Schwerin : Bibliothekar am Zapfhahn

Theke statt Bücherregal: Björn Stotko, der in der Stadtbibliothek gelernt hat, hilft in „Steini’s Pub“ aus.
Foto:
Theke statt Bücherregal: Björn Stotko, der in der Stadtbibliothek gelernt hat, hilft in „Steini’s Pub“ aus.

Unbeliebte Arbeit am Wochenende: Gastro-Branche sucht händeringend Fachkräfte, Aushilfen und Auszubildende

von
07. Mai 2018, 16:00 Uhr

Eigentlich kennt sich Björn Stotko mit Literatur aus. Der 27-jährige Schweriner hat eine Ausbildung in der Stadtbibliothek gemacht, doch nun hilft er in „Steini’s Pub“ in der Lübecker Straße, muss an der Theke nicht Buchtitel, sondern Biersorten auseinanderhalten. „Weil ich als Bibliothekar in MV nur schwer eine Anstellung finde, mache ich zurzeit eine Umschulung zum Tourismus- und Freizeitkaufmann“, sagt Stotko. Da sei der Mini-Job am Zapfhahn gerade recht gekommen, um sich ein paar Euro dazuzuverdienen. „Ich habe die Anzeige gesehen und bin rein.“

Heiko Steinmüller, Wirt von „Steini’s Pub“, ist froh, dass er Björn Stotko hat. „Es ist zum Verzweifeln, niemand will mehr an den Wochenenden arbeiten“, klagt er. Händeringend suche die gesamte Branche nach Mitarbeitern und Auszubildenden. Er habe sogar schon einen Aushang in der Fachhochschule des Mittelstandes am Pfaffenteich gemacht, an der ja immerhin auch angehende Hotel- und Tourismus-Manager studierten, um Aushilfen zu finden. „Aber kein Student hat sich bei mir gemeldet“, berichtet Steinmüller.

Ja, die Arbeit am Wochenende, sie halte viele junge Leute von einer Ausbildung oder einem Job in der Gastronomie ab, bestätigt Matthias Theiner, Vorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in der Region Schwerin. „Es ist sehr schwer, frei werdende Stellen wieder zu besetzen.“ Was tun? Durch Jugendmeisterschaften und Auftritte bei Berufsmessen versuche die Branche, um Nachwuchs zu werben, so Theiner. Mal mehr, mal weniger erfolgreich. Kreative Lösungen sind gefragt. So setzt etwa das Schlosshotel Basthorst bei personalintensiven Großveranstaltungen ganz gezielt auf die Unterstützung aus den Studenten-Städten Rostock und Wismar. „Und es funktioniert“, sagt Personalleiterin Anja Lux. Für den Herbst seien jedoch auch schon fünf Ausbildungsverträge abgeschlossen worden, darunter ein Vertrag für einen Koch.

Köche und RestaurantFachleute halten sich aber nach wie vor beharrlich unter den „Top-Fünf“ der unbesetzten Ausbildungsplätze in Westmecklenburg. 80 freie Lehrstellen für Köche und 73 für Restaurant-Fachleute verzeichnet die aktuelle Statistik der Schweriner Arbeitsagentur. „Für junge Leute ist heute nicht immer der Verdienst entscheidend“, erklärt Agentur-Chef Guntram Sydow. Beim Beruf zählten Image, Sicherheit und eben auch Freizeitchancen. 555 Fachkräfte würden derzeit in Gastronomie und Hotellerie der Region gesucht, so Sydow.

Björn Stotko macht der Job an der Theke Spaß. Und bei einer künftigen Tätigkeit als Tourismus- und Freizeitkaufmann könnte es ja durchaus Berührungspunkte mit dem Gastgewerbe geben.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen