Schwerin : Blitzlichter der Revolution

Im Gespräch mit Ausstellungsbesuchern im Dom: Jens Rosbach (r.) erläutert Volker Henn und Sabine Friedel seine Bilder.  Fotos: Volker Bohlmann (2)
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Im Gespräch mit Ausstellungsbesuchern im Dom: Jens Rosbach (r.) erläutert Volker Henn und Sabine Friedel seine Bilder. Fotos: Volker Bohlmann (2)

Jens Rosbach dokumentierte als 18-Jähriger mit seiner Kamera die Demonstrationen in Schwerin im Herbst 1989

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02. Oktober 2019, 05:00 Uhr

In einer leerstehenden Wohnung in der Puschkinstraße hat er seine Bilder entwickelt, heimlich in einer von ihm selbst eingerichteten Dunkelkammer – Bilder von der friedlichen Revolution in Schwerin. Er hat sich etwas getraut, er hat Aufnahmen gemacht von der ersten Montagsdemonstration in der damaligen Bezirksstadt am 23. Oktober 1989. Ja, er habe Angst gehabt, sagt Jens Rosbach, „Muffensausen“, dass ihn die Stasi schnappt, seine Filme einkassiert – oder dass ihn die vielen Demonstranten mit der Kerze in der Hand für einen Mann des Systems halten.

18 Jahre war Rosbach damals alt, hatte gerade das Abitur gemacht. Mit Kamera und Blitz dokumentierte er die politische Wende in seiner Heimatstadt. Zu sehen sind die Fotos jetzt in der Ausstellung „Wir gehen los! Friedliche Revolution in Schwerin vor 30 Jahren“, präsentiert vom Historischen Verein und von der Domgemeinde.

„Die Ausstellung erinnert an den Sturz eines Regimes, das vermeintlich fest im Sattel saß“, sagte Oberbürgermeister Rico Badenschier gestern Abend vor rund 50 Gästen bei der Eröffnung im Dom. Der OB hat die Schirmherrschaft für die zweiteilige Schau übernommen. Ein Dutzend großformatiger, atmosphärisch dichter Schwarz-Weiß-Bilder ist in der Kirche ausgestellt, weitere knapp 30 Aufnahmen werden in den Schweriner Höfen gezeigt.

In den Höfen gab es nach dem Auftakt im Dom auch eine Diskussionsrunde, organisiert von der Friedrich-Ebert-Stiftung. Thema: Wie war es wirklich – Ein Rückblick auf die Ereignisse 1989 in Schwerin. Neben Rosbach, der heute in Berlin lebt und als freier Journalist arbeitet, saßen im Podium die Zeitzeugen Stefanie Behrendt, Helmut Frick und Martin Klähn sowie der Historiker Dr. Kai Langer. Der Journalist Andreas Frost moderierte.

Gefördert wird die Präsentation „Wir gehen los!“ unter anderem von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Mitarbeiterin Dr. Sabine Kuder würdigte in einem Grußwort den besonderen lokalen Blickwinkel der Schau, die einen wichtigen Beitrag zur Erinnerungskultur im Land leiste.

40 000 Menschen waren am 23. Oktober 1989 in Schwerin auf den Beinen. Die SED versuchte an diesem Tag vergeblich, sich an die Spitze der Bewegung zu setzen. Die Friedliche Revolution in der DDR war nicht mehr aufzuhalten. Und sie bedeutete zugleich das Ende politischer Verfolgung, wie die Landesbeauftragte für die Aufarbeitung der SED-Diktatur, Anne Drescher, bei der Ausstellungseröffnung betonte.

Zur Foto-Schau, die bis zum 19. November läuft, gibt es es weitere Begleitveranstaltungen. Nächster Termin im Programm ist am 17. Oktober um 19 Uhr eine Lesung mit Diskussion im Schleswig-Holstein-Haus. Titel: Ostfrauen verändern die Republik.

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