Sukower für Blutspenden geehrt : „Blut ist einfach unbezahlbar“

Burkhard Kunkel  hat seinen Blutspendeausweis immer dabei.
Burkhard Kunkel

Ein einschneidendes Erlebnis in seinem Leben machte Burkhard Kunkel zum Blutspender – nun wurde er in Berlin ausgezeichnet

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23. Juni 2017, 08:00 Uhr

Er hält für einen Moment inne. Die Augenbrauen gehen in der Stirnmitte leicht zusammen. Dann gibt Burkhard Kunkel die Antwort: „Blutgruppe A. Negativ.“

Die Blaulichter erhellen eine Landstraße bei Grevesmühlen. Polizei, Feuerwehr, Krankenwagen – der Rettungshubschrauber fliegt gerade ein. Burkhard Kunkel will eigentlich nur eines: Wissen, wie es seinem Sohn geht. Der 23-Jährige kam mit seinem Motorrad von der Straße ab. Ein Treckerfahrer samt Anhänger hat ihn übersehen, nahm dem jungen Mann die Vorfahrt. „Ich wusste eineinhalb Wochen nicht, ob er überlebt“, erzählt von dem einschneidenden Erlebnis 2006. Sein einziges Kind, das wegen der schweren Verletzungen und einem Riss der Baucharterie tagelang im Koma lag, überlebte. Auch weil es ein unbezahlbares Gut gab: Blut, gespendet von Freiwilligen.

Blutgruppe A. Negativ. Damit hilft Burkhard Kunkel nun sechs Mal im Jahr anderen Menschen. „Nach diesem Unfall hat sich vieles für mich geändert. Nicht nur meine Einstellung zum Leben, sondern auch das Bewusstsein, wie wichtig es ist, Blut zu spenden“, erinnert sich der Sukower. Ihm sei bewusst geworden, dass Leben nicht zu kaufen ist, schon gar nicht lebensrettende Blutkonserven. Im Juni wurde er in Berlin für sein Blutspende-Engagement ausgezeichnet. Beim Internationalen Weltblutspendertag bekam er neben zwei anderen aus Mecklenburg-Vorpommern eine Ehrennadel verliehen.

Dass der heute 60-Jährige einmal zum regelmäßigen Blutspender wird, hätte seine Familie und vor allem er selbst nicht gedacht. „Früher war ich passionierter Motorradfahrer, das schnelle Fahren gehörte dazu. Ich war oft mit der Clique unterwegs“, erzählt der gelernte Elektriker. Sein Bruder ist Blutspender, auch viele andere aus seinem Umfeld gingen regelmäßig zum Deutschen Roten Kreuz oder anderen Einrichtungen, um das wertvolle Gut freiwillig zu geben. Nach dem Unfall des Sohnes kam die Einsicht. Heute hat er kein Motorrad mehr, seine Lebensgefährtin, Martina Pundt, und er spenden regelmäßig Blut.

Während Burkhard Kunkel seine Geschichte erzählt, spürt man die Authentizität seiner Worte. „Blut ist einfach unbezahlbar“ sagt er nicht einfach daher, er meint es so. „Der Unfall meines Sohnes war der Horror, aber im Nachhinein hat er mich zum Blutspender gemacht“, sagt der Mann, der das Spenden an sich als nichts besonderes empfindet. Man müsse es nur machen.

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