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Zeitung für die Landeshauptstadt

17. August 2017 | 15:39 Uhr

Schwerin : Bildungskarte ist gefragt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Geld aus Bundesprogramm für sozial schwache Familien kommt mehr als 7000 jungen Schwerinern zugute

Mehr als 7000 Kinder haben in Schwerin bislang Geld aus dem Bildungs- und Teilhabepaket bekommen. Im vergangenen Jahr wurden 1,48 Millionen Euro ausgezahlt. Das ist eine gute und eine schlechte Nachricht zugleich – findet Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow. „Es zeigt, dass das Bundesprogramm ein Erfolgsmodell ist. Es zeigt aber auch, dass die Armut in Schwerin groß ist.“

Anspruch auf die Leistungen haben Eltern, die Arbeitslosengeld II, Wohngeld, Leistungen zum Lebensunterhalt beziehungsweise Grundsicherung oder einen Kinderzuschlag erhalten. Wenn sie das nachweisen können, erhalten sie im Stadthaus die so genannte Bildungskarte, die im Prinzip wie eine Scheckkarte funktioniert. Beim jeweiligen Anbieter, zum Beispiel dem Caterer des Schulessens, wird sie einfach vorgezeigt. Die Verrechnung erfolgt dann, ohne dass die Eltern weiter Anträge ausfüllen oder Nachweise führen müssten. 214 verschiedene Leistungsanbieter – zum Beispiel für Mittagessen, Sport, Kultur oder Nachhilfe – akzeptieren die Bildungskarte in Schwerin als Zahlungsmittel.

Insgesamt hat die Stadt bis Ende April 2016 in Schwerin 4496 Bildungskarten ausgestellt. „Mehr als 90 Prozent der Anspruchsberechtigten nutzten die Leistungen des Pakets“, sagt die Fachdienstleiterin Soziales, Barbara Diessner. Das meiste Geld floss 2015 in gemeinsames Mittagessen (540 000 Euro), in Lernförderung (310 000 Euro), Schulbedarf (248 000 Euro), Schülerbeförderung (161 000 Euro) und Kita- oder Klassenfahrten (114 000 Euro).

Stiefkind des Projektes ist bislang die so genannte Teilhabe. Dahinter verstecken sich Beiträge für Musikunterricht, Sportverein oder Museums- und Theaterbesuche. Zehn Euro pro Monat können Kinder und Jugendliche dafür bekommen. Lässt sich ein professioneller Instrumentenunterricht davon überhaupt stemmen? OB Gramkow und Barbara Diessner sind davon überzeugt. Allerdings braucht das mehr Einsatz der Eltern. Sie müssten bei den Musikschulen nach Sozialklauseln oder an der Schule ihres Kindes fragen, ob dort günstiger Musikunterricht möglich ist. „Auf dem Dreesch wird das an mehreren Schulen angeboten“, so Gramkow. Auch Sportvereine würden für sozial schwache Mitglieder sozial verträgliche Beiträge aushandeln. „Das Teilhabepaket wollen wir definitiv noch mehr bewerben“, sagt Barbara Diessner. 2015 flossen nämlich nur 74 000 Euro daraus an Schweriner Familien.

Die „Werbung“ erfolgt übrigens auch an den Schulen direkt, zum Beispiel über Sozialarbeiter oder Sekretärinnen, die ebenfalls Geld aus dem Bildungspaket bekommen. „Das Konzept ist sehr gut, wir bekommen vom Bund nicht nur Geld für die Familienhilfe, sondern auch für die Umsetzung, also städtisches Personal“, betont Gramkow. „Ich hoffe, dass die Flüchtlingshilfe auch so konzipiert wird.“

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erstellt am 11.Jul.2016 | 12:00 Uhr

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