Kriminalität : Betrüger am Telefon sind immer dreister

Die Sprecherin der Schweriner Verbraucherzentrale, Cornelia Nagel
Die Sprecherin der Schweriner Verbraucherzentrale, Cornelia Nagel

Verbraucherzentrale und Polizei bitten vor allem Senioren um besondere Vorsicht

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20. Juni 2015, 08:00 Uhr

Ihr Komplize ist das Telefonbuch. Dort suchen die Täter gezielt nach älteren Vornamen, besonders von Frauen: Hannelore, Hildegard, Gertrud, Irmgard oder Ilse stehen zum Beispiel hoch im Kurs. Am Hörer geben sich die Betrüger dann als Verwandte, Rechtsanwälte und sogar Polizisten aus, täuschen eine Notsituation vor – und haben nur ein Ziel: ihren Opfern möglichst viel Geld aus der Tasche zu ziehen.

Um Rentnern ihr Vermögen abzuschwatzen, werden die Täter immer erfinderischer. Der klassische Enkeltrick ist längst noch perfideren Betrugsmaschen gewichen. So staunte ein Schweriner jetzt nicht schlecht, als er auf seinem Anrufbeantworter etwa folgenden Text vorfand: „Hier ist die Rechtsanwaltskanzlei… Gegen Sie liegt ein Antrag auf ein gerichtliches Mahnverfahren mit einem Streitwert von 800 Euro vor. Sie haben einmalig die Möglichkeit, einen Vergleich einzugehen. Drücken sie die 1. Dies ist die letzte Warnung.“

„Sofort den Telefonhörer auflegen, keine Zahlen eintippen, keine Zusagen machen“, rät die Sprecherin der Schweriner Verbraucherzentrale, Cornelia Nagel. Immer wieder kämen Betroffene in die Beratungsstelle in der Dr.-Külz-Straße, seien in heller Aufregung, kaum zu beruhigen. „Und wahrscheinlich kennen wir nur die Spitze des Eisberges“, so Nagel.

„Ende Mai hatten wir an einem Tag fast 20 Fälle von Telefontrickbetrug in der Stadt“, berichtet der Chef des Schweriner Kriminalkommissariates, Jörg Ninnemann. Die Story sei immer die Gleiche gewesen: Die Betrüger hätten sich als Enkel oder Neffen ausgegeben, die ein Haus kaufen wollen, beim Notar sitzen und dringend Geld benötigen. „In keinem Fall wurde aber Geld übergeben“, so Ninnemann.

Aufmerksam verhielten sich auch die Schweriner Senioren, bei denen sich ein angeblicher Polizist gemeldet hat. „Als Legende benutzte der Anrufer laufende Ermittlungen der Kripo bei Wohnungseinbrüchen. Dabei sei man auf die Kontodaten der angerufenen Personen gestoßen und diese müssten jetzt abgeglichen werden“, schildert Sylvio Gode, Leiter des zuständigen Sachgebiets im Kriminalkommissariat. Die „echte“ Polizei würde von niemandem per Telefon die Kontodaten erfragen, betont er.

In einem Fall aus der jüngsten Vergangenheit hatten Betrüger aber Erfolg. Mehrere tausend Euro ergaunerten sie von eine gutgläubigen Rentnerin aus der Landeshauptstadt. Den Anrufern auf die Spur zu kommen, sei sehr schwierig, erklärt Kripo-Chef Ninnemann. Teilweise operierten sie sogar aus dem Ausland. Deshalb rate auch die Polizei: „Im Falle eines Falles sofort auflegen und dann den Notruf 110 wählen.“

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