Schwerin : Blinde erleben Kunst

Leben mit Behinderung – heute: Der barrierefreie Tourismus in Schwerin ist ausbaufähig, sagen Experten

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07. Februar 2019, 08:14 Uhr

Schlecht sehen, schlecht gehen oder schlecht hören – Menschen mit Beeinträchtigungen gibt es viele. Wer eine Behinderung hat, ist häufig im Alltagsleben eingeschränkt. Welche Hindernisse und Erfahrungen es gibt, aber auch welche Teilhabemöglichkeiten in Schwerin Menschen mit Behinderung haben, das ist diese Woche Thema. Heute: Tourismus ohne Barrieren in Schwerin.

Am Eingang zur Galerie fehlt eine Rampe, die Speisekarte im Restaurant ist nicht in Brailleschrift verfasst und der Führer beim Stadtrundgang ist kaum zu verstehen – Menschen mit Behinderungen können oft nicht an touristischen Aktivitäten teilnehmen. Das will Tina Lucka ändern. Sie ist Leiterin des Projektes „Tourismus ohne Barrieren“, das von EU-Geldern gefördert wird und im Haus der Begegnung ansässig ist. Und hat besonders in Schwerin noch viel zu tun. „Ich möchte, dass das Thema Barrierefreiheit mehr in die Arbeit der Stadt und des Stadtmarketings aufgenommen wird“, sagt sie. Oft fehle bei Touristikern die Offenheit für Veränderungen, das Interesse und Unterstützung. „Dann fallen besonders Familien mit Kindern und Senioren als Gäste weg.“ Dabei unterstützt die Projektleiterin Hoteliers, Gastronomen und kulturelle Einrichtungen bei allen Fragen rund um barrierefreien Tourismus – kostenlos. „Ich führe Sensibilisierungsschulungen in Unternehmen durch, biete Workshops für Tourismus ohne Barrieren an, entwerfe taktile Pläne, verfasse Speisekarten in Groß- und Brailleschrift.“ Auch spezielle Technik für schwerhörige Menschen sowie mobile Rampen verleiht Tina Lucka.

In Schwerin fällt besonders auf, dass es keine Bündelung der Angebote gibt. So steht zwar auf der Internetseite der Stadt die Broschüre „Barrierefreies Schwerin – Stadtführer für Menschen mit Behinderungen – Tourismus“ zum Download bereit, doch aktuell ist das Dokument von 2016 schon lange nicht mehr. Stichprobenartig hat Tina Lucka die Informationen überprüft. Und hat festgestellt, dass viele Angaben und Piktogramme nicht mehr stimmen. „Von einer angebenen Speisekarte in Brailleschrift wusste das Weinhaus Wöhler nichts.“

Doch es gibt auch positive Beispiele aus der Landeshauptstadt. „Der Zoo will sich Ende des Jahres zertifizieren lassen, das Theater ist bereits zertifiziert und bietet Vorstellungen mit Audiodeskriptionen an.“ Und auch im Museum können Menschen mit Behinderungen bei speziellen Führungen und mit Tastbüchern Kunst erleben.

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