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Nach der Havarie an der 110-Kilovolt-Leitung bei Walsmühlen : Bis Herbst steht der neue Strommast

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Rund 3,5 Tonnen Schrott holten Arbeiter vom Acker zwischen Walsmühlen und Stralendorf. So viel wiegt der Gittermast an der 110-Kilovolt-Stromleitung, der bei der Havarie am Mittwoch von einem Traktor umgefahren wurde.

svz.de von
erstellt am 26.Jul.2013 | 07:06 Uhr

Walsmühlen | Rund 3,5 Tonnen Schrott holten Mitarbeiter der Wemag und der Dresdner Spezialfirma Leitungsbau vom Acker zwischen Walsmühlen und Stralendorf. So viel wiegt der Gittermast an der 110-Kilovolt-Stromleitung, der bei der Havarie am Mittwoch von einem Traktor umgefahren wurde (SVZ berichtete). Die stark beschädigte Landmaschine plus Pflug und Grubber konnte ebenfalls erst vom Stoppelacker, als die Leitungsstränge umgelegt und der Gittermast zerlegt waren. "Wir haben hier rangeklotzt, damit so schnell wie möglich unter der Leitung weitergearbeitet werden kann", sagt Bauüberwacher Gernot Manuel von Energieversorger Wemag.

Während der Arbeiten steht die Leitung natürlich nicht unter Strom. Spannung liegt dennoch an - Zugspannung. Denn die sechs Stromkabel plus die beiden Erdungskabel sind nicht gerissen. Diese Kabel sorgten dafür, dass der etwa 25 Meter hohe Gittermast bei der Havarie nicht komplett umkippte. Und noch wichtiger: Der Kontakt mit dem einen Erdungskabel hatte sofort den Stromfluss unterbrochen und so Schlimmeres verhindert.

Bevor die Spezialisten am Donnerstag an das Zerlegen des Mastes gehen konnten, musste jedes einzelne Kabel gelöst und abgekoppelt werden. Links und rechts neben dem alten Fundament wurde jeweils ein Behelfsmast aufgestellt - jeder davon nimmt drei Stromkabel und ein Erdungskabel auf. Die Leitung bleibt intakt - aber vorerst ohne Strom. "Bis der neue Mast steht und die Kabel dort eingehängt werden können", erläutert Manuel. Das wird wahrscheinlich erst im Herbst der Fall sein. Dank des Leitungsbaus an anderer Stelle hat die Wemag zwar einen geeigneten Ersatzmast auf Lager, aber der muss exakt an den Standort abgepasst werden, berichtet Bauüberwacher Manuel. Hinzu kommt, dass auch ein neues Fundament gegossen werden muss. Das alte wurde bei dem Unfall ebenfalls stark beschädigt. "Allein der Beton braucht nach dem Gießen vier Wochen, um auszuhärten." Und der neue Mast wird zudem nicht identisch dem alten sein, der wie die gesamte Stromleitung zwischen Schwerin-Görries und Wittenburg Mitte der 1930er-Jahre errichtet wurde. Inzwischen haben sich Normen und Vorschriften geändert. Auch das gilt es zu beachten.

Dieser Ersatzmast wird wohl auch nur für einen kurzen Zeitraum der einzige neue an der Stromtrasse bleiben. Denn die Wemag plant bereits einen Ersatzneubau für die alte Leitung in der Region. Dafür gibt es aber noch keinen Termin. "Die Leitung wird regelmäßig überprüft und war voll funktionsfähig", unterstreicht Manuel.

Bis vor kurzem war diese Leitung aus den 1930er-Jahren ohnehin alternativlos für die Stromversorgung der angrenzenden Dörfer. Erst parallel zum Bau der 380-Kilovolt-Leitung von Schwerin nach Hamburg sorgte die Wemag für den Bau einer 110-Kilovolt-Leitung, die eine Ringschaltung und somit eine lückenlose Absicherung der Stromversorgung auch im Havariefall möglich machte.

"Noch vor ein paar Jahren hätten wir deutlich mehr Probleme gehabt, alle Haushalte so schnell wieder ans Netz zu bekommen", sagt Wemag-Pressesprecher Jost Broichmann. Maximal 90 Minuten waren die am längsten betroffenen Kunden nach der Havarie am Mittwochmittag ohne Strom.

Die wird aber dennoch teuer. Allein die Wemag geht von einem Schaden von 300 000 Euro in ihrem Bereich aus. Hinzu kommt noch der stark beschädigte Traktor. Das automatische Steuerungssystem des Spezialfahrzeuges soll versagt haben. Der Pilot im Steuerhaus hatte das offenbar nicht bemerkt und nicht rechtzeitig eingegriffen.

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