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Schwerin: Friedrichsthaler schlagen Alarm : Bleibt Familienfreundlichkeit auf der Strecke?

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Keine Schule für Friedrichsthal? Ortsteil-Vertreter schlagen Alarm: Die Stadtplaner wollen statt Flächen für Schule, Kindergarten und Sportplatz lieber Einfamilienhäuser. Die Stadtteilvertreter wehren sich jetzt.

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erstellt am 13.Aug.2012 | 06:49 Uhr

Friedrichsthal | Jetzt wächst dort sogar schon ein kleiner Wald, wo die Stadtverwaltung im Jahr 1995 eine ganze Siedlung geplant hatte. Mehrgeschossige Häuser mit insgesamt 1300 Wohnungen, Platz für ein Bürgerhaus, eine Schule, einen Kindergarten und Sportanlagen sind in Friedrichsthal reserviert. Doch die Nachfrage bleibt bis heute hinter den Erwartungen zurück. Gras und Bäume wachsen auf dem Plangebiet in die Höhe. Das Forstamt Radelübbe fordert jetzt schon Ausgleichsflächen für den dort entstandenen Wald, falls es zu einer Bebauung am Lützower Ring kommen sollte. Das Gebiet ist bis heute nicht erschlossen und die Stadt will umschwenken. Die demografische Entwicklung und der Wohnungsmarkt machen das notwendig, heißt es in einem Gutachten der Verwaltung. Statt mehrgeschossiger Gebäude soll Platz für Einfamilien- und Reihenhäuser geschaffen werden - nicht höher als zwei Stockwerke, eher eines - dafür auch auf den bislang für Kita, Schule und Sportplatz reservierten Arealen.

So fürchten einige Anwohner, dass die Familienfreundlichkeit auf der Strecke bleibt. Jetzt schalten sich die politischen Vertreter des Stadtteils ein. "In Friedrichsthal und Warnitz leben jetzt schon mehr als 5000 Einwohner und weitere Wohnbebauung ist vorgesehen. Daraus ergibt sich für uns ein Mehrbedarf für eine Grundschule und Flächen für Vereine. Wir wollen kinderfreundlich sein", schreibt Ortsbeirats-Vorsitzende Sybille Gerner an die Stadtverwaltung. Auch eine Betreuung am Nachmittag und einen Sportplatz fände sie gut. Für ihre Argumentation spricht, dass die Stadtverwaltung damit wirbt, dass Friedrichsthal besonders für Familien geeignet sei. So steht es im Gutachten. Mit solchen attraktiven Wohngebieten könne die Stadt die Bevölkerungszahlen stabilisieren und die Schweriner im Stadtgebiet halten.

Die anhaltende Nachfrage nach Bauland für Eigenheime in der Landeshauptstadt gibt dieser Hypothese recht. Die Grundstücke im Baugebiet am Mühlenscharrn sind mittlerweile alle vergriffen, und auch in anderen Gebieten reißen sich die Häuslebauer um Bauland. Doch umso mehr Einwohner ein Stadtteil bekommt, desto mehr Flächen benötigt er auch, die für öffentliche Zwecke reserviert sind. Nur die Gemeinde darf diese dann bebauen. "Wir sind der Meinung, Gemeindebedarfsflächen sollten freigehalten werden", ergänzt Gerner.

Ob das auch in Friedrichsthal der Fall sein wird, darüber debattieren in den kommenden Wochen die Fachausschüsse der Stadt. Das zur Diskussion stehende Baugebiet ist das mittlere von drei Planungsteilen. Die beiden anderen wurden bereits realisiert und vor allem Einfamilienhäuser aus dem Boden gestampft. In der Kombination sollten alle drei Gebiete in der ursprünglichen Planung den alten Ortskern von Friedrichsthal ergänzen. Die Pläne gehen auf das Jahr 1991 zurück. Kurz nach der Wende wollte die Stadt Platz für modernen Wohnungsbau schaffen - im Grünen am Stadtrand, sechs Kilometer vom Zentrum entfernt.

Mehr als 20 Jahre danach liegt noch etwa ein Drittel des damals überplanten Baulandes brach. Die aktuellen Pläne entsprechen den geänderten Anforderungen an modernen Wohnungsbau. Eine Bushaltestelle im Lützower Ring zwischen Draguner und Schönfelder Weg - die der Ortsbeirat "ausdrücklich" unterstützt -, ausreichend Pkw-Stellflächen, ein Standort für Wertstoffcontainer an der Alt Metelner Straße und Solaranlagen auf den Dächern der Häuser sind vorgesehen.

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