Schwerin : Bewahrer gebauter Geschichte

„Sachen aus alten Häusern rühren mich, weil sie mal mit dem Leben von Menschen verbunden waren“, sagt Architekt Ulrich Bunnemann. Er hat schon 50 Gebäude der Altstadt saniert.
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„Sachen aus alten Häusern rühren mich, weil sie mal mit dem Leben von Menschen verbunden waren“, sagt Architekt Ulrich Bunnemann. Er hat schon 50 Gebäude der Altstadt saniert.

Zum Denkmaltag am 18. April stellt SVZ Besonderheiten in Schwerin vor – heute: Architekt Ulrich Bunnemann rettet alte Gebäude

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17. April 2019, 12:00 Uhr

Schelfstadt | Die Schwimmhalle in Lankow ist eines, natürlich das Schloss, aber auch diverse Wohnhäuser, der Kran am Hafen, einzelne Türen, Grabsteine oder Trafo-Stationen: Denkmäler. Fast täglich kommen wir an den schützenswerten Zeitzeugen vorbei. Am 18. April ist Internationaler Denkmaltag – er soll diese Schätze ins Bewusstsein rücken. SVZ stellt deshalb verschiedene Denkmale vor.

Das Unscheinbare hat selten eine Lobby. Doch es gibt auch Ausnahmen. Vorsichtig holt Ulrich Bunnemann den vergilbten Rest einer weißblauen Tapete aus dem Regal. Scherben, Fläschchen, Knäufe, Knöpfe und andere Bruchstücke aus einer Zeit, deren Wandel das einzig Beständige ist, finden sich dort ebenso in der kleinen Sammlung. Die vielleicht für spätere Generationen mal großen Wert hat. Und doch nichts mit Vergangenheitsseligkeit zu tun hat.
„Das sind alles Sachen, die ich in alten Häusern gefunden habe. Sie rühren mich, weil sie mal mit dem Leben von Menschen eng verbunden waren“, sagt der 55-Jährige, den es 1996 nach Schwerin verschlug. „Mich hat extrem gestört, dass in der Innenstadt leer stehende Häuser abgerissen wurden, einfach so verschwanden“, erinnert sich der Diplom-Ingenieur, der 2003 seine Firma, die Schelfbauhütte, gründete. Aus einem Mitarbeiter sind mittlerweile 60 geworden. Und Bunnemanns Überzeugungskünste wurden immer besser. Besonders, wenn er junge Leute für alte Bausubstanz begeistern konnte, die er wieder zu neuem Leben erweckte. Wenn er abends an hell erleuchteten Fenstern vorbeiläuft, wo sich früher Ratten tummelten und Bäume aus Dächern wuchsen. 50 Häuser hat er bereits im Herzen der Altstadt saniert, nach energetischen wie denkmalschützerischen Aspekten. „Es geht darum, den Charakter des Gebäudes zu bewahren und es durch guten Wärmeschutz in eine neue Zeit herüberzuretten.“

Das historische Erbe sei für Schwerin überlebenswichtig, mahnt Bunnemann, der mit seinem Team auf Bundesebene bereits fünf Preise erhalten hat. „Touristen wollen Authentizität und keine Kopien. Natürlich muss auch die Wirtschaftlichkeit gegeben sein, sonst könnte ich ja nicht überleben und Projekte umsetzen.“ Die hoffnungslosesten Fälle seien für ihn die, die seinen Ehrgeiz besonders anstachelten, gesteht Bunnemann und nennt als Paradebeispiele die alte Schall & Schwenke Brauerei am Ziegelinnensee sowie die einstige Volksschwimmhalle in Lankow. Beides heute beste Wohnlagen.

„Denkmalpflege ist auch ein Transportmittel für Emotionen und Erinnerungen. Die Leute in Lankow waren so dankbar, dass wir den Ort, an dem die meisten von ihnen Schwimmen gelernt hatten, nicht einfach lieblos abgerissen haben, sondern in eine neue Nutzung überführten“, berichtet der Fachmann. „Mit jedem Abriss schneide ich Geschichte ab. Dem Verworfenen neues Leben einzuhauchen, das zu reanimieren, was andere schon aufgegeben haben, das ist mein Anspruch.“ Er wolle einen positiven Fußabdruck auf dieser Erde hinterlassen.

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