrichtsalltag zu bringen.

*Name der Redaktion bekannt

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