Friedhof Crivitz : Blumendiebe stören Trauer

Annette Brandt und Karin Rupprecht (r.) pflegen die Gräber ihrer Angehörigen: Von beiden Grabstellen verschwanden Blumenschalen und anderer Grabschmuck.
Annette Brandt und Karin Rupprecht (r.) pflegen die Gräber ihrer Angehörigen: Von beiden Grabstellen verschwanden Blumenschalen und anderer Grabschmuck.

Angehörige berichten von Diebstählen auf dem Crivitzer Friedhof / Polizei geht von hoher Dunkelziffer aus

von
04. Juni 2016, 16:00 Uhr

Annette Brandt ist fassungslos und zugleich empört: Vom Grab ihres Vaters verschwand eine bepflanzte Blumenschale. „Wer macht denn so etwas?“ fragt die Crivitzerin. Karin Rupprecht kann diese Frage nicht beantworten. Aber die Schwerinerin, die das Grab ihrer Eltern gleich nebenan pflegt, hat das Gleiche erlebt. „Und das schon dreimal in diesem Jahr“, berichtet Rupprecht. Vom Grab ihrer Eltern verschwand um den Valentinstag herum eine Blumenschale, wenig später ein Gesteck und jetzt im Frühjahr wurde eine frische Blumenschale gegen eine andere, bereits verwelkte ausgetauscht. Letzteres kommt zeitlich dem Diebstahl nebenan sehr nahe. „Anfang Mai hatte ich eine große Blumenschale auf den Friedhof gebracht. Die sollte lange halten“, erzählt Annette Brandt. „Keine Woche später war die weg.“ Jetzt, zum Todestag ihres Vaters, sorgte die Crivitzer für Ersatz. Dabei hat sich aber für eine weniger aufwendige Schale entschieden, die hoffentlich nicht so interessant für Grabschmuck-Diebe ist.

Karin Rupprecht indes hat zum Hochzeitstag ihrer Eltern Rosen aufs Grab gestellt: „Die blieben bislang glücklicherweise stehen.“ Doch ihrem wöchentlicher Besuch auf dem Friedhof sieht Karin Rupprecht inzwischen immer mit gemischten Gefühlen entgegen: „Ich weiß ja nie, was mich erwartet.“

Beide Frauen hatten zwar davon gehört, dass auf dem Friedhof hin und wieder mal etwas verschwindet. Dass es jetzt die Gräber ihrer Lieben erwischt, können sie sich nicht erklären. „Letztlich ist das auch egal: Für die Angehörigen ist es immer schlimm, wenn sich jemand am Grabschmuck vergreift“, fasst Karin Rupprecht zusammen. Auf die Idee, den Diebstahl der Polizei zu melden, kam die Schwerinerin allerdings nicht.

Persönliche Betroffenheit ist wahrscheinlich der Hauptgrund, warum Diebstähle von Grabschmuck nur selten angezeigt werden. So schätzt Klaus Wiechmann, Sprecher der Polizeiinspektion Ludwigslust, die Situation ein. Wenn Blumen rausgerissen, Gräber regelrecht geschändet werden, werde das zumeist anzeigt. Wiechmann bittet die Betroffenen ausdrücklich, auch kleine Diebstähle zu melden. „Selbst wenn der finanzielle Schaden nicht groß ist, der moralische ist es in jedem Fall“, unterstreicht der Polizeisprecher. Er appelliert auch an alle anderen Friedhofsbesucher, sich beispielsweise an den Kontaktbeamten vor Ort zu wenden, falls sie auf dem Friedhof mutmaßliche Blumendiebe oder Grabschänder beobachten konnten.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen