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Neu Lübstorfer fürchten Verlust von Lebensqualität : Biogasanlage stinkt vielen Bürgern

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Der Streit um den Bau von Biogasanlagen an der B 106 nahe Neu Lübstorf geht in die nächste Runde. Die Gemeinde Zickhusen treibt die Planungen voran. Doch gegen das Großprojekt gibt es weiterhin Widerstand.

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erstellt am 29.Apr.2013 | 06:00 Uhr

Zickhusen/Neu Lübstorf | Der Streit um den Bau von Biogasanlagen an der B 106 nahe Neu Lübstorf geht in die nächste Runde. Die Gemeinde Zickhusen treibt die Planungen für das Industrieareal voran. Gegen dieses Großprojekt gibt es in der Region aber weiterhin Widerstand. Die "Bürger aus Neu Lübstorf" wollen das Vorhaben bereits in der Planungsphase zu Fall bringen, hatten damit bislang aber keinen Erfolg. Eine ins Leben gerufene Bürgerinitiative hat bereits angekündigt, nach Abschluss der Planung dagegen zu klagen.

Für etwa zwölf Millionen Euro sollen noch auf dem Gebiet der Gemeinde Zickhusen an der B 106 vier Biogasanlagen errichtet werden, die insgesamt über ein Leistungsvermögen von zwei Megawatt verfügen. Aus Feldfrüchten, Mist und Gülle der Agrargemeinschaft Lübstorf soll hochwertiges Biogas erzeugt werden, das dann ins Gasnetz eingespeist wird. Im Bauausschuss von Zickhusen werden jetzt die Unterlagen gesichtet und bewertet. Das erfolgt jedoch hinter verschlossenen Türen - entsprechend der Satzung der Gemeinde. Eine erste Sitzung des Bauausschusses fand im April statt - und hier ist das Thema noch nicht durch. Wann in der Gemeindevertretung öffentlich darüber abgestimmt wird, darauf will Peter Kröger sich nicht festlegen. Der stellvertretende Bürgermeister und Vorsitzende des Bauausschusses hat in dem Verfahren den Hut auf. Denn Bürgermeister Hansjörg Rotermann muss hier einen Interessenkonflikt vermeiden: Als Landwirt aus der am Projekt beteiligten Agrargemeinschaft Lübstorf kooperiert er eng mit dem Investor. Kröger unterstreicht, dass die Gemeinde das Verfahren sorgfältig zu Ende bringen will, um einen "rechts sicheren Beschluss" zu erlangen.

Denn das Projekt ist nach wie vor umstritten. Es wird vor allem von Neu Lübstorfern abgelehnt, die in Sichtweite auf der anderen Straßenseite der B 106 leben. Die Anwohner befürchten nicht nur einen Verlust an Lebensqualität. Sie rechnen auch mit einem Wertverlust ihrer Häuser und Grundstücke. Eine steigende Verkehrsbelastung und ein höheres Sicherheitsrisiko führen die Anwohner ebenfalls ins Feld. Hinzu kommen grundlegende Bedenken von Bürgern, die sich gegen die Energieerzeugung aus Futter- und Lebensmitteln wenden.

Planungsbeginn und erste Proteste liegen nun schon fast drei Jahre zurück. Dreimal wurden seitdem die Unterlagen öffentlich ausgelegt. Nicht nur die Träger öffentlicher Belange, sondern auch die Kritiker machten hier massiv von ihrem Recht Gebrauch, sich zu äußern. Die "Bürger aus Neu Lübstorf" kritisieren stark, dass sie bislang keine Antworten auf ihre Einwendungen und sonstigen Anfragen erhalten haben. "Jeder, der sich bei einer der drei Auslegungen zu Wort gemeldet hat, wird eine Antwort bekommen", betont Peter Kröger. Allerdings müsse dazu erst die Abwägung erfolgen. Und das geschehe jetzt - für alle drei Auslegungen.

Dass die Planungszeit sich jetzt nochmals in die Länge zieht, liegt aber nicht am Umfang der Einwände, auch wenn allein diese drei Aktenordner füllen. Nachgebessert werden musste vor allem im Naturschutzbereich. Konkret ging es um die Auswirkungen auf Natur und Umwelt nicht nur am geplanten Bauort, sondern auch im Einzugsbereich des Landwirtschaftsbetriebes, insbesondere des Schutzgebietes am Buchholz bei Moorbrink. "Wir mussten Gutachten erstellen lassen, inwieweit der Lebensraum dort lebender, bedrohter Arten wie Rotbauch unke und Kammmolch beeinträchtigt werden", erläutert Kröger, der von Hause aus Biologe ist. Welche Vorschläge und Kritiken in die Planungen einfließen, darauf wollte er sich nicht festlegen: "Wir haben uns eine erste Übersicht über das umfangreiche Material verschafft. Die inhaltliche Aufarbeitung steht noch an."

Hansjörg Rotermann betont, dass Agrar gemeinschaft und Investor trotz des Zeitverzuges zum Vorhaben stehen. "Hier geht es nicht nur um eine bessere Wertschöpfung für den heimischen Landwirtschaftsbetrieb, sondern auch um ein Projekt im Sinne der Energiewende", argumentiert Rotermann. Bedenken, dass die Region zum Anbaugebiet für Mais verkommen werde, weist der Landwirt zurück. Die Agrargemeinschaft bewirtschaftet etwa 4000 Hektar Acker. Auf 2,5 Prozent werde derzeit Mais angebaut, dieser Anteil würde auf 12,5 Prozent steigen - und der der Hauptkultur Weizen von 45 auf 35 Prozent sinken.


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