Gewitttersommer : Blitzableiter nur für die Großen

Beeindruckendes Himmelsspektakel:  Mehr als eine halbe Million Blitze schlagen jedes Jahr in Deutschland ein, verursachen Brände, treffen Menschen.
Beeindruckendes Himmelsspektakel: Mehr als eine halbe Million Blitze schlagen jedes Jahr in Deutschland ein, verursachen Brände, treffen Menschen.

Nach heftigen Sommergewittern monieren besorgte Leser fehlende Schutzanlagen auf Hausdächern

svz.de von
17. Juli 2014, 12:00 Uhr

Heftige Gewitter gehören in heißen Sommertagen zwar zum ganz normalen Wettergeschäft – trotzdem wird es vielen Menschen angst und bange, wenn grelle Blitze vom Himmel zucken. Jährlich werden in Deutschland etwa 700 000 Blitzeinschläge gezählt. Sie zerstören Häuser, setzen Wälder in Brand und jedes Jahr werden rund 100 Menschen vom Blitz getroffen – 90 Prozent überleben. Warum gibt es trotz dieser Gefahr immer weniger Blitzableiter, fragt eine SVZ-Leserin. In den Schweriner Neubaugebieten entdecke sie kaum mehr einen, bemängelt sie am Heißen Draht. Gäbe es dafür etwa keine Vorschrift oder werde die nur nicht kontrolliert?

Tatsächlich beschäftigt sich das Landesbaugesetz in Paragraph 46 mit Blitzschutzanlagen, erklärt Bauamtsleiter Dr. Günter Reinkober. Geschützt werden müssen demnach Gebäude, die nach Lage, Bauart oder Nutzung leicht zu treffen sind oder viele Menschen in Mitleidenschaft ziehen. „Gemeint sind damit unter anderem Hochhäuser, Kirchtürme, technische Türme, aber auch einzeln stehende Gebäude, besonders in erhöhter Position. Geschützt werden müssen auch Gebäude, in diesen sich größere Menschenansammlungen aufhalten, also Kitas, Schulen, Verkaufsstätten oder Krankenhäuser.“ Letztere würden schon zum Selbstschutz und nicht nur vorschriftsbedingt ihr Gebäude sichern: Schlägt ein Blitz ins Haus ein, werden nahezu alle elektrischen Geräte und Anlagen zerstört. Ein Ableiter bietet dem Blitzstrom einen definierten Pfad am Gebäude vorbei in die Erde. Bei Einfamilienhäusern, wie z.B. auf dem Mühlenberg, sei der Hausbesitzer indes selbst dafür verantwortlich, ob er sich mit einem Blitzableiter schützen möchte oder nicht. Eine entsprechende Vorschrift gäbe es hier nicht, so Reinkober. „Früher gab es auf vielen Häusern noch hohe Antennen, die Blitze leichter anzogen“, sagt der Bauamtsleiter. Die meisten seien mittlerweile verschwunden, die Gefahr verringert. Trotzdem gelte bei Gewitter: alle elektrischen Geräte ausschalten, W-Lan raus, Kabel aus der Steckdose ziehen.

Ein Blitzeinschlag in ein Eigenheimgebiet sei so wahrscheinlich wie ein Sechser im Lotto, sagt Joachim Brenncke, Präsident der Architektenkammer MV. Hier brauche man aus seiner Sicht keinen besonderen Schutz. „Wir sind nicht gegen Blitzableiter, aber gegen Geldverschwendung“, sagt der Schweriner. „Das Preis-Leistungs-Verhältnis sollte einfach stimmen.“ An öffentlichen Gebäuden oder Kitas indes würden heute weiterhin sehr komplexe, engmaschige Blitzschutzanlagen angebracht. Brenncke: „Ein einzelner Metallleiter reicht da längst nicht aus.“

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