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Zeitung für die Landeshauptstadt

22. Oktober 2017 | 19:39 Uhr

Gädebehn : Biber nagen Tannen und Eichen an

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Im Warnowtal bei Gädebehn hat der Nager viele Fraßpuren hinterlassen: Forst darf nicht eingreifen, denn die Tiere sind geschützt

von
erstellt am 20.Mai.2016 | 16:00 Uhr

Mit den Bibern gäbe es schon lange Probleme, sagt Ingo Nadler, Leiter des Forstamtes Gädebehn. Er müsse gar nicht weit gehen, um sie zu sehen. Etwa hundert Meter vom Forsthaus im Warnowtal zeigt Nadler auf hoch gewachsene Tannen, auf Weißtannen. Schaut man nach oben, sehen sie kräftig und gesund aus. Schaut man nach unten, wird das Problem deutlich: Unmittelbar über der Wurzel haben die Biber die Baumrinde abgefressen. Nicht nur bei einem Baum, sondern bei vielen.

Die Nager haben die Weißtannen erst vor wenigen Jahren entdeckt, erklärt der Forstamtsleiter. Diese Bäume seien vor rund 115 Jahren an der Warnow gepflanzt worden. Darüber gebe es noch Aufzeichnungen, so Nadler. Die Weißtanne sei ein Gebirgsbaum und spiele in unserer Region nicht die bedeutende Rolle. Gleichwohl habe ihr Bestand bundesweit abgenommen.

Dass sich jetzt der Biber an Weißtannen zu schaffen mache, sei aber allemal ärgerlich, so Ingo Nadler. Er fresse die Rinde runter, dabei ist diese für einen Baum lebenswichtig. Fehlt sie, stirbt er irgendwann ab. Das werde auch hier passieren, prognostiziert der Forstamtsleiter. An die 50 Bäume seien betroffen, schätzt er. Früher, so erzählt er, haben sich die Biber eher an weiches Gehölz gehalten: Weiden, Pappeln. Mittlerweile aber verschmähen sie auch die Eichenbäume nicht mehr. „Die mögen sie inzwischen richtig.“ Und setzt nach: „Die jungen Exemplare besonders.“

Bei Gädebehn hatte die Forst vor einigen Jahren eine Fläche mit Eichenbäumen aufgeforstet. Es gibt kaum einen einzigen gesunden Baum mehr. Aus dem Boden ragen nur noch die kurzen, abgenagten Stämme heraus, die aussehen wie größere Bleistift-Stummel. Die Fläche war nicht eingezäunt, die Tiere hatten ein leichtes Spiel. Genau gegenüber aber ein völlig anderes Bild: Hier haben sich die Eichenbäume gut entwickeln können, denn ein Zaun schützt sie vor den Nagern oder anderen Wildtieren. Schade sei, so Forstamtsleiter Ingo Nadler, dass auch Buchenbäume schon dran glauben müssen. Diese seien an die 100 Jahre alt.

Auf 230 Biber wird der Bestand in dieser Region geschätzt. Drei Burgen soll es geben. Eigentlich, so weiß Nadler, wandern Biber weiter, wenn ihm der Platz nicht reicht. Derzeit seien die Biber in dieser Region aber sehr aktiv, so seine Beobachtung. Es gab in der Vergangenheit aber auch Jahre, in denen deutlich weniger Biber hier unterwegs gewesen seien.

Auch wenn einem der Anblick von abgenagten Baumstämmen nicht gefallen mag, so Nadler, eingreifen dürfe die Forst nicht. „Der Biber ist eine geschützte Art – europaweit.“ Es sei verboten, ihn zu stören und ihn aus seinem Lebensraum zu vertreiben. „Wir als Forst dulden den Biber und versuchen, mit Schutzmaßnahmen zu reagieren, wenn der Biber anfängt, große Bäume anzunagen.“ Es gäbe ein Mittel, mit dem man den Stamm einstreichen kann, es soll die Bäume gegen den Biberfraß schützen. Der Fachmann weiß aber auch: Man schützt in dem Moment zwar einzelne Bäume und vertreibt den Biber. Aber in einem neuen Revier nagt er neue Bäume an: Das Problem werde also nur verlagert, nicht gelöst.

Anderen Leuten bereitet der Biber wirtschaftlichen Schaden. Ein privater Waldbesitzer aus der Region fordere bereits Entschädigung, weil Biber auf aufgeforsteten Flächen großen Schaden angerichtet haben, erzählt Nadler. Andere Bundesländer hätten schon reagiert. Nadler selbst plädiert auch für eine Regelung. Man dürfe die Augen nicht verschließen. Mit Einzelmaßnahmen komme man nicht sehr weit. Ein Managementplan müsse her.

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