zur Navigation springen

Faire Mode gegen Ausbeutung in Schwerin : Biete Kostüm, suche Mantel

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Kleidertausch-Nachmittag informiert über ausbeuterische Bedingungen in der Modeproduktion und zeigt Alternativen zum Neukauf

von
erstellt am 15.Mär.2017 | 12:00 Uhr

Wer ein bisschen intensiver recherchiert, warum seine neu gekaufte Jeans, die schicke Bluse oder die absolut angesagte Jacke so enorm günstig sind, der stößt ziemlich schnell auf erschreckende Fakten und Bilder: Kleidung wird heute oft unter sklavenähnlichen Bedingungen produziert. Riesige Wassermengen werden in manchen Ländern zu Baumwollpflanzen gespült, während nicht weit entfernt Menschen verdursten. Die Zustände in einigen asiatischen Nähereien sind vielen Menschen in Europa inzwischen bekannt – spätestens seit dem Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesh im Jahr 2013 mit mehr als 100 Toten. Doch kann man diesem Teufelskreis entkommen? Gleich mehrere Alternativen will eine Gruppe engagierter Schweriner aufzeigen, die am Sonntag, 26. März, von 13.30 bis 17 Uhr zum Kleidertausch ins Haus der Kultur am Pfaffenteich einlädt.

Im großen Saal der Kunst- und Musikschule Ataraxia sollen dann gut erhaltene Kleidungsstücke ihren Besitzer wechseln. Kostenlos, dafür aber mit viel Spaß, Kennenlern-Faktor und Kinderbetreuung. Ein Nachmittag, an dem die Gäste gern länger bleiben sollen. Das Prinzip: Jeder, der kommt, darf maximal zehn gut erhaltene, eigene Kleidungsstücke mitbringen. Er legt sie dann auf die nach Größen gekennzeichneten Tische und sucht sich selbst maximal zehn andere Sachen aus. Fehlkäufe, Kleider mit negativen Erinnerungen oder Mode, die einfach nicht passt, können hier den Besitzer wechseln.

In weiteren Räumen gibt es Informationen rund um die Produktionsbedingungen unserer Mode, Fair-Fashion-Labels werden vorgestellt ebenso wie Rezepte für selbstgemachte Kosmetik oder Waschmittel. Zum Warmwerden gibt es fairen Kaffee, Snacks und Geschichten rund um den gerechten Handel. Zur Erinnerung: Schwerin bewirbt sich aktuell um die Verlängerung des Titels „Fairtrade-Stadt“, den die Landeshauptstadt seit 2013 trägt.

„Schweriner Jugendliche haben Kleidertausch-Partys im Paulskirchenkeller schon vorgemacht“, sagt Ralf Göttlicher, Bildungsreferent bei der Aktionsgruppe Eine Welt. „Mit dieser Aktion hoffen wir, alle Generationen zu erreichen und vor allem solche Schweriner, die wir von Fairtrade-Vorträgen oder ähnlichen Veranstaltungen noch nicht kennen“, fügt er augenzwinkernd hinzu. „Wir“, das sind Vertreter von Weltladen, Lokaler Agenda 21, Paulsstadttreff, Diakonischem Werk und Attac Schwerin. Sie alle sind gespannt, wie die Aktion ankommt. „In Großstädten ist der Kleidertausch zurzeit ja sehr angesagt“, erklärt Cornelia Siburg vom Organisationsteam. „Ich selbst bin entsetzt über die Zustände in der Modeproduktion und habe mein Einkaufsverhalten inzwischen verändert.“ Ihr Credo: Weniger ist mehr. „Nach einer Farbberatung habe ich mir entsprechende Basics gekauft, die ich jetzt verschieden kombiniere“, sagt sie. Sie ist besonders froh darüber, dass es am 26. März vor dem eigentlichen Tausch, nämlich von 13.30 bis 14.30 Uhr, eine Stunde Farbberatung gibt. Am Donnerstag, 23. März, stimmt ab 19.30 Uhr der Film „The true cost – Der Preis der Mode“ beim Kino unterm Dach in der Volkshochschule aufs Thema ein. Im Anschluss stehen Ralf Göttlicher, Cornelia Siburg und Alenka Baerens für Diskussionen zur Verfügung.

Übrigens: Kleidung, die am Sonntag mitgebracht wird, aber keinen neuen Liebhaber findet, darf vom Besitzer wieder mit nach Hause genommen werden oder sie wird der Flüchtlingshilfe gespendet.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen