Carat-Hotel : Betreiber filetieren Schweriner Hotel

<strong>Wirbel </strong>um das Carat-Hotel
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Wirbel um das Carat-Hotel

Verfall der Sitten im ersten Haus der Landeshauptstadt: Ein Dreivierteljahr nach der Übernahme des ehemaligen Crowne Plaza Hotels erhöhen die Betreiber des Vier-Sterne-Carat-Hotels den Druck auf die Mitarbeiter.

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10. Oktober 2013, 08:48 Uhr

Schwerin | Verfall der Sitten im ersten Haus der Landeshauptstadt: Ein Dreivierteljahr nach der Übernahme des ehemaligen Crowne Plaza Hotels in Schwerin erhöhen die Betreiber des Vier-Sterne-Carat-Hotels den Druck auf die Mitarbeiter. Nach verspätet gezahlten Löhnen und der Ankündigung der Belegschaft, einen Betriebsrat gründen zu wollen, hat das Management inzwischen die Hotelgesellschaft zerschlagen und wesentliche Teile ausgegliedert, heißt es im Unternehmensumfeld. Hotelkeeping, Fitnesscenter, Restaurant: Die Aufgaben sollen jetzt alle von eigenen Gesellschaften erfüllt werden. Selbst die Haustechnik soll an einen externen Anbieter abgegeben worden sein. Lediglich die Rezeption solle noch in eigener Regie betrieben werden. Zudem seien weitere Beschäftigte gekündigt worden sein.

Damit wird es für die Verbliebenen Beschäftigten im nobelsten Hotel der Stadt deutlich komplizierter, ihre Arbeitnehmerrechte zu wahren. Die Wahl eines Betriebsrates werde immer schwieriger, kritisierte Jörg Dahms, Landeschef der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) das Vorgehen des Hotel-Managements: "Das zeigt, welche Kultur in der Carat-Gruppe herrscht." Dass das Management mit so viel Aufwand und Kosten eine Betriebsratswahl offenbar verhindern wolle, "so etwas habe ich noch nicht erlebt", sagte Dahms. Die Beschäftigten hielten dennoch an der Betriebsratswahl fest.

In der Hotel- und Gaststättenbranche in MV sind Betriebsräte in Chefetagen nicht gern gesehen. Bislang gibt es NGG-Angaben zufolge, in den mehr als 5000 Betrieben der Branche in MV lediglich in zwölf Häusern Betriebsräte.

Das Carat-Hotel steht seit Monaten wegen stockender Lohnzahlungen in der Kritik. Zudem seien Kollegen gekündigt worden, nachdem die Belegschaft mit den Vorbereitungen zur Wahl eines Betriebsrates begonnen hatte. Bei der Übernahme hatte sich das Haus allerdings verpflichtet, alle Beschäftigten des ehemaligen Crowne-Plaza zu übernehmen. Nach wie vor sollen die Gehälter nur schleppend gezahlt werden, hieß es. Die Hotel-Betreiber verweigerten gestern jede Erklärung zu den Vorwürfen. "Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass der Betreiber derzeit keine Stellungnahme zu Ihren Fragen abgeben möchte", teilte David Felix aus der Rechtsabteilung von der schweizerischen Carat-Service-Gesellschaft Antik Hotel Management (AHM) gestern mit. Stattdessen drohte die AHM mit "juristischen Schritten" gegen die Berichterstattung.

Noch Ende August hatte das Unternehmen mitgeteilt, keine Änderungen der Arbeitsverträge vorzunehmen - außer "bei Lohnanpassungen nach oben", wie Felix seinerzeit erklärte. Die teilweise wochenlang ausstehenden Löhne hatte das Unternehmen u. a. mit erheblichen Sanierungskosten begründet, die seit der Übernahme Anfang Februar entstanden seien. Die Beschäftigten müssten sich auch in den kommenden Wochen auf verzögerte Lohnzahlungen einstellen, kündigte Felix seinerzeit an. Zudem hatte er weitere, vereinzelte, betriebsbedingte Kündigungen "nicht ausgeschlossen".

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