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Zeitung für die Landeshauptstadt

18. November 2017 | 02:18 Uhr

Barnin : Biber nagt am Barniner See

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Tiere fällen im Uferbereich eine Weide nach der anderen: Gemeinde kann aber nicht eingreifen und muss dem Treiben zusehen

von
erstellt am 21.Mai.2015 | 16:00 Uhr

Etwa fünf Biber sollen sich am Barniner See und der Warnowlandschaft zwischen Bülow und Demen aufhalten, erzählt Siegfried Zimmermann. Sie zu sehen, gelingt allerdings meistens nicht. Die Nagetiere sind scheu. Aber ihre Spuren sind deutlich. Sehr deutlich, sagt der Bürgermeister.

Denn im Uferbereich des Barniner Sees hat der Biber mehrere Bäume umgelegt. Es waren beileibe keinen schwachen, so Zimmermann, sondern stattliche Gehölze, vorwiegend Weiden. Auch wenn diese nicht unbedingt zu den wertvollen Bäumen gehören, sei es allemal ärgerlich, was der Biber hier angerichtet hat, meint Zimmermann. Er weiß, dass Biber unter Naturschutz stehen. Einerseits sei es schön, dass der Pflanzenfresser hier wieder heimisch ist, andererseits aber zerstöre er die Landschaft, indem er einen Baum nach dem anderen fällt – auf seine spezielle Art, betont der Barniner. Der Biber verwendet beim Abholzen die so genannte „Sanduhrtechnik“. Das Holz wird in Form einer Sanduhr benagt, bis der Baum fällt. Je nach Härte des Holzes kann ein Biber in einer Nacht einen bis zu 50 Zentimeter dicken Baum fällen, sagen Experten. Auch auf privaten Grundstücken habe sich der fleißige Bokert schon zu schaffen gemacht – meist an Obstbäumen. Aber auch vor Tannen soll er nicht halt gemacht haben, erzählt der Barniner.

Die Kommune habe sich an die Untere Naturschutzbehörde beim Landkreis Ludwigslust-Parchim gewandt. Dort habe man gesagt, dass es unsinnig wäre, den Biber umzusiedeln. Ist er an einer Stelle weg, werde sich dort alsbald ein anderer ansiedeln. So müsse die Gemeinde dem Treiben der Nagetiere weiter zusehen. Mit der Aussicht, so Zimmermann, dass im Laufe der Zeit immer mehr Bäume „gefällt“ werden und es am Ufer des Barniner Sees bald keine Weiden mehr geben wird.

Der Barniner See liegt im Landschaftsschutzgebiet. „Der Mensch darf hier keinen Ast abnehmen, der Biber aber ganze Bäume umlegen. Da stimmt doch was nicht“, macht Zimmermann seinem Unmut Luft.

Bäume mit Maschendraht zu schützen, hält der Bürgermeister derzeit für unrealistisch. Der Aufwand wäre zu hoch. So werde man erst einmal mit diesem Zustand leben müssen. Nimmt der Biberfraß an Bäumen Überhand, dann aber müsse neu überlegt werden, ob man die Bäume doch schützt. Jedes Jahr verschaffen sich die Barniner einen Überblick über den Baumbestand am Ufer. Denn angenagte Bäume können auch eine öffentliche Gefahr darstellen.

Die Agrarexpertin der CDU-Landtagsfraktion, Beate Schlupp, hat eine Kleine Anfrage zur Entwicklung der Biber-Population in MV an die Landesregierung gestellt. Wenn es eine gesunde Population gibt, sollte man auch über eine Bestandsobergrenze nachdenken, regt sie an. Vor allem wenn es durch Überschwemmungen um erhebliche wirtschaftliche Schäden in der Landwirtschaft oder um die Gefährdung der Sicherheit geht. Ziel sollte sein, Präventionsmaßnahmen wie Schutzzäune für neu angepflanzte Bäume zu fördern oder Schäden zu regulieren. Letzteres werde in Teilen auch schon gemacht, erklärt Schlupp gegenüber SVZ. Auch eine kleine Kommune wie Barnin dürfe mit dem Problem nicht allein gelassen werden. Sie habe mit der Anfrage eine Debatte anstoßen wollen, sagt die Landtagsabgeordnete.

Bei Natur- und Umweltschützern stoßen Überlegungen zu Bestandsobergrenzen auf Widerstand.



 

 

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