Brandstiftung in alter Parteischule

<strong>Vermutlich Brandstiftung: </strong>Die Feuerwehr entdeckte mehrere Brandherde in der ehemaligen Bezirksparteischule. Das leer stehende Gebäude brannte völlig aus. Bereits eine Stunde nach dem Ausbrechen des Feuers war das Dach eingestürzt.<foto>Heidrun Pätzold</foto>
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Vermutlich Brandstiftung: Die Feuerwehr entdeckte mehrere Brandherde in der ehemaligen Bezirksparteischule. Das leer stehende Gebäude brannte völlig aus. Bereits eine Stunde nach dem Ausbrechen des Feuers war das Dach eingestürzt.Heidrun Pätzold

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06. Januar 2013, 09:26 Uhr

Großeinsatz gestern Mittag in der Straße Am Hang: Das leer stehende Gebäude der ehemaligen Bezirksparteischule stand in Flammen, riesige Rauchwolken zogen über den Dreesch. Gegen 11.30 Uhr hatte eine Anwohnerin die Rettungskräfte alarmiert, teilte ein Polizeisprecher mit. Die rund 60 Brandbekämpfer der Berufsfeuerwehr und der freiwilligen Wehren entdeckten mehrere Brandherde in dem Haus auf dem „Apachenhügel“, so dass von Brandstiftung auszugehen ist. Die Kriminalpolizei ermittelt.

Dadurch war es aber auch schwierig, die Flammen unter Kontrolle zu bringen. Kurz vor 13 Uhr gab es einen Deckeneinbruch im ehemaligen Hörsaal, in dem über Jahre die damalige SED ihre Kader schmiedete. Ein Ausbreiten des Feuers verhinderten die Lebensretter aber. Da die Feuerwehrleute aber nicht mehr im Innern des Gebäudes arbeiten konnten, ließen sie das Haus „kontrolliert abbrennen“, wie es im Fachjargon heißt. Bis gegen 13.15 Uhr waren die Plater Straße und die Magdeburger Straße voll gesperrt. Da Wasserschläuche über die nahe gelegenen Straßenbahngleise gezogen werden mussten, war auch der Straßenbahnverkehr zeitweise ausgebremst. Der Nahverkehr ließ bis gegen 17.20 Uhr Schienenersatzverkehr fahren.

Vor allem die Rauchentwicklung am Betonbau, der auf mehreren Etagen brannte, war immens. „Ich hatte extra beim Radiosender den Brand durchgegeben und darum gebeten, dass die Bürger Fenster und Türen schließen sollen, da Riesen-Rauchwolken über Zippendorf und das Mueßer Holz zogen“, so unsere Leserin Franziska Bemme. Und unsere Leserin Petra Hoepfner erlebte den Einsturz im Hörsaal hautnah: „Da wurde unser Haus wie bei einem Erdbeben erschüttert.“ Auf Grund der Größe des Gebäudes und der verschiedenen Brandstellen werden die Restlöscharbeiten der Feuerwehr voraussichtlich noch bis heute gegen 6 Uhr andauern.

Aus Sicht der Stadtplaner hätte das Areal längst wieder genutzt werden sollen. „Der riesige Komplex passt städtebaulich nicht mehr an diese Stelle. Mir wäre ein Abriss mit anschließendem Neubau lieber“, hatte Baudezernent Dr. Wolfram Friedersdorff bereits im Sommer 2011 konstatiert. Zwar war das Gebäude privatisiert worden, nutzen wollte es aber niemand. Mehrere Interessenten, darunter Sozial- und Kultusministerium, hatten sich das Objekt angesehen – und sich schließlich dagegen entschieden. Obwohl eine Baugenehmigung beantragt worden war, hatte sich am „Apachenhügel“, wie der Volksmund den Bereich in Anlehnung an Indianerhäuptling Winnetou nennt, seit dem Verkauf 2007 nichts getan. Das Gebäude verwahrloste, Skulpturen waren bereits gestohlen worden.

1979 war die SED-Bezirksparteischule eingeweiht worden – mit 10 000 Quadratmeter Fläche. Zur Wendezeit fiel die Schule an die Treuhand, im Dezember 1992 kaufte die Schweriner Grund GmbH, eine 100-prozentige Tochter der Stadt, das Objekt für 26 Millionen Mark. Bis 2000 war die Fachhochschule des Bundes für Arbeitsverwaltung Mieter, doch trotzdem geriet die Grund GmbH in Schieflage. Um den drohenden Konkurs abzuwenden, musste 1996 die WGS 98 Prozent der Anteile und damit Schulden übernehmen.

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