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11. Dezember 2017 | 03:08 Uhr

Schwerin : Bomben-Experten gehen in den Grund

vom

Es ist 11 Uhr. Während sich das Sägeblatt kreischend in den Hallenboden frisst, toben etwa 40 Niels-Stensen-Schulkinder durch das Bernhard-Schräder-Haus. "An Unterricht ist nicht zu denken", sagt die Klassenlehrerin.

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erstellt am 24.Jan.2012 | 02:24 Uhr

Feldstadt | Ohrenbetäubend aber erschütterungsfrei schneidet sich die Diamantsäge durch 30 Zentimeter dicken Betonboden der Turnhalle in der Schäferstraße. Etwa 2,50 Meter unter den Füßen der Mitarbeiter des Unternehmens Beton-Trennen-Schwerin vermutet der Munitionsbergungsdienst einen Fund mit Sprengkraft. "Nein, wir haben keine Angst vor einer Bombe", sagt Geschäftsführer Rainer Bernhöft.

Es ist 11 Uhr. Während sich das riesige Sägeblatt kreischend in den Hallenboden frisst, toben etwa 40 Niels-Stensen-Schulkinder durch das Bernhard-Schräder-Haus in der Klosterstraße. "An Unterricht ist nicht zu denken", sagt Klassenlehrerin Antje Schulz. Von ihrer Klasse sei nicht ein Kind anwesend - Ausnahmezustand. Dennoch will sie morgen Mathe- und Deutschaufgaben mit den Kindern durchgehen. Allein der Verdacht einer Fliegerbombe auf dem Gelände der katholischen Grundschule in der Feldstadt beschert den Mädchen und Jungen voraussichtlich weitere schulfreie Tage. Etwa 40 der 200 Schulkinder tummeln sich im Schräder-Haus, die anderen sind Zuhause.

Unterdessen betritt Sprengmeister Burkhard Pohl den Schulhof. Bis zu seinem Einsatz unter der Turnhalle begleitet er den der stellvertretenden Chef der Berufsfeuerwehr, Jens Krause, bei der Vorbereitung einer eventuellen Evakuierung. "Wir sind vorbereitet", sagt Krause. Aber bis es ernst wird, dauert es noch. Erst wenn die 2,5 Meter große, quadratische Grube im Turnhallenboden klafft, beginnen die richtigen Grabungsarbeiten. "Wir müssen Arbeitsfreiheit schaffen", sagt Pohl. Noch liegen keine Betonteile im Container auf dem Schulhof, doch die Fachleute der Pinnower Gesellschaft für Kampfmittelbeseitigung (GFKB) sind schon da, genauso wie der Munitionsbergungsdienst.

Schon im Oktober hatte die GFKB Probebohrungen auf dem Schulgelände durchgeführt. Die Messergebnisse untermauerten den Bombenverdacht. "Aber wir sind uns erst sicher, wenn wir eine Fliegerbombe ausgegraben haben", sagt der Sprengmeister. Schon dreimal hatte der Munitionsbergungsdienst Fliegerbomben auf dem Schulgelände vermutet und stattdessen alte Rohrgestänge und Metallplatten ausgegraben. "Nichts Ungewöhnliches", sagt Pohl. Im Zweiten Weltkrieg habe es viele Bombenkrater gegeben. Um die Gruben zu füllen, warfen die Überlebenden Schrott und Müll in die Löcher. Es müsse nicht immer gleich einer Bombe sein, so Pohl.

Dennoch herrscht auf dem Schulgelände Baustopp. Feuerwehr, Polizei und Stadt sind im Ernstfall auf eine Evakuierung eingestellt. "Erst wenn wir wissen, womit wir es zu tun haben, werden wir die notwendigen Maßnahmen einleiten", sagt Vize-Oberbürgermeister Dr. Wolfram Friedersdorff. Die Stadt sei auf alles vorbereitet. "Wir hoffen, dass wir morgen so tief kommen, dass wir mehr wissen", sagt der Sprengmeister.

Die Grundschullehrer und mehrere Eltern waren davon ausgegangen, dass heute wieder Normalität in der Stensen-Schule und in der Feldstadt einzieht. Über den aktuellen Stand der Arbeiten unterrichtet die Stadt alle Schweriner unter der Telefonnummer 0385-5000444.

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