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Zeitung für die Landeshauptstadt

22. November 2017 | 00:22 Uhr

Schwerin-Görries : Bomben gefährden Stromversorgung

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Im Siebendörfer Moor liegen Blindgänger, die von alleine hochgehen können

von
erstellt am 13.Mai.2015 | 08:00 Uhr

Die Stromversorgung Hamburgs ist in Gefahr. „Schuld“ daran ist Schwerin. Denn unter der neuen Höchstspannungsleitung von Görries nach Krümmel an der Elbe liegen Blindgänger aus dem zweiten Weltkrieg, die explodieren könnten. Beseitigen lassen will sie das städtische Amt für Brand-, Katastrophenschutz und Rettungsdienst. Das hat aber noch keine Idee, wie.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Flugplatz Görries von der Deutschen Luftwaffe genutzt. Deshalb bombardierten die Amerikaner das Areal. Dabei müssen einige Bomben zu früh oder zu spät ausgeklinkt worden sein – sie landeten im Siebendörfer Moor. Die Auswertung von Luftbildaufnahmen ergab, dass es etwa zehn Verdachtspunkte gibt, wo Blindgänger liegen könnten. Das Problem: Es können Bomben mit einem chemisch-mechanischen Langzeitzünder darunter sein. Und diese Vorrichtungen können auch nach vielen Jahrzehnten von alleine eine Detonation auslösen. Auf dem Territorium des ehemaligen Deutschen Reiches geschieht das etwa einmal im Jahr – teils mit verheerenden Folgen. Ähnliches könnte auch in Schwerin passieren.

Die vermuteten Blindgänger liegen ausgerechnet dort, wo zwei Hochspannungsleitungen, eine Gasleitung und Kommunikationsleitungen in der Nähe verlaufen. Ginge eine Bombe hoch, könnte die Stromversorgung Hamburgs, Berlins und durch einen Kaskadeneffekt halb Europas betroffen sein. „Wir arbeiten deshalb eng mit den Netzbetreibern und dem Munitionsbergungsdienst des Landes an einer Lösung“, so Dr. Stephan Jacobi, Leiter des Amtes für Brand-, Katastrophenschutz und Rettungsdienst. Die zu finden, ist aber nicht so einfach. Denn die Bomben müssen im Trockenen entschärft werden. Doch der moorige Untergrund lässt den Einsatz von schwerer Technik nicht zu. „Ein Senkkasten wäre auch möglich“, so Jacobi. „Aber wir wissen noch gar nicht, in welcher Tiefe die Blindgänger liegen.“ Eine weitere Möglichkeit: Der Boden könnte vereist werden. „Das ist in Deutschland schon mal praktiziert worden, aber extrem teuer“, so Jacobi. Das ist das Problem. Derzeit kann keiner abschätzen, was die Bombenentschärfung im Siebendörfer Moor kosten wird. Ebenfalls noch unklar ist, wer die Kosten trägt. Die Landeshauptstadt allein wird wegen ihrer desolaten Finanzlage dazu nicht in der Lage sein. In diesem Jahr sind für die Munitionsbergung auf städtischen Flächen nur 40 000 Euro eingeplant, im vergangenen Jahr waren es 80 000. „Das Geld ist für akute Fälle vorgesehen“, erklärt Jacobi. „Wenn beispielsweise bei Bauarbeiten unerwartet Munition gefunden wird. 2014 haben wir aber keinen Euro gebraucht.“

Überall in Deutschland wird daran gearbeitet, unberechenbare Blindgänger mit Langzeit-Zünder schnell zu entschärfen oder kontrolliert zu sprengen, um sie unschädlich zu machen. „Wir wollen nicht die Letzten sein“, sagt Dr. Stephan Jacobi. Deshalb werde intensiv am Görrieser Problem gearbeitet. Doch vieles ist noch unklar. „Mit einer schnellen Abarbeitung ist nicht zu rechnen“, so der Amtsleiter.

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Posted by Zeitung für die Landeshauptstadt - News aus Schwerin & Umgebung on Montag, 11. Mai 2015

 

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