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Zeitung für die Landeshauptstadt

24. August 2017 | 03:05 Uhr

Protest : Biogasanlage nervt Wittenfördener

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Anwohner sind besorgt über die Erweiterungspläne für den Hof Wandrum. Entsprechende Unterlagen liegen bis 7. April im Amt Stralendorf aus.

Anwohner in der Hof Wandrumer Straße und der Schweriner Straße von Wittenförden sind genervt vom Verkehr, der zur Biogasanlage des Örtlichen Landwirtschaftsbetriebes (ÖLB) rollt. Die Pläne, dass diese erweitert, die Leistungskapazität fast verdoppelt werden soll, stoßen daher auf Widerstand. Klaus Neumann und Dietmar Greßmann beispielsweise haben im Amt Stralendorf den Aktenordner voller Unterlagen gewälzt und einen mehrseitigen Widerspruch zu Papier gebracht. Neben der Lärmbelästigung durch den zusätzlichen Verkehr sehen die Männer vor allem Gefahren für das Grund- und Trinkwasser sowie durch austretende Gase – besonders bei eventuellen Havarieren. Denn die Biogasanlage liegt nicht nur in Sichtweite des Wittenfördener Wohngebietes Großer Hansberg, sondern ebenso dicht am Trinkwasserreservoire Neumühler See. „Das erfordert besondere Schutzvorrichtungen“, betont Greßmann. Da will er Klarheit – und das bereits für die bestehende Anlage. „Die Erweiterung darf auf keinen Fall kommen“, betont Greßmann.

Das ist durchaus keine Einzelmeinung. Auch Jörn Kruse, Monika und Waldemar Messerle sowie Werner Keßler gehören zu den Kritikern. Sie wohnen allesamt in der Hof Wandrumer Straße. „Dass hier einmal so viel Verkehr durchrollt, war gar nicht geplant“, berichtet Keßler. Vor dem Bau der jetzigen Biogasanlage war es eine schmale Verbindungsstraße zwischen Wittenförden und dem Ortsteil Hof Wandrum mit Ausweichtaschen für den Gegenverkehr. Die Straße wurde zwar verbreitert, dennoch werden Gehwege und Seitenstreifen auch heute noch kaputt gefahren, wenn Laster oder Landmaschinen ausweichen müssen. „Dabei gibt es eine Anbindung über das Gewerbegebiet“, berichtet Waldemar Messerle. Über diesen Weg wird auch die Gülle von der Sauenanlage des Betriebes in Wittenförden zur Biogasanlage gebracht.

Darüber hinaus befürchten die Anwohner, dass der Landwirt immer mehr Mais anbaut, um die Biogasanlage zu füttern. Viele Kritikpunkte, viele offene Fragen. „Zu diesem Thema hätte es eine Einwohnerversammlung geben müssen“, betont Werner Keßler. Der Rentner war ebenfalls bereits im Amt Stralendorf, um die Unterlagen einzusehen. Doch ein Laie habe kaum eine Chance, da durchzusteigen. Bis zum 7. April liegen die Unterlagen zu den Öffnungszeiten noch aus, Hinweise und Stellungnahmen können abgegeben werden. Diese Auslegung ist die „frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung … zum vorhabenbezogenen Bebauungsplan“. Entschieden ist damit noch nichts, betont Bürgermeister Ralph Nemitz. Die Gemeindevertretung wird und muss sich damit weiterhin befassen. „Die Alternative zur Erweiterung der Anlage ist allerdings ein Neubau nur ein Stück weiter auf Schweriner Gebiet“, berichtet Nemitz. Damit würden die Belastungen und Belästigungen für die Wittenfördener nicht geringer. Der Vorteil, die Steuereinnahmen für die Gemeinde, jedoch wegfallen. Nemitz bringt auch in Erinnerung, dass die Gemeindevertreter alles andere als erfreut waren, als die Anlage 2011 am Rande von Hof Wandrum errichtet wurde. Die Gemeinde hatte sich dagegen ausgesprochen. Die Genehmigung wurde aber vom Landkreis erteilt, weil der Landwirtschaftsbetrieb eine solche im Außenbereich errichten darf.

Hans-Markus Riecken vom Örtlichen Landwirtschaftsbetrieb nebst Tochterfirma Bioenergie Wittenförden kennt die Kritikpunkte und bittet um eine sachliche Debatte. „Die Anlage passt hierher“, betont der Landwirt und Geschäftsführer. „Unsere Biogasanlage wurde gerade erst ausgezeichnet, weil hier die enge Kooperation von Landwirtschaft und Wirtschaft beispielhaft funktioniert.“ Denn das in Hof Wandrum erzeugte Biogas wird zum größten Teil in Blockheizkraftwerken im nahen Gewerbegebiet Sacktannen verbrannt. Dadurch entsteht nicht nur Strom, sondern auch Wärme. Und die wiederum nutzen die Industriebetriebe zum Heizen ihrer Räume. Genau das soll ausgeweitet werden. An der Baustruktur der heutigen Biogasanlage soll sich aber nichts ändern. Die Maximalleistung, die heute nicht erreicht wird, soll jedoch von 0,8 auf 1,2 Megawatt erhöht werden. Dadurch werden sicher mehr Transportfahrten zur Biogasanlage nötig, Riecken spricht von zusätzlich ein bis zwei Fahrten pro Tag.

Auch zur heutigen Verkehrssituation nimmt der Landwirt Stellung. Er verweist darauf, dass auch andere Landwirtschaftsbetriebe die Hof Wandrumer Straße stark nutzen. Und über die Anbindung der Biogasanlage gibt es Absprachen mit der Gemeinde. So sei vereinbart, dass der Weg über das Gewerbegebiet für die Gülletransporte genutzt wird, weil das die kürzeste Strecke ist. Die anderen Transporte zur Biogasanlage rollen über die Hof Wandrumer Straße und aus Richtung Neu Wandrum. „Daran halten wir uns.“ Riecken betont auch, dass der Maisanbau nicht Überhand nehmen werde: Selbst nach der Erweiterung soll maximal ein Viertel der Flächen des Landwirtschaftsbetriebes mit Mais bestellt werden.

Der Geschäftsführer ist zudem offen für eine Infoveranstaltung auf den Gelände der Biogasanlage. Dann könnten sich die Kritiker auch davon überzeugen, dass die jetzige Anlage den hohen Sicherheitsansprüchen in Nähe des Trinkwasserschutzgebietes schon heute genügt. Hans-Markus Riecken ist davon überzeugt, dass die Biogasanlage noch in diesem Jahr erweitert werden kann.

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erstellt am 02.Apr.2014 | 10:00 Uhr

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